Berlin. Sommer. Sonne. Zuhauseurlaub. Scheinbar ganz nah spüren wir derzeit die unbeschreiblichen 15 Millionen Grad Celsius, die im Inneren der Sonne herrschen. Dabei benötigt die Strahlung, die im Sonnenkern bei der Fusion aus Wasserstoff zu Helium freigesetzt wird, bis zu 200.000 Jahre um die Sonnenoberfläche zu erreichen. Die Sonnenoberfläche strahlt mit immerhin noch wohligen 6.000 Grad Celsius, wenn auch die Sonnenflecken, die ein Maß für die Aktivität der Sonne darstellen, bis zu 1.000 Grad Celsius kühler sind. Entgegen der allgemeinen Vorstellung befinden wir uns mit der Erde am 4. Juli auf dem mit 152.095.000 Kilometern Abstand sonnenfernsten Punkt der elliptischen Erdbahn. Die Jahreszeiten werden durch die Schräglage unserer Erdachse und dem sich damit verändernden Lichteinfall auf die Erdoberfläche verursacht und nicht durch den Abstand Sonne - Erde. Warten wir also sehnsüchtig darauf, dass unser Tagesgestirn untergeht und den kühlenden Blick auf die Planeten und Sterne freigibt.

Schon in der Dämmerung fällt der Planet Jupiter im Sternbild Schütze tief am Südhimmel auf, der es ein leichtes hat in dieser Himmelsregion hervorzustechen. Anfang des Monats geht Jupiter um 6:05 Uhr unter, Ende des Monats bereits um 3:47 Uhr. Am 14. Juli steht der Riesenplanet in Opposition zur Sonne, so dass Jupiter die ganze Nacht über zu beobachten ist, da er von der Erde aus gesehen der Sonne gegenüber am Himmel steht. Dieser Zeit erstrebenswert kalte Temperaturen um -100° C misst die Raumsonde Juno, die sich hier im Orbit um den größten Planeten des Sonnensystems befindet, in den Wolkensystemen. Jupiter erhält deutlich weniger wärmendes Sonnenlicht als die Erde, da er sich derzeit 772.000 Millionen Kilometer von unserem Stern entfernt befindet. Die Strecke entspricht dem 5,15-fachen der Entfernung Sonne – Erde. Ein Entfernungsmaß das als Astronomische Einheit eingängig unsere kosmische Nachbarschaft einsortiert. Kälter ist es noch an der Oberfläche des Jupitermondes Europa, einer von derzeit bekannten 79 Monden. Unter der 20 Kilometer dicken Eiskruste des Mondes wird ein Ozean vermutet, der höhere Temperaturen im Inneren bedingt.

Die Sternkarte zeigt den Himmel über Berlin später in der Nacht: Am 1. Juli um Mitternacht Uhr, am 15. Juli um 23 Uhr und am 31. Juli um 22 Uhr. Über uns steht das Sternbild des Großen Bären als immerwährender Wegweiser zum Polarstern: Einen Teil des Sternbildes kennen wir gemeinhin als emissionsfreien Großen Wagen. Verbindet man die hinteren beiden Sterne des Wagenkastens und verlängert diese Linie fünfmal weiter, erreicht man den Polarstern. Zieht man die kürzeste Verbindung zum Horizont, finden wir die Nordrichtung. Verlängern wir die gedachte Linie über den Polarstern hinaus, erreichen wir das Himmel-W, das Sternbild Kassiopeia.

Die Farbe der Sterne kann uns viel über diese weit entfernten Sonnen sagen, so auch über die Oberflächentemperatur. Rote Sterne sind vergleichsweise kühl, gelbe im gesunden Mittelmaß, weiß und gar blau sind besonders heiß. In Richtung Süden steht hoch am Himmel das Sommerdreieck, bestehend aus den Sternen Wega (8.000° C) in der Leier, Atair (7.500° C) im Adler und Deneb (8.100° C) im Schwan. Der Schwan ist dabei sicherlich das imposanteste Sternbild. Als „Kreuz des Norden“ beschrieben, lassen sich Flügel und der langgestreckte Körper eines Schwans sehr gut erahnen, während alle Sternbilder ein Produkt unserer menschlichen Fantasie bleiben. Tief am Horizont finden wir den hellsten Stern im Sternbild Skorpion Antares. Seine rötliche Färbung, die ihn seinen Namen als Anti-Mars eingebracht hat, deutet es schon an. Als Roter Riese glüht er mit vergleichsweise kalten 3.000° C.

Quer über den Himmel erstreckt sich die Milchstraße, für die man einen sehr dunklen Beobachtungsort wählen muss. In unseren Städten sorgen Straßenlaternen und die allgegenwärtige Beleuchtung jeder irdischen Architektur für eine Aufhellung des Himmels, so dass nur wenige Sterne zur Beobachtung bleiben. Wenn wir in diesem besonderen Jahr den Urlaub in der Umgebung suchen, bietet Brandenburg mit den astronomischen (nicht politischen) dunkelsten Orten Deutschlands die besten Beobachtungsbedingungen.

Unter dem Sommerdreieck steht ebenfalls im Sternbild Schütze der Ringplanet Saturn, der sich am 20. Juli in Opposition zur Sonne befindet. Am 1. Juli geht er um 22:29 Uhr auf, am Monatsende schon früher um 20:25 Uhr. Je weiter wird uns von der Sonne entfernen, desto kälter wird es. Bei Saturn sind es neun Astronomische Einheiten, so dass wir -140° C an seiner Wolkengrenze messen. Saturn steht so weit im Sonnensystem entfernt, dass selbst das Licht eine Stunde und 15 Minuten braucht, um zu uns zu gelangen. Seine berühmten Ringe bestehen aus einer Vielzahl von Gesteins- und Eisbrocken, die sich bei diesen Temperaturen wunderbar frisch halten können.

Durch das Wechselspiel der Position des Mondes auf seiner elliptischen Umlaufbahn um die Erde und der Beleuchtung durch die Sonne entstehen die Mondphasen – und Finsternisse! Der Monat beginnt gleich am 5. Juli mit einem prallen Vollmond, der abnehmende Halbmond (letztes Viertel) kann am Morgenhimmel des 13. Juli beobachtet werden, Neumond wird am 20. Juli erreicht und der zunehmende Halbmond (erstes Viertel) steht am 27. Juli am Abendhimmel. Die Halbschattenfinsternis des Mondes am 5. Juli bleibt von Berlin unbeobachtbar, da der Mond schon untergegangen ist, wenn der Mond ab 5:04 Uhr in den Schatten der Erde hineinwandert. Ohne Atmosphäre schlägt die Beleuchtung der Sonne direkt durch, am Mondtag sind es 140° C, in der Mondnacht -160° C. Eine große Herausforderung für Mensch und Material, wenn neue Missionen zum Mond zurückkehren. Ein Trost bleibt uns, wenn der Mond in der darauffolgenden Nacht an den Planeten an den Planeten Jupiter und Saturn vorbeiwandert und zumindest damit ein wunderschönes Himmelsschauspiel bietet.

Um Mitternacht herum geht der Rote Planet Mars auf, der im Juli kräftig an Helligkeit gewinnt. Hier ist die rote Farbe kein Indiz für die Oberflächentemperatur, sondern liegt allein im Eisenoxid (Rost) im Gestein und Sand des Planeten begründet. Unser Nachbarplanet wandert durch das Sternbild Fische - mit einem Intermezzo im Sternbild Walfisch - und ist dabei dank der wenigen hellen Sterne in dieser Himmelsregion leicht auszumachen. Während vor Millionen von Jahren von bessere Temperaturen auf dem Mars herrschten, erreicht der Schicksalsplanet der Science Fiction heute nur Temperaturen um die 0° C. Immerhin. Am 1. Juli geht Mars um 0:51 Uhr auf, zum Monatsende um 23:20 Uhr.

Vergessen wir aber nicht die beiden inneren Planeten Merkur und Venus, die in unerbittlicher Nähe zur Sonne ihre Bahnen ziehen. Noch am 1. Juli steht der flinke Planet in unterer Konjunktion mit der Sonne, um sich bis zum Monatsende eine wunderbare Morgensichtbarkeit zu erarbeiten. Am 22. Juni erreicht Merkur mit etwas über 20° seinen größten Winkelabstand von der Sonne und kann in den Tagen danach in der Morgendämmerung ab 4:30 Uhr tief im Nordosten beobachtet werden. Auch dieser Himmelskörper hat mit toller Aussicht, aber wenig Atmosphäre zu kämpfen, so dass am Tag Temperaturen von 430° C und des nachts -170° C gemessen werden.

Bei der Venus hingegen Sorgen mehr die dichten Wolken und der dort herrschende Treibhauseffekt für gemäßigte 450° C, gar unabhängig von Tag und Nacht. Der Planet Venus hat sich aus dem Licht der Sonne hervorgearbeitet und strahlt als Morgenstern. Im Sternbild Stier geht unser Nachbarplanet am 1. Juli um 3:11 Uhr auf, am 31. Juli bereits um 2:13 Uhr. Bereits am 10. Juli erreicht sie ihre größte Helligkeit, ihren größten Glanz ihrer Beobachtungssaison und ist dann nach Sonne und Mond das dritthellste Objekt am Himmel. Am 12. Juli wandert Venus am Stern Aldebaran vorbei, was gerade im Feldstecher ein ansprechendes Ereignis darstellt. In eben jenem Feldstecher erkennen wir die Venus noch als schmale Sichel.

Der Sternschnuppenstrom der Perseiden beginnt langsam mit seiner Aktivität, das Maximum wird erst im kommenden Monat in der Nacht vom 12. auf den 13. August erwartet. Sternschnuppen sind jene kleinen Staubkörnchen, die Kometen auf ihrer Bahn hinterlassen und die beim Eintritt in die Erdatmosphäre bei bis zu 3.000° C verglühen. Auf der Erde können wir dann als flüchtiges Zeugnis einen Kanal heißer Luft betrachten, da die Sternschnuppe so heiß verglüht, dass sie die Luft zum Leuchten bringt.

So sind es am Ende doch wieder die hohen Temperaturen, die uns wirklich Schönes bescheren und wir dies im hoffentlich Kühlen der kurzen Juli-Nächte im Kreise von Freunden und Familie betrachten. Auch wenn wir in diesem Sommer nicht in die Ferne schweifen können, betrachten wir doch vom Bauernhof aus der Eifel, dem Strandkorb auf Usedom, oder aus dem Zelt im Westhavelland dieselben Sterne, Monde und Planeten und erfreuen uns gemeinsam an der Schönheit des Kosmos. Denn egal in welchen besonderen Zeiten und Herausforderungen wir auf Erden leben, so bleibt uns immer der Urlaub unter den Sternen des Kosmos.

Weitere aktuelle Themen