Radweg in Berlin.
Foto: snapshot photography/ R Price

Berlin-FriedrichshainEinen Spatenstich wird es am Mittwoch nicht geben, sagt Felix Weisbrich. Die Bauleute kommen ohne Bagger und anderes Tiefbaugerät aus, berichtet der Leiter des Straßen- und Grünflächenamts in Friedrichshain-Kreuzberg. Gelbes Klebeband und rot-weiße Warnbaken genügen.  Am 27. Mai, so die Ankündigung des Bezirksamts von Montag, wird damit begonnen, auch eine stark genutzte Hauptverkehrsstraße im Osten Berlins mit einem temporären Radfahrstreifen zu versehen. Auf der stadteinwärts führenden Fahrbahn der Frankfurter Allee in Friedrichshain wird ein Pop-up-Radweg markiert und mit Baken gesichert. In naher Zukunft soll auch stadtauswärts Platz für Radfahrer entstehen, kündigte Weisbrich an. „Und zwar dauerhaft“, so der Amtsleiter.

Ab Mittwoch geht es um den Abschnitt auf Höhe des U-Bahnhofs Samariterstraße zwischen Voigt- und Proskauer Straße. „Hintergrund sind die beengten Verhältnisse auf dem Gehweg und die gefährliche Radwegeführung an den U-Bahnausgängen“, hieß es. „Hier gibt es seit Jahren Konflikte.“ Fahrgäste, die den Radweg queren, werden von Radfahrern gefährdet – und umgekehrt. Nun wird der Radverkehr vom Bürgersteig auf die Fahrbahn verlagert. 

Auch auf der gegenüberliegenden Seite müssen Kraftfahrer Platz abgeben – wie bereits seit fast vier Jahren angekündigt. 2016 hieß es erstmals, auf der Fahrbahn stadtauswärts zwischen der Niederbarnim- und Jessnerstraße werde ein rund zwei Meter breiter Radfahrstreifen angelegt. Auch dort werden Radler über einen Gehweg-Radweg geführt– der mit 1,40 Meter schmal ausfällt.

Das Projekt zog sich hin. „Aber nun steht die Anordnung unmittelbar bevor“, betonte Weisbrich. Dieser Radfahrstreifen soll gleich dauerhaft eingerichtet werden. Schwellen und Baken sollen die Radfahrer schützen.

Für Autos wird es nur noch zwei Fahrstreifen geben, die aber mit jeweils drei Metern  breiter ausfallen als heute. Heute stehen dem Kraftfahrzeugverkehr drei Spuren zur Verfügung. Allerdings wird der rechte meist zum Halten oder illegalen Parken genutzt, er fällt für den fließenden Verkehr also größtenteils aus.

Dennoch stoßen die Vorhaben auf Skepsis. Die Frankfurter Allee, Teil der Bundesstraße B1/B5,  werde danach weniger leistungsfähig sein als heute, heißt es. Für den CDU-Politiker Christian Gräff aus Marzahn-Hellersdorf sind beide Radstreifen ein Ausdruck von Machtpolitik zugunsten des Fahrrades. Auf der breiten, mit einem Mittelstreifen versehenen Allee ließe sich Platz umverteilen, ohne Autos einzuschränken.

Mit Pop-up-Radwegen haben Felix Weisbrich und sein Team bereits an anderen Stellen im Bezirk für Aufsehen gesorgt. Sie wollen mehr Platz für Radfahrer schaffen, um in Coronazeiten die Gefahr einer Ansteckung zu verhindern. Den Anfang machte die Petersburger Straße in Friedrichshain. Die Lichtenberger Straße, die Kottbusser Straße, der Kottbusser Damm, das Hallesche Ufer, die Zossener Brücke, das Tempelhofer Ufer und die Gitschiner Straße kamen hinzu.  Auf der Skalitzer Straße wurden kombinierte Fahrstreifen markiert, die sich Busse des Schienenersatzverkehrs und Fahrräder teilen. Innerhalb von wenigen Wochen entstanden in Friedrichshain-Kreuzberg auf rund neun Kilometer Straße ein- oder beidseitig Pop-up-Radwege – was in anderen Bezirken Fragen laut werden ließ, warum dort nicht auch so zügig Platz für Radler geschaffen werden kann.

Insgesamt entfielen knapp 600 Parkplätze, rund 20 werden es auf der Frankfurter Allee sein, so das Bezirksamt. Temporäre Radwege ließen sich innerhalb von drei bis zehn Tagen einrichten, hieß es. Sie seien auch relativ preiswert. Für Radwege, die dauerhaft gebaut werden, seien 100.000 bis 500.000 Euro je Kilometer zu veranschlagen, zuzüglich rund 40.000 Euro Planungskosten. „Die Umsetzung temporärer Anlagen kostet 9500 Euro pro Kilometer.“

Als Nächstes wird der geschützten Radfahrstreifen auf der Holzmarktstraße, einer der ersten in Berlin, nach Osten verlängert, kündigte Felix Weisbrich an. „Zwischen Lichtenberger Straße und Schillingbrücke werden die Radstreifen verbreitert. Hierzu werden die Kfz-Spuren verschmälert. Die Anzahl der Fahrstreifen bleibt jedoch erhalten.“