Berlin - Die Zerstörungen sind gewaltig, als am 8. Mai 1945 die Waffen endlich schweigen. Berlin ist eine Trümmerwüste, vor allem die Innenstadt ist komplett kaputt. Trotzdem – Berlin ist nicht tot, die Infrastruktur funktioniert nach wie vor. Nur Tage nach der Kapitulation fahren schon wieder die ersten Straßenbahnen, der S-Bahn-Verkehr wird aufgenommen, es gibt Wasser und stundenweise auch Strom.

Aber in der Stadt liegen Trümmer in gewaltigen Mengen – geschätzt sind das zwischen 70 und 90 Millionen Kubikmeter. Vor allem Wohnhäuser sind bei den alliierten Luftangriffen und den schweren Kämpfen zerstört worden. Von 1,5 Millionen Wohnungen sind zu Kriegsende nur noch 370.000 sofort wieder bewohnbar. 500.000 Wohnungen sind total zerstört, rund 100.000 gelten als schwer beschädigt. Ihre Trümmer müssen beseitigt werden. Rund 245.000 Gebäude gibt es in der Stadt. Von ihnen sind 27.700 total kaputt (11,3 Prozent) und 20.100 (8,2 Prozent) so schwer getroffen, dass ein Wiederaufbau nicht mehr in Frage kommt.

14 Trümmerberge aus Kriegsschutt

Das große Aufräumen, das unmittelbar nach der Kapitulation einsetzt, verändert die Berliner Stadtlandschaft nachhaltig. Denn auf dem eher platten Stadtareal entstehen nun Berge – Trümmerberge. 14 sind es, die ab Sommer 1945 aus dem Kriegsschutt errichtet werden.

Die Kosten für die Enttrümmerung der Stadt schätzt der Berliner Magistrat im Januar 1946 übrigens auf 1,45 Milliarden Reichsmark. Zunächst werden mit dem Schutt Bombentrichter und Schützengräben verfüllt, danach beginnt der Trümmerbergbau.

Der erste Berliner Trümmerberg entsteht direkt hinter dem Ausstellungsgelände am Funkturm im heutigen Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf, so steht es jedenfalls auf der Internet-Seite des Luisenstädtischen Vereines, der sich mit der Berliner Stadtgeschichte beschäftigt. Der größte Berg der Stadt wird dann zwischen 1950 und 1972 am Teufelssee aufgeschüttet. Rund 26 Millionen Kubikmeter werden dorthin gebracht.

Der Berg bekommt den Namen Teufelsberg und ist mit dem Müggelbergen in Köpenick und den Arkenbergen in Pankow einer der höchsten Erhebungen der Stadt. 120 Meter misst er. Auf dem künstlichen Berg errichten die Amerikaner eine Abhörstation, um ihren früheren Verbündeten, die Sowjetunion, auszuspähen. Trümmerberge entstehen auch im Volkspark Friedrichshain, direkt an der Grenze zum Bezirk Prenzlauer Berg. Dort werden zwei Flak-Bunker zugeschüttet. Der Große und der Kleine Bunkerberg – 78 und 52 Meter hoch – sind heute beliebte Aussichtspunkte in dem Park.

Von den Ämtern eingeteilt und bezahlt

Auch die sogenannte Oderbruchkippe in Prenzlauer Berg besteht aus Kriegsschutt. Ebenso der sogenannte Dörferblick in Rudow. Hier wurde der Schutt bis auf 86 Meter Höhe abgeladen.

Und damit die gewaltigen Schuttmengen auch abtransportiert werden konnten, wurden quer durch die Stadt 45 Kilometer Schmalspurgleise verlegt. Die Loren, so ist es jedenfalls überliefert, wurden von den Trümmerfrauen befüllt. Berlinerinnen, die ohne Bezahlung den Schutt der Stadt weggeräumt haben sollen.

„Das ist eine Legende“, sagt die Historikerin Leonie Treber. Die 34-Jährige von der TU Darmstadt hat zu diesem Thema geforscht. Laut Treber waren im Frühjahr 1946 rund 25.000 bis 30.000 Frauen zu Enttrümmerungsarbeiten im Einsatz (zum Vergleich: in der Stadt lebten damals rund 500.000 Frauen. Und die machten den Job zumeist nicht freiwillig. Die Bauhilfsarbeiterinnen waren Frauen, die sich beim Arbeitsamt hatten registrieren lassen, um überhaupt eine Lebensmittelkarte zu erhalten. „Sie wurden dann von den Ämtern zu dieser Tätigkeit eingeteilt und natürlich auch bezahlt“, sagt Treber. Um die Tätigkeit des Steineklopfens attraktiv zu machen, wurde für die Trümmerfrauen massiv geworben, vor allem in den Medien, so Treber.

Denn eigentlich war diese Tätigkeit bei den Berlinern als Strafarbeit verpönt. Der Schutt Berlins ist letztendlich von professionellen Firmen beseitigt worden, die dazu viel Technik und auch Männer einsetzten. Alles andere wäre angesichts der gigantischen Schuttmengen auch gar nicht möglich gewesen, sagt die Historikerin.