Ausbildung bei der BVG: Mama fährt jetzt den Bus

Berlin - Den Twingo gegen einen 15 Tonnen schweren Bus tauschen? Was für viele Frauen unmöglich klingt, ist für Stephanie Mikolay kein Problem. Die 27-Jährige hat am Montag als jüngste Teilnehmerin ihre Umschulung zur Busfahrerin abgeschlossen. Ab sofort wird sie vom Betriebsbahnhof in der Müllerstraße in Wedding aus verschiedene Buslinien bedienen. „Zum Beispiel den 120er, den X33er, den 125er und den 133er“, zählt sie stolz die Linien auf, die von ihrem Betriebsbahnhof aus fahren.

Die fünfeinhalbmonatige Ausbildung hat Mikolay viel Spaß gemacht. Auch wenn sie am Anfang Angst hatte, sich die Linien nicht richtig gemerkt zu haben. „Was ist denn, wenn ich einfach vergesse eine Haltestelle anzufahren?“, fragte sie sich. Doch alles ging gut. Sowohl die Fahrgäste als auch ihr Lehrer waren zufrieden.

Busfahrer sind keine Blaumänner mehr

Stephanie Mikolay war früher Altenpflegerin. Sie merkte aber nach der Ausbildung schnell, dass „der Job eigentlich nichts für mich ist“. Da sie schon immer gern Auto fuhr und auch das Busfahren schon interessant fand, fragte sie im Arbeitsamt nach – und rannte offene Türen ein.

BVG-Chefin Sigrid Nikutta hatte nämlich gerade mit Ines Schmidt, der Gesamtfrauenvertreterin der BVG und Cornelia Großmann, der Beauftragten für Chancengleichheit der Arbeitsagentur, bei einem Glas Wein zusammengesessen, wie Schmidt sagt. Dabei diskutierten sie darüber, warum so wenige Frauen Busfahrerinnen werden wollen. Nur etwa fünf Prozent der Berliner Busfahrer sind weiblich. Die Antwort war einfach. „Vor einigen Jahrzehnten hat mal jemand festgelegt, dass die Bewerber einen technischen Hintergrund haben müssen“, sagte Nikutta. Nur sei die Zeit, in der der Busfahrer im Blaumann ausgestiegen sei, um den Bus zu reparieren, nun schon lange vorbei. Also änderte sie das Anforderungsprofil bei der Arbeitsagentur und voilà: Es fanden sich gleich zehn zukünftige Busfahrerinnen für die Ausbildung.

Managerin grüßt mit Handschlag

Keine der Damen zwischen 27 und 49 Jahren hat eine technische Ausbildung absolviert. Sie sind Bürokauffrauen, Friseurinnen, Arzthelferinnen. Nur einen Job bekamen sie nicht. Häufig lag es an den Kindern. Fünf der Frauen sind Alleinerziehende. Sie werden ein Arbeitszeitmodell bekommen, bei dem sie ihre Kinder zur Betreuung bringen können. „Ich wollte gern wieder als Arzthelferin arbeiten, aber die stellen immer nur für 25 Stunden in der Woche ein“, erzählt eine der neuen Busfahrerinnen, und das war ihr zu wenig. Auch die Angst vor Berufsausfällen durch die Kinder ist bei den Arbeitgebern groß.

Die BVG-Chefin Nikutta, selbst Mutter von vier Kindern und vor Kurzem aufgrund ihres Engagements für Frauen zur Managerin des Jahres gewählt, sieht in den Kindern kein Arbeitshindernis. Der Schichtdienst könne ohne Probleme kinderfreundlich gestaltet werden, erklärte die 43-Jährige, die jede Busfahrerin mit Handschlag begrüßte. Außerdem seien Frauen ohnehin die besseren Autofahrer. Besonders freue sie sich darüber, dass im Juli bereits der nächste Ausbildungslehrgang begonnen hat. Auch hier gibt es wieder elf Frauen.

Deeskalationskurs für Busfahrer

Die Erfahrung in der Ausbildung beschreiben alle zehn als positiv. Alle haben sich noch während der Ausbildung bei der BVG beworben – mit Erfolg. Es sei toll, wieder am Berufsleben teilhaben zu können, sagen sie. Auch die Kinder sind beeindruckt über die busfahrenden Mütter. Fatma Arcus Sohn hatte gleich einen Verbesserungsvorschlag für den neuen Arbeitsplatz seiner Mutter. „In den Doppeldeckern wünscht er sich oben kleine Lenkräder, damit er mitlenken kann“, erzählt sie. Fatma Arcus freut sich auch über die Wirkung ihrer Uniform. „Die BSR grüßt einen, das Ordnungsamt, die Polizei, morgens in der Kita wird man darauf angesprochen, das ist schon toll“, sagt sie.

Angst vor Übergriffen haben die Frauen nicht. Stephanie Mikolay fühlt sich hinter dem Steuer des Busses sicher. Neben einem Englisch-Grundkurs haben alle auch einen Deeskalationskurs absolviert. „Und wenn man schon mit einem freundlichen Lächeln dasitzt, reagieren die Leute auch nett“, sagt Stephanie Mikolay. Das ist jedenfalls ihre Erfahrung.