Berlin - Die Casinos von Las Vegas? Die Oper von Sydney? Jeder hat Orte, die er gern zu Lebzeiten sehen würde. Wobei: Wer sagt, dass Reisen nach dem Tod unmöglich ist? Robin Klemm und Christoph Basner beweisen das Gegenteil. In ihrem Bestattungsunternehmen schicken die Berliner die Asche von Toten auf Weltreise.

Sie haben richtig gelesen: diese beiden Berliner Unternehmer führen das wohl skurrilste Reisebüro der Stadt. Wer möchte, kann hier die eigene Asche oder die eines verstorbenen Angehörigen auf Weltreise schicken.

Auf die Idee kamen Robin Klemm (26) und Christoph Basner (31), als sie im April ihre Bestattungs-Firma „November“ gründeten. „Wir wurden oft mit skurrilen Wünschen unserer Kunden konfrontiert“, sagt Klemm.

„Denn die Bestattungs-Kultur wird auch in Deutschland immer individueller.“ Um Verstorbenen auch nach ihrem Tod Träume erfüllen zu können, entwickelten die Männer die Weltreise-Idee. Denn reisen will zu Lebzeiten jeder – aber nicht immer klappt es. „Manchmal ist der Stress schuld, manchmal die Gesundheit“, sagt Klemm.

Nach der Rückkehr wird die Urne beigesetzt – wie geplant

Die Idee: Wer bei den beiden Männern bucht, legt im persönlichen Gespräch die Reiseziele fest. Das Unternehmen kümmert sich um die Organisation. In den meisten Fällen kann die Urne als Handgepäck reisen. „Es gibt nur wenige Länder, die es verbieten oder sehr schwer machen, dass man mit einer Urne einreist“, sagt Basner. Dazu gehören Kasachstan, Algerien und die Ukraine. Gerade in Europa sei es kein Problem. „Nur der Leichenschein muss immer mitgeführt werden.“

Ein Mitarbeiter reist dann mit dem speziell versiegelten Behälter zu den festgelegten Zielen – und schießt Erinnerungsfotos, die dann den Angehörigen überreicht werden. Dass die Reise wirklich stattgefunden hat, lässt sich mit Tickets und Formularen beweisen. Nach der Rückkehr wird die Urne beigesetzt – wie geplant.

Was hat aber der Tote davon? Nichts, möchte man meinen. „Aber genau weiß das natürlich niemand“, sagt Klemm. Es gebe verschiedene Glaubensrichtungen, in denen man davon ausgeht, dass die Existenz mit dem Tod nicht beendet ist.

Ist das nicht makaber?

Aber: Wie das Leben ist auch der Tod nicht billig. Eine Reise mit fünf Stationen soll je nach Zielen etwa 15.000 Euro kosten, hinzu kommen die normalen Bestattungsgebühren. Ein Trip zu einer einzelnen Station ist schon für 4000 Euro zu haben. Kein Service für jedermann – doch Klemm und Basner glauben an das Projekt. Gerade planen Sie mit einer Kundin aus Nürnberg die Reise, die ihre Urne nach ihrem Ableben zurücklegen soll.

Ist das nicht makaber? Nein, denn manchmal ist frühe Planung alles. Klemm: „Und als Bestatter wissen wir besser als viele andere, dass oft nicht mehr so viel Zeit bleibt wie gedacht.“