Der verkehrspolitische Wunschzettel für Berlin ist noch länger geworden. Am Dienstag bekam Verkehrssenatorin Regine Günther den Auftrag, vier mögliche Erweiterungen des U-Bahn-Netzes prüfen zu lassen. Damit kommt auf die Verwaltung, die bereits mit Straßenbahn- und Radwegplanungen viel zu tun hat, weitere Arbeit zu. Auf der Prüfliste steht auch ein Projekt, von dem lange nicht mehr die Rede war. Es geht um die Verlängerung der U9 von Osloer Straße zum Bahnhof Pankow. Eine zweite U-Bahn nach Pankow könnte eine „sinnvolle Option“ sein, hieß es in Günthers Vorlage, über die der Senat beriet.

„Im Koalitionsvertrag wird der Ausbau des Straßenbahnnetzes betont. Wir stellen diese Priorität nicht in Frage. Doch wir wollen uns der Debatte über mögliche Erweiterungen des U-Bahn-Netzes nicht verschließen“, sagte die Senatorin. In ihrer Vorlage für den Senat schätzte die parteilose, von den Grünen nominierte Politikerin ein, für welche U-Bahn-Projekte eine eingehende Prüfung sinnvoll sein könnte.

Fahrzeit zum Zoo halbiert sich

Positiv fiel das Votum für das Märkische Viertel aus. „Eine Verlängerung der U8 zum Senftenberger Ring würde eines der größten zusammenhängenden Siedlungsgebiete Berlins, das noch über keinen Schienenverkehrsanschluss verfügt, besser mit der übrigen Stadt verbinden“, so Günther. „Es müsste relativ wenig gebaut werden, doch der Effekt wäre groß, weil viele Menschen eine Bahnanbindung bekämen.“

Für ein Teilstück haben die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) bereits Pläne gezeichnet. Sie sehen vor, 1,2 Kilometer Tunnel und am Märkischen Zentrum eine Station zu bauen – für 61 Millionen Euro. Käme am Eichhorster Weg ein Bahnhof dazu, wären es 84 Millionen Euro. Würde die Strecke tiefer gelegt, was den Bau von Verteilerebenen in den Bahnhöfen ermöglichen würde, wären es 104 Millionen Euro. Ein halber Kilometer Tunnel ist vorhanden – dort werden Züge abgestellt.

Als zweites Projekt wird die Senatsverwaltung prüfen, ob die Linie U1 über die bisherige Endstation Uhlandstraße hinaus nach Westen verlängert werden sollte. „Eine Fortführung der U1 zum Adenauerplatz würde eine Lücke im U-Bahn-Netz schließen und sich positiv auf die Nachfrage auswirken“, so die Senatorin. Unter dem Adenauerplatz ist die Station für die U1 bereits im Rohbau vorhanden. 1,1 Kilometer Tunnel müssten unter dem Kurfürstendamm gebaut werden, nötig wäre zudem ein U-Bahnhof im Bereich Wieland-/ Schlüterstraße.

Die Planer, die Günthers Senatsvorlage erarbeiteten, haben auch einen besonders stark wachsenden Bezirk im Nordosten im Blick: Pankow. Dort werde der Verkehr intensiver, dem Knotenpunkt am Bahnhof Pankow drohe die Überlastung.

Darum könne es sinnvoll sein, die U9 bis zum S-Bahnhof Wollankstraße und Pankow zu verlängern, hieß es. Dort könnte in die U2, Straßenbahnen und Busse umgestiegen werden. Die Fahrzeit vom Zoo nach Pankow, mit der U2 mehr als eine halbe Stunde, würde sich halbieren.

„Damit wäre eine schnelle und leistungsfähige Direktverbindung von Pankow in die City West realisierbar“, steht in der Vorlage. Mit Umsteigen würden auch die nördlichen Siedlungsbereiche und die im Bezirk geplanten neuen Wohnviertel profitieren. Allerdings: Die rund drei Kilometer lange Trasse würde dem Vernehmen nach einen dreistelligen Millionenbetrag kosten.

Die Verwaltung bekam auch den Auftrag, ein Projekt zu untersuchen, das nicht in ihrer Vorlage steht: die Verlängerung der U7 von Rudow zum heutigen Bahnhof Flughafen Berlin-Schönefeld. Wie berichtet will Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) damit die Verbindungen in Richtung BER verbessern – um den Berlinern den Abschied von Tegel zu erleichtern.

U7 nicht die allererste Wahl

„Wenn es den Wunsch nach einer intensiven Prüfung einer Verlängerung der U7 gibt, übernehmen wir das selbstverständlich“, so die Senatorin. Allerdings: „Bei der Frage, ob die U7 zum BER oder zumindest nach Schönefeld verlängert werden sollte, sind die Fachleute in unserer Senatsverwaltung zurückhaltend. Vom Verhältnis zwischen Kosten und Nutzen her wäre eine solche Fortführung der U7 für uns nicht die allererste Wahl.“ Zudem führen acht der zehn Kilometer über Brandenburger Gebiet: „Mit dem Land Brandenburg und dem Landkreis Dahme-Spreewald müsste über die Finanzierung gesprochen werden.“

Doch so weit sei man bei allen vier Strecken noch lange nicht, sagte Günther. Wenn die Ideen nun geprüft werden, bedeute das noch keine Entscheidung darüber, ob das U-Bahn-Netz tatsächlich erweitert wird. Jede weitergehende Planung, jedes Bauprojekt würde unter Vorbehalt stehen: „Steht zusätzliches Geld zur Verfügung? Haben wir genug Planer? Kann die Planung zusätzlich zu den Projekten, die im Koalitionsvertrag aufgelistet sind, umgesetzt werden?“, so die Senatorin. „Wir werden kein einziges Straßenbahnprojekt aufgeben, nur um ein U-Bahn-Projekt vorzubereiten.“