Berlin - Er ist nicht der beliebteste Flughafen Deutschlands. Doch dank der Billigflieger erlebt Schönefeld einen Ansturm. Seit Anfang Januar sind mehr als zehn Millionen Passagiere von und nach Schönefeld (SXF) geflogen – im vergangenen Jahr waren es 8,5 Millionen. Jetzt wird die Kapazität erweitert. Am Freitag führte Flughafenchef Karsten Mühlenfeld über die Baustelle.

Nach der Wende lagen die jährlichen Passagierzahlen im einstigen DDR-Hauptstadtflughafen meist unter zwei Millionen. Einen Schub gab es mit Easyjet ab 2004. Als Ryanair 2015 eine Basis eröffnete, gingen die Wachstumsraten weiter in die Höhe. Um den Ansturm zu bewältigen, investiert die Flughafengesellschaft FBB einen zweistelligen Millionenbetrag. Für Easyjet-Passagiere ist bereits mehr Platz geschaffen worden, das Terminal B wurde um 600 Quadratmeter erweitert. Als Nächstes eröffnet ein neues Ankunftsterminal für Ryanair-Passagiere – das Terminal D2, gleich neben Terminal D. Die Bundespolizei hat ihre Räume schon bezogen.

Terminal A und D werden 2017 umgebaut

2017 steht dann das Terminal D auf der Liste. Es wird vergrößert, die Außenwände der Blechbüchse werden versetzt. Ob Sicherheitskontrolle oder zollfreier Einkaufsbereich – alles wird umgestaltet und größer. Das Terminal A, vor 40 Jahren  eröffnet, erlebt 2017 ebenfalls einen Umbau. Die FBB setzt ein neues Gastronomie- und Ladenkonzept um, der erste Stock wird Wartebereich.  

Mit den Neu- und Umbauten will die FBB die jährliche Kapazität auf zehn Millionen Fluggäste vergrößern. „Doch wir laufen der Entwicklung hinterher“, sagte ein Mitglied des Flughafen-Aufsichtsrats. „Gut möglich, dass sich die Fluggastzahl in diesem Jahr auf elf bis zwölf Millionen summiert.“ Damit sind in Schönefeld erneut Kapazitätsengpässe in Sicht.

Airlines wollen in Schönefeld gut vertreten sein

„Die Einstellung der Airlines hat sich geändert“, hieß es. Lange Zeit machte Ryanair um Berlin einen Bogen, weil die Gebühren angeblich zu hoch seien. Der BER und die wachsende Attraktivität Berlins hätten das geändert. „Wenn der  Flughafen öffnet, wollen die Airlines in Schönefeld schon gut vertreten sein. Dann können sie so genannte Großväterrechte geltend machen und ihre Slots behalten.“ Slots sind Zeitfenster für Starts oder Landungen.

Wann der neue Flughafen öffnet, steht weiterhin nicht mit Sicherheit fest. Zwar will der Aufsichtsrat während seiner  Sitzung am 2. Dezember über das Projekt sprechen. „Einen endgültigen Eröffnungstermin wird der Flughafenchef dann aber noch nicht nennen“, hieß es im Umfeld des Gremiums. Nicht nur, weil die Arbeiten andauern: Michael Müller, der Aufsichtsrats-Vorsitzende, will am 8. Dezember als Regierender Bürgermeister wieder gewählt werden. Eine schlechte Nachricht wie die, dass der BER später als bisher gesagt öffnet, würde dazu nicht passen. Flughafenchef Mühlenfeld hat bereits angekündigt, dass die Stunde der Wahrheit im Januar 2017 schlägt.