Berlin - Es wird Stückwerk sein, so wie der gesamte Flughafen BER derzeit: Zwar wollen die Gesellschafter Berlin, Brandenburg und der Bund ihr Konzept vorstellen, wie die Lücke von fast 1,2 Milliarden Euro zu schließen ist. Doch gebe es in der Rechnung noch viele Unbekannte, war aus den Landesregierungen in Potsdam und Berlin zu erfahren.

Das fängt mit dem so genannten Brückenkredit an, der kurzfristig finanzielle Entlastung schaffen soll: Die Verhandlungen mit einem Konsortium öffentlicher und privater Banken dauerten an, hieß es gestern. Offen sind Laufzeiten, Konditionen und Höhe des Darlehens. Ohne verlässlichen Eröffnungstermin für den Flughafen ließen sie sich auch kaum abschließend klären, so ein Aufsichtsratsmitglied. Letztlich aber „spielen zehn Millionen mehr oder weniger für den Brückenkredit keine Rolle“. Abzuwarten bleibt, ob die Steuerzahler (und Wähler) das ebenfalls so sehen. Derzeit ist ein Darlehen von 430 Millionen im Gespräch.

Gesellschafter beraten über Details der Finanzierung

Der Aufsichtsrat muss auch deshalb mit unfertigen Plänen vorlieb nehmen, weil er seit Ausbruch der akuten Krise immer stärker an den Rand gerät. Zwar ist das 15-köpfige Kontrollgremium formal die Entscheidungsinstanz. Tatsächlich aber werden in kleinen Runden die Einzelheiten besprochen und Beschlüsse vorbereitet: Im Finanzausschuss etwa, der unter Leitung des brandenburgischen Finanzministers Helmuth Markov (Linke) schon vorige Woche tagte.

Nächsten Mittwoch beratschlagen die drei Gesellschafter dann unter sich über weitere Details der Finanzierung – ohne die Vertreter von Wirtschaft und Arbeitnehmern, die mit im Aufsichtsrat sitzen und lange nicht durch übertriebenen Eifer aufgefallen sind, wie ein Teilnehmer lästert. Erst als im Mai das Debakel mit der nochmaligen Verzögerung seinen Lauf nahm, hätten viele im Aufsichtsgremium plötzlich kritische Fragen gestellt, „für das Protokoll“.

Technische und Grundsatzfragen wiederum werden vertieft im Projektausschuss erörtert, der sich am Mittwoch traf. Dem Vernehmen nach berichtete der neue Technikvorstand der FBB, Horst Amann, über die Fortschritte oder besser: die andauernden Probleme auf der Baustelle. Der Projektausschuss sei ein „verkleinerter Aufsichtsrat“, hieß es, „das sind die Spitzen“ – vor allem Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit und Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (beide SPD), deren politische Zukunft maßgeblich von der Lösung der BER-Krise abhängen könnte.

Am Ende könnte die Rechnung noch höher sein

Der eigentliche Aufsichtsrat darf beraten und abstimmen, entschieden wird woanders. Auch über eine dritte Verschiebung des Starttermins würde das Kontrollgremium wohl, anders als häufig vermutet, kaum als erstes unterrichtet. Bei den Finanzen, die Beteiligte für weitaus kritischer erachten als das Eröffnungsdatum, wird zudem mit verdeckten Karten gespielt. Die derzeitig veranschlagten Mehrkosten von 1,177 Milliarden Euro gelten keineswegs als das letzte Wort. Zwar könnten sie geringer ausfallen, wenn der Flughafen beim Schallschutz billiger wegkommt. Am Ende könnte die Rechnung aber auch noch höher sein: Von drei möglichen Szenarien wurde das mittlere gewählt. Im schlimmsten Fall, heißt es, müssen die Gesellschafter noch mehr Geld nachschießen.