Berlin - Apostel Andreas ist vom Wetter gezeichnet. Die riesige Figur, die in 40 Metern Höhe vom Berliner Dom gen Westen schaut, trägt überall Moos und Flechten. Das Kreuz auf dem Rücken des Apostels, das Andreaskreuz, ist so verwittert, dass es schwarz aussieht. An der Fassade des Doms ist die massive Zerstörung des Gebäudes durch Ruß, Regen und Abgase deutlich zu erkennen. Der Sandstein zerbröselt, Fugen sind undicht, Regenwasser zerstören das Gemäuer, Schmuckelemente und Figuren. Es sind sogar schon Fassadenteile auf das Dach gefallen. Der Berliner Dom muss dringend saniert werden. „Die Schäden sind viel gravierender als wir angenommen hatten“, sagt Domarchitektin Sonja Tubbesing.

Wenn sie mit ihren Fingern über die Fassade streicht, zerbröckelt der poröse Sandstein in ihren Händen. Es gibt etliche solcher Stellen im Gemäuer, und es werden immer mehr. Schuld an dem Verfall sind schwarze Verkrustungen aus Ruß, Gummiabrieb der Autos und Staub, die sich im Laufe der vergangenen Jahrzehnte auf dem Sandstein abgelagert haben. Sie verhindern, dass der Stein „atme“, erklärt Domarchitektin Tubbesing. 1,6 Millionen Euro kostet die Sanierung dieser Schäden. 

Doch allein kann die Domgemeinde mit ihren 1700 Mitgliedern diese Kosten nicht aufbringen. Auch die Landeskirche und die evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hätten diese Summe nicht parat, versichert der Vorsitzende des Domkirchenkollegiums, Volker Faigle. Und so will die Domgemeinde nun selbst das benötigte Geld einsammeln und bittet in einem deutschlandweiten Aufruf um Spenden. „Wir sind kalt erwischt worden und müssen nun dringend handeln“, sagt Volker Faigle. „Risse, Löcher und Fugen müssen geschlossen werden. Ein Aufschub wäre unverantwortbar.“

Für die Sanierung des Doms werden jährlich etwa 400.000 Euro benötigt 

Das Geld soll mit Hilfe der Deutschen Umwelthilfe zusammenkommen, die eine eigens dafür eingerichtete Internetseite freischaltet. „Es besteht extremer Handlungsdruck“, sagt der Vorstand Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Steffen Skudelny. Der Berliner Dom ist kein Einzelfall, was die immensen Schäden betrifft, auch andere Gotteshäuser, etwa der Kölner Dom, müssten wegen massiver Schäden an den Fassaden dringend repariert werden. sagt Skudelny. Doch der Berliner Dom ist dann doch ein ganz besonderer Prachtbau. „Der Berliner Dom ist ein historischer Zeuge der deutschen Geschichte“, sagt der Domvorsitzende Volker Faigle. „Ein Baudenkmal mit besonderer kultureller Bedeutung.“

In das über 100 Jahre alte Gotteshaus am Lustgarten kommen jedes Jahr hunderttausende Menschen, Berliner und Gäste. Im vergangenen Jahr waren etwa 140.000 Menschen zu Gottesdiensten gekommen, etwa 800.000 besichtigten den Dom. Doch die Einnahmen aus Kirchensteuern, Kollekten und Eintritten für Konzerte reichen bei weitem nicht aus. Den auch im Innern des Gebäudes muss vieles erneuert werden. So wird die Gruft der Hohenzollern mit mehr als 90 Särgen saniert. 17 Millionen Euro zahlen der Bund und das Land Berlin dafür. Ein Raum der Stille wird für 80.000 Euro hergerichtet. Den Glockenturm saniert die Gemeinde aus eignen Mitteln. Für die Beseitigung der Fassadenschäden lassen sich die Verantwortlichen vier Jahre Zeit.

Jährlich werden etwa 400.000 Euro gebraucht. Die Arbeiten werden ausgeschrieben, im Frühjahr 2020 sollen sie beginnen. Einsturzgefährdet sei der Dom aber nicht, versichert Domarchitektin Sonja Tubbesing. „Es besteht derzeit keine Gefahr.“ Fachleute kontrollieren die Fassade. In einem Spenden-Flyer steht, mit welchen Beträgen welche Reparaturen erledigt werden können. Für 30 Euro werden Teile des Zahnfrieses erhalten, 150 Euro reichen für die Restaurierung eines Säulenschaftes. „Jeder kann helfen“, sagt Steffen Skudelny von der Stiftung Denkmalschutz.

Mehr Informationen zur Spendenkampagne finden Sie auf der Seite der Deutschen Stiftung Denkmalschutzwww.rettet-den-berliner-dom.de

Hier können Sie für die Dom-Sanierung spenden.