Die landeseigenen Wohnungsunternehmen sind nicht nur der wichtigste Partner des Senats für eine soziale Wohnungspolitik, sie sind zugleich der wichtigste Vermieter in Berlin. In den vergangenen fünf Jahren haben Degewo und Co. rund 95.000 Wohnungen in Berlin neu- oder wiedervermietet. Das geht aus der jetzt veröffentlichten Antwort der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung auf eine Anfrage der Linke-Abgeordneten Hendrikje Klein und Niklas Schenker hervor.

Während im Jahr 2017 noch 17.232 Wohnungen von den sechs landeseigenen Unternehmen neu- oder wiedervermietet wurden, waren es im Jahr 2021 schon 20.932 Wohnungen – weil durch den Neubau immer mehr Wohnungen auf den Markt kommen.

Wer eine der städtischen Wohnungen ergattern will, muss allerdings wissen, wo sie inseriert werden. Die Unternehmen bedienen sich hierbei mitunter verschiedener Kanäle. Hier eine Übersicht:

Die Howoge, die mit 20.757 Wohnungen in den vergangenen fünf Jahren die meisten Unterkünfte aller städtischen Gesellschaften vermietet hat, offeriert freie Wohnungen auf ihrer Homepage (Howoge.de), über ihre Vermietungsapp „Meine Howoge“ sowie auf dem Internetportal Immobilienscout24 und dem gemeinsamen Portal der sechs landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften (inberlinwohnen.de).

Die Degewo, die mit 18.975 Wohnungen in den vergangenen fünf Jahren am zweitmeisten Wohnungen der städtischen Gesellschaften vermietet hat, bietet freie Unterkünfte auf drei Kanälen an: auf der Degewo-Homepage (Degewo.de), auf dem gemeinsamen Portal der landeseigenen Unternehmen (inberlinwohnen.de) und auf Immobilienscout24.

Die Gewobag, die von 2017 bis 2021 insgesamt 16.740 Wohnungen vermietet hat, was Platz drei im Ranking der städtischen Gesellschaften entspricht, vermietet ihre freien Wohnungen über fünf Kanäle: auf der eigenen Homepage (Gewobag.de), auf Immobilienscout24, auf Immowelt, auf Immobilien.de und auf dem gemeinsamen Portal der städtischen Vermieter (inberlinwohnen.de).

Die Stadt und Land, die in den vergangenen fünf Jahren 16.726 Wohnungen vermietet hat, bietet freie Unterkünfte über die eigene Homepage (stadtundland.de), über das Portal inberlinwohnen.de, über Immoscout24 sowie in Mieterjournalen und über Zeitungsannoncen an.

Die Gesobau, die von 2017 bis 2021 insgesamt 14.263 Wohnungen vermietet hat, bietet ihre freien Unterkünfte auf der Unternehmens-Homepage (Gesobau.de) unter Wohnungssuche und auf der Seite Neubau sowie in den Internetportalen Immoscout24, Immonet, Immowelt und inberlinwohnen.de an.

Die Wohnungsbaugesellschaft Mitte (WBM), die als kleinste der städtischen Vermieter in den vergangenen fünf Jahren 7598 Wohnungen vermietet hat, bietet ihre freien Unterkünfte vorrangig über die eigene Homepage (WBM.de) und auf dem Portal inberlinwohnen.de an. Parallel dazu werden Angebote „bei Bedarf“ auf Immobilienscout24 angeboten. Bei Wohnungen, die laut DIN-Norm rollstuhlgerecht sind, werden Wohnungsangebote neben der eigenen Homepage auch im Portal Mobidat (mobidat.net) veröffentlicht, heißt es in der Antwort auf die parlamentarische Anfrage.

Der Vermietungsprozess muss diskriminierungsfrei erfolgen

Wie lange ein Wohnungsangebot im Internet steht, hängt von der Attraktivität der Offerte ab. Bei frei finanzierten Wohnungen in einer stark gefragten Gegend steht laut Senatsantwort ein Inserat „nur einige Stunden online“. Inserate für geförderte Wohnungen in weniger gefragter Lage, für die ein Wohnberechtigungsschein benötigt wird, seien hingegen „häufig mehrere Tage online“.

Der Vermietungsprozess und die Wohnungsvergabe müssen laut der Senatsantwort „rechtskonform und diskriminierungsfrei“ organisiert werden. Um die Chancengleichheit zu wahren, würden von den Unternehmen „Software-Lösungen“ eingesetzt.

So werde bei der Degewo der Vermietungsprozess durch einen Zufallsgenerator unterstützt. Auch die Howoge setzt bei der Auswahl von Bewerbern auf das Zufallsverfahren. Sollten Bewerber gleichermaßen geeignet sein, entscheidet bei der Howoge das Los, um ohne Ansehen von ethnischer Herkunft, Religion, Geschlecht, Alter oder sexueller Identität die Wohnung zu vergeben.

Linke-Politiker fordert anonymisiertes Bewerbungsverfahren

Bei der Gesobau spielt die Zusammensetzung der Bewohner eine besondere Rolle: Bei ihr erfolgt die Auswahl der neuen Mieter „nach Abwägung der sozialen Mischung und Ausgewogenheit der unterschiedlichen Bewohnerstrukturen“, heißt es in der Senatsantwort. Sofern Interessenten, die nicht berücksichtigt wurden, eine Diskriminierung vermuten, können sie sich an eine von der Gesobau eingesetzte, unabhängige Beauftragte wenden.

Ein gänzlich anonymisiertes Bewerbungsverfahren ist den Unternehmen aber nicht möglich, heißt es in der Senatsantwort. Denn im Verlauf des Vermietungsprozesses müssten von den Mietinteressenten Unterlagen wie ein Wohnberechtigungsschein (WBS) oder eine Mietübernahmeerklärung des Jobcenters überprüft werden.

Der Linke-Abgeordnete Niklas Schenker sieht hier Nachbesserungsbedarf. „Die landeseigenen Wohnungsunternehmen haben eine besondere Pflicht, für eine transparente und diskriminierungsarme Vermietung zu sorgen“, sagt er. „Ich würde es sehr begrüßen, wenn die landeseigenen Wohnungsunternehmen künftig auf anonymisierte Bewerbungsverfahren setzen, um eine Diskriminierung aufgrund eines Namens oder der Herkunft besser auszuschließen.“

Die Unternehmen schienen allerdings „bereits bemüht, eine diskriminierungsfreie Vermietung abzusichern“, räumt Schenker ein.