: Attentate in ganz Deutschland: Brandanschlag auf Ditib-Moschee war einer von vielen
Ein Brandanschlag auf eine Moschee in der Nacht zu Sonntag in Reinickendorf steht in einer Deutschland-weiten Reihe mit Attentaten auf muslimische Einrichtungen am Wochenende. Insgesamt hat es am Wochenende Anschläge auf drei Moscheen und das Domizil eines Türkisch-Deutschen Freundschaftsvereins gegeben.
In der Nacht zu Sonntag wurden fast zeitgleich Brandsätze in eine Moschee in der Pankower Allee/Ecke Kühleweinstraße in Reinickendorf und an ein Gebäude des Vereins im nordrhein-westfälischen Meschede geworfen. Etwa zur selben Zeit beschädigten Unbekannte die Scheiben eines Moschee-Gebäudes in Itzehoe in Schleswig-Holstein.
Am Freitag hatten Unbekannte Brandsätze in eine Moschee in Lauffen nahe Heilbronn (Baden-Württemberg) geworfen. In diesem Fall wird wegen Verdachts des versuchten Mordes und der schweren Brandstiftung ermittelt. Verletzt wurde bei allen Anschlägen niemand.
Politisch motivierte Straftat
„Nach derzeitigen Erkenntnissen wird von einer politisch motivierten Straftat ausgegangen“, teilte die Berliner Polizei mit. Zeugen hätten ein Klirren gehört und drei Jugendliche gesehen, die weggelaufen seien. Eine Scheibe war eingeworfen worden, der Hauptraum sei komplett ausgebrannt.
„Die meisten Räumlichkeiten unserer Moschee sind weitestgehend nicht mehr nutzbar“, teilte am Sonntag die Berliner Koca Sinan Camii-Gemeinde mit, die zum Ditib-Verband gehört.
Gemeindemitglieder räumten den ganzen Tag über Trümmer fort und versuchten, durchnässte Gebetbücher und Koran-Ausgaben zu trocknen. „Ein Anschlag auf ein Gotteshaus, egal aus welchem Grund, ist nicht akzeptabel und nicht hinnehmbar“, heißt es aus der Gemeinde.
Erhebliche Schäden
In Meschede wurden drei Molotow-Cocktails gegen die Fassade des Türkisch-Deutschen Freundschaftsvereins geworfen. Als die Rettungskräfte eintrafen, stand noch eine Böschung in Flammen.
In Lauffen hatten Unbekannte Molotowcocktails in die Moschee geworfen. Der Imam konnte das Feuer selbst löschen. Den Schaden schätzte die Polizei auf 5000 Euro. In dem Gebäude sind Gemeinschafts- und Fortbildungsräume, einen Teil nutzt der Imam als Wohnung.
In der Pankower Allee waren in der Nacht zu Sonntag 60 Feuerwehrleute im Einsatz, um den Brand zu löschen. Der Notruf war um 2.05 Uhr eingegangen. Bei der Polizei ermittelt der für politische Straftaten zuständige Staatsschutz.
„Wer Brandsätze wirft, riskiert Menschenleben.“
Ditib – die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion – ist der Dachverband der rund 900 türkisch-islamischen Vereine in Deutschland und vertritt nach eigenen Angaben rund 70 Prozent der in Deutschland lebenden Muslime. Kritiker bemängeln die enge Bindung von Ditib an die politischen Interessen des türkischen Staatschefs Recep Tayyip Erdogan.
Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) wertet die Reinickendorfer Tat als Anschlag auf die politische und religiöse Freiheit. „Das ist nicht hinnehmbar“, teilte Müller am Sonntag mit. „Wir werden es nicht zulassen, dass Konflikte in Berlin ausgetragen werden, die mit dem friedlichen Zusammenleben in dieser Stadt nichts zu tun haben.“
Er erwarte, dass die Behörden schnell die Täter finden. „Berlin steht für ein friedliches und freiheitliches Miteinander. Das werden wir mit allen notwendigen Mitteln verteidigen.“ Auch Innensenator Andreas Geisel (SPD) verurteilte die Attacke. „Wer Brandsätze wirft, riskiert Menschenleben.“ (dpa)