Expertenwissen ist gefragt. Sowohl Mieter als auch Vermieter lassen Materialproben auf Asbest untersuchen. Der gemeinnützige Verein Messzelle an der Technischen Universität Berlin bietet preisgünstige Analysen für Privatpersonen und öffentliche Einrichtungen an. Für die Berliner Zeitung erläutert Umweltberater Peter Gärtner, worauf man achten sollte und wo die Gefahren lauern.

Wie erkennt man Materialien, die Asbest enthalten?

Typisch für asbesthaltige PVC-Bodenfliesen, die auch als Flexplatten oder Floor-Flexplatten bezeichnet werden, ist häufig eine Kantenlänge von 25 mal 25 Zentimetern und eine farbliche Marmorierung. Weiche Beläge enthalten dagegen eher selten Asbest. In einigen Haushalten findet sich jedoch noch alter Cushionvinyl-Bodenbelag, das ist Weich-PVC-Bahnenware mit leicht gebundenem Asbest auf der Rückseite, das ist besonders gefährlich. Hiervon sollte man tunlichst die Finger lassen. Gewissheit, ob asbesthaltig oder nicht, bekommt man aber nur, wenn eine Probe untersucht wird.

Welche Gefahr geht von asbesthaltigen Bodenbelägen aus?

Solange die Asbest-Vinyl-Fliesen unbeschädigt sind, geht keine Gefahr von ihnen aus. Der Asbest ist in den Fliesen fest gebunden. Wenn die Fliesen beschädigt sind, können aber Fasern freigesetzt werden und über die Atemluft in die Lunge gelangen, wo sie Krebs auslösen können. Es gibt keine untere Grenze, ab der Asbestfasern ungefährlich sind. Andererseits muss man bedenken, dass selbst in der normalen Umgebungsluft einige Asbestfasern sein können. Asbest war früher auch in Bremsbelägen von Autos, U-Bahnen und Aufzügen.

Die Vinyl-Asbest-Fliesen wurden bis in die 80er-Jahren verbaut. In welchem Zustand ist das Material heute?

Es kommt darauf an, welcher Belastung die Fliesen ausgesetzt waren oder sind. Es gibt Fliesen, die unter Möbeln oder Teppichen gut geschützt sind. Die können noch Jahre halten. In der Regel wird der Kunststoff aber über die Jahre spröde und brüchig. Starke Belastungen und auch Sonnenlicht können die Alterung noch beschleunigen. Dann sollte gehandelt werden. Als erstes können schadhafte Stellen provisorisch mit einer haltbaren Folie abgedeckt werden. Anschließend sind die Fliesen fachgerecht zu entfernen.

Bis vor einem Jahr mussten bei einer Sanierung nur die Fußbodenfliesen entfernt werden, der asbesthaltige Kleber durfte aber in der Wohnung bleiben. Er musste nur versiegelt werden. Wie gefährlich ist der Kleber?

Solange der Asbest in dem Kleber fest eingeschlossen ist, geht keine Gefahr von ihm aus. Schließlich wird in der Regel auch noch ein Fußbodenbelag oder Teppich darüber liegen. Werden aber schadhafte Fliesen nur entfernt und es geschieht nichts weiter, dann liegt der Kleber offen. Beim Darüberlaufen und Saubermachen könnten von solchen Stellen Asbestfasern freigesetzt werden.

Wie lässt sich das verhindern?

Betroffene Wohnungen sollten in ein Schadstoff-Kataster aufgenommen werden. Darin sollte dokumentiert werden, welche Teile mit Asbest belastet sind. Damit die Bewohner und Handwerker wissen, wo sie nicht herangehen dürfen. Keiner darf an asbesthaltigen Bauteilen herumbohren, sägen, schleifen oder sie einfach rausreißen. Schadhafte Stellen müssen umgehend saniert werden.

Seit Mitte 2012 wird verlangt, dass bei einer Sanierung auch der Kleber entfernt wird. Ist das sinnvoll?

Bei asbesthaltigem Teerkleber ist das sinnvoll, da dann gleich andere Schadstoffe mit entfernt werden. Bei anderen asbesthaltigen Klebern ist die Frage schwerer zu beantworten. Der Asbest wird heute zwar komplett entfernt, aber die Sanierung wird dadurch sehr viel teurer. Es ist zu befürchten, dass das am Ende auch an der Höhe der Miete spürbar wird. Theoretisch könnte der asbesthaltige Kleber auch solange in der Wohnung bleiben, bis das Haus abgerissen wird. Die Vorsichtsmaßnahmen müssen aber eingehalten werden.

Messzelle e.V. – Umweltberatung und Analytik, Müller-Breslau-Straße 15, 10623 Berlin, Tel: (030) 31 42 58 06, kostenlose Sprechstunde dienstags und mittwochs von 16-18 Uhr.