Berlin - Der Mittagsschlaf fällt heute aus – wieder mal. Leonie, anderthalb Jahre alt, freut sich sichtlich über die gewonnene Zeit zum Rumtoben und Spielen. Ihre Mutter hingegen nimmt die Sache mittlerweile nicht mehr ganz so gelassen. Seit Januar diesen Jahres sucht Jennifer Perna aus Hellersdorf händeringend nach einem Kitaplatz. Für die achtzehnjährige Mutter wird die aufreibende Suche zunehmend zur Zerreißprobe, denn ihre berufliche Laufbahn, letztendlich ihre gesamte Zukunft hängt von der Ganztagsbetreuung ihrer Tochter ab.

Als Jennifer Perna mit 16 schwanger wurde, brach sie die Schule ab. „Die Lehrer haben mich trotzdem ermutigt eine Auszeit für das Baby zu nehmen und später meinen Abschluss und eine Ausbildung nachzuholen“, sagt sie. Nachdem sie die ersten Monate zu Hause für Ihre Tochter sorgen wollte, versuchte die junge Mutter danach wieder, sich um ihren Schulabschluss zu kümmern. Nach einigen erfolglosen Versuchen kam schließlich das verlockende Angebot vom Jobcenter: Eine Ausbildung zur Bürokauffrau mit der Möglichkeit einen erweiterten Hauptschulabschluss nachzuholen. Doch ein kleines Kind ist mit diesem Angebot kaum zu vereinbaren – zumindest nicht ohne einen Betreuungsplatz.

„Es ist zum Verrücktwerden“, sagt die Mutter. „Ich bin unglaublich motiviert diese Chance endlich zu ergreifen, aber die schlechte Versorgung mit Kitaplätzen macht mir anscheinend meine Berufschancen zunichte.“ Für eine private Kinderbetreuung, fehlt der Mutter jedoch das Geld. Daher hat sie auch einen sogenannten Kita-Gutschein beantragt. Damit wird die Berechtigung auf einen Kitaplatz an sich zugestanden. „Als ich mich mit dem Gutschein in den Kindergärten vorgestellt habe, habe ich von den Leuten dort meistens nur ein Schulterzucken geerntet.“ Jennifer Perna sagt, Wartelisten bis 2013 seien keine Seltenheit.

Auf zehn Wartelisten

„Momentan bin ich selbst auf ungefähr zehn solcher Wartelisten, 25 weitere Kitas haben ich bereits telefonisch kontaktiert – bislang ohne Erfolg. Die Zeit drängt: Im Dezember würde das Ausbildungsangebot beginnen. Auch für ihre Tochter wäre die Betreuung in einem Kindergarten von Vorteil: „Unabhängig von meiner Ausbildung sollte Leonie in einer Kita auch mit gleichaltrigen Kindern spielen können.“ Bis dahin bleibt die Mutter wohl noch die einzige Spielpartnerin.