Ein Regionalexpress im Bahnhof Berlin Friedrichstraße. Corona ließ die Zahl der Fahrgäste deutlich zurückgehen.
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BerlinNach den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) und der S-Bahn hat nun auch die Deutsche Bahn damit begonnen, ihren Verkehr einzuschränken. Das bestätigte ein Bahnsprecher am Sonntag. Er nannte „betriebliche Gründe“ – ohne ins Detail gehen zu wollen. Doch ein anderer Gesprächspartner bestätigte, dass die Zahl der Fahrgäste enorm zurückgegangen ist. Für diese Woche werden zusätzliche Einschränkungen angekündigt, und es ist damit zu rechnen, dass weitere Fahrplanausdünnungen folgen.

Der Verkehr von und nach Polen ist schon seit über einer Woche eingestellt. In der vergangenen Woche wurden in der Hauptstadt-Region weitere Einschränkungen umgesetzt. Den Anfang machte am Montag der Interregio-Express Berlin– Hamburg, am Dienstag gefolgt von der Regionalbahnlinie RB55 zwischen Kremmen und Hennigsdorf.  Ende der Woche fielen die Verdichterzüge auf der Regionalexpresslinie RE7 zwischen Ostkreuz und Bad Belzig weg.

Werden Orte vom Schienenverkehr abgehängt?

Nun stehen weitere Einstellungen an. So werden die Verdichterzüge auf der Regionalexpresslinie RE3 von diesem Montag an nicht mehr fahren, hieß es. Von Dienstag an werden die Linien RB43 und RB49 in Südbrandenburg ausfallen, teilte das Bundesunternehmen im Internet weiter mit. Ebenfalls vom 24. März an soll die Linie RB14, die Nauen, Berlin und den Flughafen Schönefeld verbindet, nicht mehr verkehren. Dasselbe gilt für die RB23 von Potsdam nach Michendorf.

In allen Fällen heißt es, dass die Einschränkungen bis zum Ende der Osterferien am 19. April gelten werden – „voraussichtlich“.

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Zwar betonte die Deutsche Bahn, dass die Einschränkungen keine Lücken ins Netz des Regionalverkehrs reißen. Stefan Kohte aus Berlin, der den Schienenverkehr beobachtet, sieht das aber anders. Nachdem er sich Fahrpläne angeschaut hatte, fragte er, was mit den Bahnhöfen ist, an denen die parallel verkehrenden Regionalexpresslinien jedenfalls bisher keine Halte einlegen. So stoppe der RE10 im Süden Brandenburgs normalerweise nicht an folgenden RB 43-Bahnhöfen: Kolkwitz Süd, Gollmitz (NL), Schönborn (Doberl), Beutersitz und Uebigau. Der RE 18 wiederum halte nicht an folgenden RB 49-Stationen: Leuthen (Cottbus), Bahnsdorf, Schwarzheide Ost. Es werde also so sein, dass Orte vom Schienenverkehr abgehängt werden.

Dem Vernehmen nach wird der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB), der im Auftrag der beiden Bundesländer Regionalzugfahrten bestellt, bald über weitere Einschränkungen beraten. Zwar habe die Krankenquote beim Fahrpersonal der Bahn bislang keine ungewöhnlichen Werte erreicht, hieß es. Allerdings sei nicht auszuschließen, dass sich dies angesichts der weiteren Ausbreitung des Coronavirus’ ändert. Deshalb sei es jetzt wichtig, einen zwar ausgedünnten, aber stabil fahrbaren Fahrplan zu konzipieren, sagte ein Eisenbahner. „Uns kommt es darauf an, dass wir verlässlich sind“, betonte er am Sonntag. 

U-Bahn fährt nur noch alle zehn Minuten

In anderen Bundesländern, zum Beispiel in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen, hätten sich die Verantwortlichen bereits auf große Ausdünnungen geeinigt. So soll auf den S-Bahn-Linien im Großraum Hannover vom 30. März an nur noch ein Stundentakt gelten, teilte die Bahn mit. Für das gesamte Bundesland Niedersachsen soll generell gelten, dass Regionalverkehrszüge und S-Bahnen nur noch zwischen 5 und 21.30 Uhr verkehren – viele Spätfahrten fallen also in naher Zukunft aus. In Nordrhein-Westfalen gelten bereits seit Sonnabend Sonderfahrpläne, ebenfalls voraussichtlich bis zum 19. April.

Wie berichtet wird auch die BVG ihren Verkehr weiter einschränken. Auf allen U-Bahn-Linien tritt an diesem Montag ein Zehn-Minuten-Takt in Kraft, so das Landesunternehmen. Die U55 wurde in der vergangenen Woche eingestellt.