Es soll Leute geben, die in Anbetracht der Pannen beim Bau des Flughafen BER gedacht haben, dass dies ein einmaliger Ausrutscher gewesen sei. Doch weit gefehlt. Genauso lange, wie sich der Bau des BER hinzog, nämlich 14 Jahre, soll es auch dauern, bis der Erweiterungsbau des Marie-Elisabeth-Lüders-Hauses des Deutschen Bundestags fertiggestellt ist. Der Baubeginn des Projekts war im Jahr 2010, die Übergabe ist nun – nach mehreren Terminverschiebungen – für 2024 vorgesehen. Pardon, genauer gesagt ist die „frühestmögliche Übergabe“ im Jahr 2024, wie das zuständige Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung den Mitgliedern der Bau- und Raumkommission des Bundestags jetzt mitgeteilt hat. Es kann also noch länger dauern.

Dass der Erweiterungsbau des Lüders-Hauses sehr viel kleiner ist als der BER, zeigt, dass die Dauer der Bauverzögerung nicht nur mit der Größe des Projekts zu tun hat. Beim Erweiterungsbau des Lüders-Hauses gibt es im Vergleich zum Pannenflughafen BER jedoch einen gravierenden Unterschied. Der besteht in der Unterrichtung der Öffentlichkeit. Während die Flughafengesellschaft nach den Aufsichtsratssitzungen in der Regel offen über den Stand der Arbeiten und die Baukosten informierte, werden Bauverzögerungen und Kostensteigerungen beim Erweiterungsbau des Lüders-Hauses nur sehr zurückhaltend kommuniziert, um es freundlich auszudrücken.

Dahinter steckt ganz offenbar die Angst des Parlaments, dass Kostensteigerungen zulasten der Steuerzahler bei den Bürgern nicht gut ankommen. Das stimmt zwar, weil Kostensteigerungen selten Jubelstürme verursachen. Aber gerade bei Bauprojekten der öffentlichen Hand haben die Bürger einen Anspruch auf lückenlose Information. Diesen Anspruch muss der Bundestag erfüllen. Wenn es dann noch Probleme mit der Fertigstellung des Erweiterungsbaus des Lüders-Hauses gibt, bleibt am Ende einer, der sie lösen kann: Ex-BER-Chef Engelbert Lütke Daldrup.