Das Surren von Akkuschraubern und Kratzen von Schaufeln tönt über den Platz mit bemalten Bretterbuden an der Spree. „Am Holzmarkt bleibt alles in Bewegung“: Mit diesen Worten kündigen die Betreiber das Festival zum zehnjährigen Bestehen ihrer zwei Genossenschaften an.

Hier wird immer weitergebaut, an Gebäuden, aber auch an Visionen. Der Holzmarkt 25 hat mithilfe einer Schweizer Pensionskasse als einer von wenigen Orten in Berlin den Übergang von der Zwischennutzung zu einem dauerhaften Bleiberecht gemeistert. Und das soll nun ausgiebig gefeiert werden. Zehn Jahre Holzmarkt – zehn Tage Party. Ab Sonnabend geht es los, Tickets können schon gekauft werden.

„Bei dem Festival wollen wir alles zeigen, was der Holzmarkt zu bieten hat“, sagt Johannes Husten, der ein Musikstudio am Holzmarkt betreibt und über das Gelände führt. Zum Programm gehören Theater, Talkrunden, Kinderformate, aber auch Partys im zugehörigen Club Kater Blau.

Eines der Highlights: Die berühmt-berüchtigte Bar 25 wird in einer Halle (dem „Säälchen“) aus den alten Brettern wieder aufgebaut. Zwischen diesen zusammengenagelten Holzlatten nahm im Jahr 2004 alles seinen Anfang.

Bar 25: „Mitten in den Stadt, außerhalb der Alltagslogik“

Husten beschreibt die Bar 25 als Spielplatz für Erwachsene, mit Pool, Skaterampe und Zirkus. Auch für Kinder war schon damals etwas geboten, der Kinderpiratentag soll beim Festival wieder aufleben.

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2010 sollte Schluss sein: Berlin wollte das Gelände an den Höchstbietenden verkaufen.

„Der Geist ist noch da“, sagt Sprecher Konstantin Krex. In der Bar 25 gab es Programm von Donnerstag bis Dienstag, oft auch durchgehend. „Dieser Ort war mitten in der Stadt, aber außerhalb jeder Alltagslogik“, erklärt Krex die Faszination, die die Bar 25 auf Menschen aus der ganzen Welt ausübte.

2010 sollte damit Schluss sein. Die Stadt plante, das BSR-Gelände an den Höchstbietenden zu verkaufen. 2012 gründeten die ehemaligen Betreiber der Bar 25 eine Genossenschaft und stellten der Stadt ihr Nutzungskonzept vor. Diese Gründung ist zehn Jahre her – deshalb wird jetzt gefeiert. Damals dauerte es noch bis zur eigentlichen Gründung des Holzmarkts, denn das Gelände stand weiter zum Verkauf.

Die Schweizer Pensionskasse Abendrot ließ sich jedoch vom Konzept der Kreativen überzeugen und gab schließlich das höchste Gebot ab. Sie schloss mit der Genossenschaft einen Erbpachtvertrag für 75 Jahre, damit das Konzept eines künstlerischen Stadtquartiers umgesetzt werden konnte. 2017 wurde der Holzmarkt eingeweiht.

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Johannes Husten am Holzmarkt

„Unser Ziel ist es, am Spreeufer langfristig bezahlbaren Raum für die freie Kulturszene zu erhalten“, sagt Husten. Im März wurde das Säälchen kurzerhand zur Notunterkunft für Geflüchtete aus der Ukraine, auch jetzt ist der Holzmarkt noch Anlaufstelle für geflüchtete Menschen.

Ein 60-Meter-Haus, ganz aus Holz

Neue Ideen und kritische Fragen seien ausdrücklich erwünscht, auch deshalb gibt es beim Festival Talkrunden zu verschiedenen Themen. Beispielsweise wird darüber debattiert, inwieweit Hedonismus überhaupt noch zeitgemäß ist, auch angesichts des Klimawandels.

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Ein Ort, an dem man die Zeit vergessen soll: Besucherinnen am Holzmarkt.

Besonders freut sich Husten auch auf die Lesung von Alexander Osang, der sein neues Buch vorstellen wird, einen Sammelband mit Porträts aus den vergangenen zehn Jahren. Also genau der Zeit, die am Holzmarkt gefeiert wird.

Beim Festival stellen die Betreiber auch ihre städtebauliche Vision der Zukunft vor: Ein 60 Meter hohes Holzhochhaus, um einen dauerhaften Raum für den Club und mehr Fläche für Gewerbetreibende aus der Kreativbranche zu bieten. Hoch bauen sei ja nicht immer schlecht, meint Husten. Bevor dicht an dicht drei breitere Gebäude dort stehen, wäre es doch besser Frei- und Grünflächen zu erhalten. Er deutet hinter sich: „Und im Umkreis wird ja schon hoch gebaut.“

Für die Zukunft sieht es Konstantin Krex als die Aufgabe von selbst verwalteten Orten auf Krisen wie die Pandemie, den Klimawandel oder Kriege flexibel und angemessen zu reagieren.

Doch am Ende steht hier noch immer ein hedonistischer Gedanke im Vordergrund „Es geht aber auch darum, einen Ort zu haben, an dem Menschen einfach mal die Zeit vergessen können und gemeinsam ein schönes Leben zu haben“, sagt Krex.


„10 Jahre - 10 Tage“ läuft vom 28. Mai bis 6. Juni. Das Festivalprogramm und Tickets gibt es unter www.10jahre.holzmarkt.com