Auf Ebay Wohnung gesucht: Obdachlose bekommen ein Angebot

Sessel, Schränke, Staubsauger, komplette Wohnungseinrichtungen von der Schrankwand bis zur Küchenzeile könnten sie haben. Dirk und Stephan haben zahllose positive Antworten und konkreter Hilfsangeboten bekommen. Doch das, was sie am dringendsten suchen – eine eigene kleine Bude, zwei Zimmer, 50 Quadratmeter, für maximal 500 Euro warm – das haben sie auf Anhieb nicht gefunden.

Zunächst versuchten die beiden Männer, mit einem selbst geschriebenen Pappschild eine Wohnung zu bekommen. Doch das klappte nicht – deshalb inserierten sie vor einigen Tagen ein Wohnungsgesuch bei Ebay. „Wir waren ganz überwältigt von den vielen Reaktionen“, sagt Dirk.

Auf einem eigens für die beiden eingerichteten Spendenkonto bei der Plattform Go Fund Me seien in den vergangenen Tagen knapp 1700 Euro für eine Kaution zusammengekommen. Paare, die gerade zusammengezogen sind, meldeten sich, wollten doppelt vorhandene Haushaltsgeräte spenden.

Wohnung in Ostfriesland

Aus allen Teilen Deutschlands kamen gute Wünsche für Dirk und Stephan. Aus Bayern und Nordrhein-Westfalen schrieben alternative Kommunen, die noch ein Plätzchen für die Männer freihätten. Selbst aus Ostfriesland gab es ein Angebot.

Eine Wohnung und Arbeit in der Landwirtschaft wollte ein Bauer den beiden Männern anbieten, doch da Dirk und Stephan freundlich abgelehnt. „Wir wollen und müssen in Berlin bleiben.“ Das sei die Stadt, die sie liebten. Hier haben sie ein funktionierendes Netzwerk, Jobs und Freunde. Das alles ist für ein Leben auf der Straße von unschätzbarem Wert.

Auch ein gut gemeintes Angebot über ein 20 Quadratmeter großes Zimmer in einem Wohnheim des Internationalen Bundes im Wedding schlugen die beiden Männer aus. „Es ist ganz schön hier bei uns“, hatte die Leiterin des Heims für das möblierte Zimmer mit Kühlschrank und Bad geworben.

Doch Dirk und Stephan haben etwas Anderes vor: „Wir brauchen keine Betreuung, keine Ratschläge und jemanden, der uns das Leben organisiert. Das kriegen wir selbst ganz gut hin“, erklärt Dirk. In ein Wohnheim könne man in Berlin jederzeit ziehen. Doch Obdachlose, die wie sie nicht dem gängigen Klischee entsprächen, würden dort nicht gern einziehen. „Was wir brauchen, ist eine Chance auf eine selbst ausgesuchte und selbst bezahlte Wohnung“, sagt Dirk.

Also schalteten die beiden noch einmal eine Anzeige. Es sollte ein letzter Versuch sein. „Kann es wirklich sein, dass nach unsrem ersten Aufruf Hunderte aufmunternde Nachrichten eingingen, Sachspenden angeboten wurden, mit denen man ganze Häuser einrichten könnte, in allen sozialen Netzwerken über uns diskutiert wurde, Mietangebote aus ganz Deutschland eingingen aber sich trotz alldem keine Wohnungsbaugesellschaft, keine Immobilienfirma, kein privater Vermieter in Berlin, denn da wollen wir ja bleiben, meldet? Das ist das weltoffene Berlin? Das ist das hilfsbereite Berlin? Das ist das arme aber sexy Berlin?“, fragt Dirk, der sich seine Enttäuschung von der Seele schrieb und seine Hoffnung doch nicht aufgeben wollte.

Ein Hoffnungsschimmer

Weihnachten in der eigenen Wohnung. Das wäre wirklich was. Und dann war sie tatsächlich da: eine reale Chance auf eine Wohnung. Denn Dirk und Stephan haben doch noch eine Mail von einem Vermieter bekommen. In der Turmstraße besitzt er eine 40-Quadratmeter-Wohnung. Zwei Zimmer, Küche, Bad. Dirk musste schlucken, 600 Euro warm würde die Wohnung kosten. Aber er und Stephan müssten keine Kaution zahlen.

„Das ginge gerade noch“, rechnet er durch. Aber Dirk und Stephan, die sich mit Minijobs über Wasser halten, müssten zusehen, wie sie mit dem verbleibenden Geld hinkommen. Ende November können sie sich die Wohnung in Moabit ansehen, schrieb der Vermieter. „Nicht zu früh freuen“, sagt Dirk. Bis dahin kann noch viel passieren.