Berlin - Sowohl über eine Professionalisierung der Aufsichtsräte als auch über deren Vergütung wird seit einigen Jahren diskutiert. 2011 verdienten die Aufseher mit 314.000 Euro im Schnitt gut neun Prozent mehr als im Vorjahr. Das zeigt eine Studie von Hostettler, Kramarsch & Partner. Unter den Dax-30-Unternehmen stach 2011 erneut Ferdinand Piëch heraus, der seine Gesamtbezüge um 43 Prozent auf rund 850.000 Euro steigerte.

Jedoch gibt es ein starkes Gefälle: Wulf von Schimmelmann etwa verdient als Aufseher bei der Deutschen Post nur 156.000 Euro. Zudem bekommen die übrigen Aufseher in der Regel deutlich weniger als ihr Vorsitzender, und auch in kleineren- und Staatskonzernen sind die Bezüge deutlich geringer. So kann man auch im Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft FBB nicht reich werden. Die Vergütung für den Chef des Gremiums etwa, Klaus Wowereit, bewegt sich im unteren vierstelligen Bereich. Generell verdienen deutsche Aufsichtsräte im internationalen Vergleich eher wenig.

Erfolgsorientierte Vergütungen für langfristigen Unternehmenserfolg

Ein Trend in Deutschland geht derzeit dahin, dass Dax-Konzerne ihre Vergütungssysteme auf Fixgehälter umstellen. Aktionärsschützer wie die DSW begrüßen dies, weil aus ihrer Sicht ein großer Anteil an erfolgsorientierten, variablen Vergütungsbestandteilen falsche Anreize setze. Schließlich seien die Aufsichtsräte gerade bei Problemen gefordert. Der Corporate Governance Kodex für gute Unternehmensführung empfiehlt, dass erfolgsorientierte Vergütungen vorwiegend auf den langfristigen Unternehmenserfolg bezogen sein sollen. Die DSW kritisiert auch, dass manche Dax-Konzerne immer noch die variablen Gehaltsbestandteile ihrer Aufsichtsräte an die Dividende knüpfen. Da Aufsichtsrat und Vorstand die Höhe der Dividende vorschlagen, können sie so ihre Bezüge mitbestimmen.

Als Reaktion auf die Forderung nach mehr Fachwissen in den Aufsichtsräten bieten einige Weiterbildungsinstitute Fortbildungen an. Experten gehen davon aus, dass es künftig mehr hauptberufliche Aufsichtsräte geben wird.