Platsch, da ist es wieder passiert. Erneut wurde ein Denkmal mit Essensresten beschmiert und das Ganze politisch verbrämt. Diesmal traf es Bertolt Brecht, der als Skulptur vor dem Berliner Ensemble sitzt. Dienstag früh wurden die Speisen am Bildnis entdeckt und sofort entfernt. Die Polizei ermittelt.

„Wir haben das Denkmal des Schwaben Bertolt Brecht mit Berliner Kartoffelsalat und Buletten beworfen“, schreiben die Unbekannten in einer E-Mail, die sie der Zeitung BZ zukommen ließen. Weiter heißt es: „Wir sind Begissa – Berliner Eingeborene gegen Investoren Schwäbischer beziehungsweise Schweizer Abstammung.“

Schmierfinken? Attentäter? Oder doch Trittbrettfahrer eines reichlich skurrilen Streits zwischen dem früheren Bundestagspräsidenten Wolfgang Thierse und der schwäbischen Community in Berlin? In dessen Folge hatten vor fast zwei Jahren schwäbische Wutbürger das Käthe-Kollwitz-Denkmal in Prenzlauer Berg mit Spätzle beferkelt.

Man weiß es nicht. Was man weiß, ist, dass Bertolt Brecht Schwabe war, geboren am 10. Februar 1898 in Augsburg. Doch seine Heimat verließ er früh. 1924 ließ er sich in Berlin nieder, wo er zu einem der wichtigsten Dramatiker und Lyriker des Jahrhunderts wurde.

Ein Musterschwabe war Brecht sicher nicht – und ein Investor schon gar nicht. Und auch der Bogen zum Essen überhaupt lässt sich nicht ohne weiteres spannen, schließlich gilt bei ihm seit der Dreigroschenoper: „Erst kommt das Fressen, dann die Moral“.

Zum Glück gibt es die Hobby-Historikerin Martha Schad, „ehrenamtliche Heimatpflegerin“ von Brechts Mutterstadt. Sie hat 2006 das Buch „Komm und setz dich, lieber Gast – am Tisch mit Bertolt Brecht und Helene Weigel“ veröffentlicht. Es enthält rund 50 Rezepte aus dem Hause Weigel/Brecht. Brecht – ein „spindeldürres Männchen“, wie ihn Zeitgenossen beschrieben – hat angeblich gerne gegessen. Und dieses Essen stammte oft aus den Töpfen der Weigel. Die Wienerin galt als gute Köchin.

Doch was kam denn nun tatsächlich so auf den Tisch an der Chausseestraße oder im märkischen Buckow, oder vorher schon im Exil in Finnland, Moskau, Kalifornien? Martha Schad schreibt von Wiener Backhendl, Koteletts, Bierzwiebelsuppe, Holunderküchlein – und tatsächlich Kartoffelsalat. Von Buletten ist nicht die Rede, was aber nichts bedeuten muss.

Vielleicht haben es die Begissa-Leute (ähnelt irgendwie Pegida) ja auf Brechts Nachbarn am Theatervorplatz abgesehen. Schließlich schreiben sie auch von „Investoren Schweizer Abstammung“, mit denen sie offenbar irgendein Problem haben. Nebenan ist gerade ein Haus namens Yoo Berlin fertig geworden. Dort steht das teuerste Apartment der Stadt (6,25 Millionen Euro für 230 Quadratmeter) zum Kauf. Immobilienentwickler ist die Peach Property mit Sitz in Zürich. Könnte Sinn machen …

Egal, eine Schweinerei bleibt die Buletten-Kartoffelsalat-Attacke so oder so.