Berlin - Einen verlässlichen Eröffnungstermin für den Großflughafen Berlin-Brandenburg (BER) gibt es zwar immer noch nicht, aber der Streit um den Lärmschutz für die Bürger in Schönefeld und Umgebung wurde überraschend beigelegt: Der Aufsichtsrat beschloss am Donnerstag, die Maßnahmen gegen Fluglärm drastisch auszuweiten und dafür mindestens 300 Millionen Euro mehr auszugeben als bisher geplant. Die Flughafengesellschaft wird ihre Klage gegen entsprechend strenge Auflagen des Oberverwaltungsgerichts (OVG) Berlin-Brandenburg zurückziehen.

Der Aufsichtsrat unter Leitung von Berlins Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) billigte einen Kompromiss, den die drei Anteilseigner des Flughafens, also Berlin, Brandenburg und der Bund kurz vor dem Treffen gefunden hatten. Das OVG-Urteil vom Juni soll nun fast vollständig umgesetzt werden. Danach müssen die Anwohner sich tagsüber in ihren Wohnungen normal unterhalten können. Der Lärmpegel im Rauminneren dürfe zu keinem Zeitpunkt über 55 Dezibel liegen, so das OVG. Der Flughafen wollte die Grenze bisher sechs Mal überschreiten, den Lärmschutz also so regeln wie nachts. Der Kompromiss sieht einen Durchschnittswert von knapp 0,5 Überschreitungen vor, sagte Brandenburgs Regierungschef Matthias Platzeck (SPD).

Hauptproblem ist immer noch die Brandschutzanlage

Die Ausweitung des Lärmschutzes ist einer der Gründe, weshalb der BER deutlich teurer wird als zuletzt geplant und ihm zum Jahresende das Geld auszugehen droht. Der Aufsichtsrat beriet, wie das verhindert werden kann, ohne das Konzept endgültig zu beschließen. Die Finanzlücke soll durch eine Mischung aus Überbrückungskrediten, Gesellschafterdarlehen und mehr Eigenkapital geschlossen werden. Um wieviel Geld es geht, wurde nicht beziffert. Zuletzt war von gut einer Milliarde Euro die Rede.

„Die Gesellschafter stellen die Liquidität sicher“, versicherte der Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Rainer Bomba. Zugleich wies er den Eindruck zurück, dass die Regierung von CDU-Kanzlerin Angela Merkel den Bau des Hauptstadtflughafens nicht engagiert begleitet. „Die Bundesregierung steht hinter dem Projekt und wird es nicht an die Wand fahren“, sagte Bomba.

Wann der BER eröffnet wird, soll bei der nächsten Sitzung des Kontrollgremiums am 14. September beschlossen werden. Trotz des immensen Drucks blieb der Aufsichtsrat bei seiner Linie, dem neuen Technik-Chef Horst Amann mehr Zeit zur Prüfung des zuletzt genannten Termins einzuräumen. „Der 17. März 2013 ist noch nicht vom Tisch“, sagte Wowereit. Laut Amann ist die Brandschutzanlage nach wie vor das Kernproblem. Bei seinem Dienstantritt Anfang August habe er eine fast stillstehende Baustelle vorgefunden, auch weil Pläne fehlten.