Berlin - Die kreative Szene prägt Berlins Ruf als Kulturstadt – doch Künstler haben es an der Spree nicht leicht. Das Angebot an bezahlbaren Atelierwohnungen entspricht bei weitem nicht der Nachfrage, wie aus der Antwort der Senatskulturverwaltung auf eine Anfrage des FDP-Abgeordneten Stefan Förster hervorgeht. So haben sich im vergangenen Jahr auf 14 freigewordene Atelierwohnungen, die per Wohnberechtigungsschein vermietet werden, 109 Künstler beworben.

Kommunale Atelierförderung

„Die angespannte Situation auf dem Wohnungsmarkt trägt dazu bei, dass Künstler und Kulturschaffende immer weniger bezahlbare Räume für ihre Ateliers finden“, sagt Förster. Der Senat sollte deswegen bei Neubauvorhaben dafür sorgen, dass einige der preisgebundenen Wohnungen zweckgebunden für Künstler zur Verfügung gestellt werden. „Die Einrichtung weiterer Atelierhäuser sollte geprüft werden“, so der Politiker.

Über die kommunale Atelierförderung werden derzeit laut Senat 582 Arbeitsräume für Künstler angeboten. Hinzu kommen 236 Atelierwohnungen, die von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung gefördert werden. In den Atelierwohnungen können die Künstler leben und arbeiten. Die Gesellschaft für Stadtentwicklung (GSE) ist für die stadtweite Anmietungen der Arbeitsräume zuständig. Die Ateliers werden dann vom Atelierbüro des Berufsverbandes Bildender Künstler (BBK) zur Vermietung ausgeschrieben. Der Atelierbeirat vergibt die Räume anschließend.

Die Mieten für Atelierwohnungen liegen laut BBK bei 4,89 Euro pro Quadratmeter (kalt). Wer einen Wohnberechtigungsschein vorlegt, muss nur 4,55 Euro pro Quadratmeter zahlen.

Jährlich gehen 350 geeignete Räume verloren

Nach dem im vergangenen Jahr vorgestellten Masterplan des Berliner Atelierbeauftragten werden mittelfristig 4000 neue Ateliers benötigt. Denn jährlich gingen zirka 350 bezahlbare Räume verloren. Als erstes Ziel sind laut Masterplan bis zum Jahr 2020 zunächst 2000 neue Ateliers nötig. Damit soll wenigstens einem Drittel der 8000 bis 10.000 Bildenden Künstler die Chance auf bezahlbaren Arbeitsraum gegeben werden.

Einige neue Ateliers könnten zum Beispiel im leerstehenden Haus der Statistik in Mitte entstehen. Der Komplex gehört noch dem Bund, doch das Land Berlin will die Immobilie übernehmen. Im Koalitionsvertrag hat die rot-rot-grüne Regierung bereits festgelegt: „Das Haus der Statistik wird als Ort für Verwaltung sowie Kultur, Bildung, Soziales und Wohnen entwickelt.“

Pläne in Neukölln

Einzelne landeseigene Wohnungsunternehmen sind darüber hinaus bereits dabei, Atelierwohnungen im Zuge ihrer Neubau-Strategie zu errichten. Dazu gehört die Wohnungsbaugesellschaft Stadt und Land. Sie plant in der Briesestraße in Neukölln ein gemeinschaftliches Wohnprojekt.

Im gesamten Rollbergkiez sollen neben 75 Ein- bis Vier-Zimmerwohnungen, 18 Atelierwohnungen und sieben Wohnungen mit Gemeinschaftsflächen für Wohngemeinschaften entstehen. Rund 30 Prozent der Wohnungen werden zu Mieten von 6,50 Euro je Quadratmeter angeboten.