Auch der Dürresommer dieses Jahres hat dramatische Folgen für die Wälder

Zum vierten Mal in fünf Jahren war es für die Wälder zu heiß. Eine solch lange Trockenphase gab es noch nie. Deshalb kann niemand die Folgen seriös abschätzen.

Dramatische Folgen: Dass die Laubbäume links der Straße ohne Laub sind, ist im Winter normal. Aber die Nadelbäume auf der rechten Seite waren vor der langen Dürreperiode deutlich grüner.
Dramatische Folgen: Dass die Laubbäume links der Straße ohne Laub sind, ist im Winter normal. Aber die Nadelbäume auf der rechten Seite waren vor der langen Dürreperiode deutlich grüner.dpa/Patrick Pleul

Der Wald stirbt. Dieser Satz aus den 1980er-Jahren, der zum Aufstieg der damals noch jungen Grünen beitrug, ist wieder sehr aktuell. In den vergangenen fünf Jahren gab es gleich vier extreme Hitzejahre, und das hat Folgen für den Wald in Berlin-Brandenburg. Die Region ist bundesweit von Hitzesommern besonders betroffen. Die Dürre ist vor allem für Brandenburg ein Problem. Berlin ist für eine Großstadt recht grün und hat viele Wälder, im Flächenland Brandenburg stehen auf 37 Prozent der Landesfläche Wälder. Damit nimmt das Berliner Nachbarland unter den waldreichsten Bundesländern den dritten Platz ein. Und der aktuelle Waldzustandsbericht ist eindeutig: eindeutig schlecht.

Kurz zusammengefasst lautet die Botschaft des am Montag präsentierten Berichts: Auch in diesem Jahr war es für den Wald zu warm und damit zu trocken und damit oft auch brandgefährlich. „Der Anteil der deutlich geschädigten Bäume ist zwar um zwei Prozent leicht zurückgegangen, jedoch ist der Anteil der Bäume ohne Schäden auch kleiner geworden“, sagte Forst- und Klimaschutzminister Axel Vogel von den Grünen in Potsdam.

Die Veränderungen sind dramatisch. Das zeigt ein Vergleich mit dem Jahr 2009. Das war jenes Jahr, in dem es dem Wald seit Beginn der Kontrollen 1991 am besten ging. 2009 wiesen 69 Prozent aller Bäume keine Schäden auf. Inzwischen gelten nur noch acht Prozent aller Bäume als gesund. Das ist der niedrigste Wert, der seit Beginn der Erfassung gemessen wurde. Der Anteil der Bäume mit deutlichen Schäden lag damals bei sechs Prozent, inzwischen sind es 20 Prozent. „Von einer Entspannung kann deshalb keine Rede sein“, sagte Vogel.

Trotzdem konnte der Minister auch einen kleinen positiven Aspekt nennen: Nach dem ersten Dürresommer waren 2019 sogar 37 Prozent aller Bäume schwer geschädigt.

Die Buchen leiden ganz besonders

Es gibt zwei Baumarten, die am meisten leiden: die Eiche und die Buche. Inzwischen sind 54 Prozent aller Buchen und 50 Prozent aller Eichen deutlich geschädigt. Wie dramatisch die Folgen der langen Trockenperiode sind, zeigt sich besonders deutlich an den Buchen: Das erste Dürrejahr war 2018. Damals waren noch 57 Prozent aller Buchen gesund. Die Folgen von extremer Hitze zeigen sich bei Bäumen immer erst im Folgejahr, 2019 waren nur noch sechs Prozent der Buchen gesund. Und der Wert befindet sich immer noch in diesem niedrigen Bereich.

Die Forstfachleute sagen: So viele Hitzesommer direkt hintereinander habe es in dieser Region bislang noch nie gegeben, deshalb könne auch niemand seriös vorhersagen, wie sich diese Entwicklung langfristig auf den Wald auswirkt.

Minister Axel Vogel (Grüne) am Montag in einem Wald bei Beelitz. Dort wurden bei einem Waldbrand im Sommer mehr als 240 Hektar Bäume vernichtet oder schwer geschädigt.
Minister Axel Vogel (Grüne) am Montag in einem Wald bei Beelitz. Dort wurden bei einem Waldbrand im Sommer mehr als 240 Hektar Bäume vernichtet oder schwer geschädigt.dpa/Monika Skolimowska

Die massiven Schäden bei Buchen und Eichen sind deshalb von großer Bedeutung, weil Brandenburg ursprünglich mal ein Land mit vielen gesunden Mischwäldern war. Spätestens mit der Industrialisierung wurde es im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts zu einem Land der Kiefern, auch deshalb, weil sehr viel Bauholz für die rasant wachsende Stadt Berlin gebraucht wurde. Da die Kiefer schnell wächst und Holz liefert, wurde die Art zum sogenannten Brotbaum des Landes. Noch immer ist es diese Baumart, mit der die Forstwirtschaft ihre größten Geschäfte macht.

Vor einigen Jahrzehnten standen in Brandenburgs Wäldern mehr als 80 Prozent Kiefern. Seit 1990 läuft der Waldumbau, und der Anteil konnte auf 73 Prozent gesenkt werden, weil nun vor allem Laubbäume gepflanzt wurden. Wenn sich Schadinsekten in einem monokulturellen Kiefernwald ausbreiten, ist nach einigen Jahren der gesamte Wald dahin. Mischwälder sind deutlich widerstandsfähiger.

Im Waldzustandsbericht ist zu lesen, dass die Laubbäume nun noch anfälliger für Schadorganismen werden. „Unter den Bedingungen der Klimakrise wird die Buchenfläche zurückgehen“, heißt es. Trotzdem sollen Buchen und Eichen weiterhin wichtige Baumarten für den Waldumbau bleiben – neben Ahorn, Hainbuche und Birke.

Die Kiefer wurde auch deshalb zum wichtigsten Baum in den Holzplantagen rund um Berlin, weil sie gut mit Trockenheit und den dortigen sandigen Böden klarkommt. Dauerhitze im Sommer und geringere Niederschläge in den anderen Jahreszeiten belasten aber auch die Kiefern: 2009 waren noch 75 Prozent von ihnen gesund, nun sind es nur noch fünf Prozent. „Dies ist ein deutliches Zeichen, wie extreme Witterungsereignisse und ihre Folgeschäden auch die Vitalität der bisher als trockentolerant geltenden Baumarten mindern“, sagte Minister Vogel.

Das ist bei jedem Spaziergang im Wald zu sehen: Die einst dichten dunkelgrünen Kronen der Kiefern sind meist ausgedünnt und lassen sehr viel Licht durch. Früher war es in Kiefernwäldern deutlich dunkler.

Hauptleidtragende und Hauptwaffe

Durch die Dürren sind die Bäume nicht mehr so widerstandsfähig und werden anfällig für Schadinsekten und Pilze, sie knicken häufiger um bei Stürmen und verbrennen schneller bei Waldbränden. So wurden seit 2019 etwa 15.000 Hektar Wald vernichtet, die wieder bewaldet werden müssen. Und auch das Jahr 2022 war wieder ein Waldbrandjahr mit 504 Feuern, die fast so viel Wald vernichteten wie die Brände im bisherigen Negativrekordjahr und ersten Dürrejahr 2018. Der Umbau der Kiefernwälder zu Mischwäldern soll verhindern, dass sich Waldbrände so schnell ausbreiten.

In der gesamtgesellschaftlichen Debatte wird der Wald oft etwas vernachlässigt. Dabei gehören die Wälder einerseits zu den Hauptleidtragenden der Klimaveränderungen, andererseits sind sie eine der wichtigsten Waffen dagegen: Wälder sind natürliche Speicher für Kohlendioxid und die Hauptproduzenten von Sauerstoff.