Berlin - Es war kein gutes Jahr für den neuen Hauptstadtflughafen BER, es war auch kein gutes Jahr für den bisherigen Flughafen-Aufsichtsratsvorsitzenden Klaus Wowereit. Aber man soll ja stets im Guten voneinander scheiden, und darum steht ein Tagesordnungspunkt schon fest, wenn der Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft am Freitag in Motzen zur letzten Sitzung des Jahres zusammenkommt: Die 15 Kontrolleure und der Geschäftsführer der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH, Hartmut Mehdorn, beenden den Tag mit einem gemeinsamen Abendessen, um Wowereit zu verabschieden.

Zusammen mit seinem Amt als Regierender Bürgermeister gibt er auch den Aufsichtsratsvorsitz ab, an der Sitzung am Freitag wird er schon nicht mehr teilnehmen. An diesem Dienstag will der Berliner Senat beschließen, seinen künftigen Chef Michael Müller (SPD) anstelle Wowereits in den Aufsichtsrat zu entsenden.

Vielleicht hilft das abendliche Beisammensein bei Gänsebraten und Rotwein ja auch, die Gemüter wieder zu beruhigen. Denn vieles deutet darauf hin, dass die Sitzung nicht sonderlich harmonisch verlaufen wird. Mehrfach hat sich Mehdorn in den letzten Tagen über das Misstrauen beklagt, das ihm entgegen schlägt. In einem Brief an das Verkehrsministerium witterte er gar eine „Inquisition“ in seinem Unternehmen durch externe Prüfer. Denen, so hat Mehdorn angekündigt, will er interne Unterlagen erst nach einem formellen Beschluss des Aufsichtsrats übergeben.

Eröffnung 2018 möglich?

Doch das ist noch einer der kleineren Konflikte. Besonderen Beratungsbedarf dürfte es zum sogenannten „Terminband“ bis zur Eröffnung des BER geben, das Mehdorn vorstellen will. Noch vor einigen Monaten hieß es, am Freitag werde ein klares Datum für die Inbetriebnahme genannt.

Nun will er verschiedene Szenarien beschreiben, die Aufseher bekommen also gleich eine Vielzahl möglicher Eröffnungsdaten, wobei ein Termin im Jahr 2018 als realistische Variante gilt. Doch es gibt offenbar Zweifel an Mehdorns Berechnungen. Klaus Wowereit streute sie in der vorigen Woche. Ob das Terminband überhaupt vorgeschlagen wird, müsse man abwarten, sagte er, und schickte noch den Hinweis hinterher, dass man Termine nur nennen solle, wenn sie auch einhaltbar sind.

Aber auch unter den Gesellschaftern herrscht Uneinigkeit. So scheint festzustehen, dass Brandenburg künftig keine Minister mehr in den Aufsichtsrat entsenden wird. Anstelle von Finanzminister Christian Görke (Linke) soll künftig dessen Staatssekretärin Daniela Trochowski dem Gremium angehören, ein Nachfolger für den früheren Wirtschaftsminister Ralf Christoffers (Linke) steht noch nicht fest. Die Frage soll auf der Kabinettssitzung an diesem Dienstag beraten werden, auch über die Neubesetzung des Vorsitzes wollen die Minister reden. Dass bereits ein Nachfolger für Wowereit benannt wird, gilt jedoch als unwahrscheinlich.

Mit der Entscheidung, die Kabinettsmitglieder aus dem Aufsichtsrat zurückzuziehen, folgt Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) einer Empfehlung seines Landungsrechnungshofs. Der Berliner Landesrechnungshof hat freilich ein gegenteiliges Votum abgegeben: Die Politiker müssten mehr Kontrolle ausüben, heißt es dort.

Die Entscheidung der Brandenburger hat in der Hauptstadt darum zu Verstimmung geführt. Zwar gibt es auch in Berlin Sympathien für die Idee, den Aufsichtsrat zu entpolitisieren. Dass die Brandenburger aber gemeinsamen Beschlüssen vorgreifen, verübelt man ihnen. „Man kann sich nicht auf diese Weise aus der Verantwortung stehlen“, sagte der SPD-Verkehrspolitiker Ole Kreins der Berliner Zeitung. Michael Müller ist wegen des Rückzugs seiner Brandenburger Kollegen nicht mehr bereit, den Aufsichtsratsvorsitz zu übernehmen.

Aus eins mach zwei

Da es den benachbarten Bundesländern schon in dieser Frage nicht gelingt, zu einem gemeinsamen Standpunkt zu kommen, erscheint es auch unrealistisch, dass eine andere Idee umgesetzt wird: die Aufteilung der Flughafengesellschaft in eine Betriebsgesellschaft für Tegel und Schönefeld einerseits und eine Baugesellschaft für den BER andererseits. Die Trennung, die unter anderem der scheidende Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos, für SPD) befürwortet, soll einen Neuanfang an der Baustelle erleichtern. Sie wäre freilich auch ein Misstrauensvotum gegen Hartmut Mehdorn. Im März soll er erfahren, ob sein Vertrag über das Jahr 2016 hinaus verlängert wird – wenn er es denn bis dahin auf seinem Posten aushält.