Berlin - Wieder steht eine Frau an der Spitze einer Berliner Hochschule. Nachdem die TU Berlin und die Humboldt-Universität vor wenigen Wochen Präsidentinnen wählten, startet am heutigen 15. März die Amtszeit von Cornelia Woll, der neuen Präsidentin der Hertie School.

Es ist eine private Hochschule, 2003 von der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung gegründet, mit Sitz in der Friedrichstraße. Sie bildet mehr als 830 Studierende aus 80 Ländern für Führungsaufgaben im öffentlichen Bereich, in der Privatwirtschaft und der Zivilgesellschaft aus, ergänzt durch berufsbegleitende Studiengänge. Es geht dabei auch um neue Formen der „Good Governance“ – angesichts der gegenwärtigen Konfrontation mit autokratisch-diktatorischen Regierungsformen ein höchst aktuelles Thema.

Eine internationale Karriere

Die Politikwissenschaftlerin Cornelia Woll ist Nachfolgerin des 2021 verstorbenen Präsidenten Henrik Enderlein. Geboren wurde sie 1978 in Frankfurt am Main. Sie ist Tochter eines Professors für Volkswirtschaftslehre und einer Professorin für Soziologie. Mit 16 Jahren ging sie nach Amerika, machte dort 2000 an der University of Chicago ihren Master im Fach Internationale Beziehungen.

Es folgten Stationen in Paris, Köln und Bremen. Seit 2006 forschte sie am bekannten Pariser Politik-Institut Sciences Po. Dort wurde sie 2013 Professorin für Politikwissenschaften und war unter anderem auch Präsidentin des Akademischen Rates.

Eine Zeitenwende, die alle berührt

So international wie ihr Werdegang ist auch ihre Forschung. In dieser geht es unter anderem um Finanz- und Regulierungsstrukturen in der Europäischen Union und den USA. „Wir erleben eine Zeitenwende, die uns alle berührt und zum Umdenken auffordert“, sagt Cornelia Woll zum Amtsantritt. Die Hochschule müsse Wissen produzieren und Methoden vermitteln, „die in politischen Krisen handlungsweisend sein können, sei es bei dem geopolitischen Umbruch, der durch den Angriff Russlands auf die Ukraine ausgelöst wurde, bei der Umsetzung des Klimaschutzes oder in der Regulierung digitaler Räume“. Wissenschaft müsse Brückenbauerin sein. Das erscheint heute schwerer denn je.