Die guten Nachrichten zuerst: Die Kinos werden beheizt sein während der 62. Berlinale, und es wird in ihnen auch keine Teenager geben, die andere Zuschauer mit Popcorn bewerfen, weil sie sich langweilen in dieser oder jener Vorführung und zu dumm sind, den Ausgang zu finden. Es gibt noch mehr gute Nachrichten.

Diese Berlinale verspricht höchst unterhaltsam sowie lehrreich zu werden – und das nicht allein wegen der um die 400 Filme, die man Fachbesuchern und regulärem Publikum in den kommenden zehn Tagen zeigen wird. Schon jetzt bereiten einige Beleidigungen Amüsement, die glücklicherweise rechtzeitig vor Festivalbeginn geäußert wurden.

Vor Kosslick blank ziehen

Etwa von Klaus Lemke: Der verdiente Filmrebell nennt die Berlinale einen „Kindergarten auf Speed“, der „übersubventionierte Film-Folklore“ zu bieten habe, und er attestiert ihr die „Vitalität eines beamteten Rundfunkorchesters“. Der Hintergrund: Der Festivalchef Dieter Kosslick mag Lemkes neuen Film „Berlin für Helden“ nicht auf der Berlinale zeigen.

Klaus Lemke wiederum will sich das keineswegs gefallen lassen. Er plant für heute Abend eine Demo am roten Teppich zur feierlichen Berlinale-Eröffnung. Dort will er mit seiner Hauptdarstellerin Saralisa Volm und weiteren Unterstützern „Rabbatz machen, bis wir uns den Arsch abfrieren.“ Es geht doch nichts über ein veritables Beleidigtsein zum gegebenen Anlass!

Fotografenfutter en masse

Ob uns die fürs Festival avisierten Hollywood-Stars, darunter Meryl Streep, Angelina Jolie, Robert Pattinson oder auch Tom Hanks ebenso zu erheitern vermögen wie Lemke, sei hier einmal dahingestellt. Fotografenfutter wird es bei der 62. Ausgabe der Berlinale jedenfalls reichlich geben. Gedränge in den öffentlichen Verkehrsmitteln und an den Taxiständen ebenso.

Und recht so: Wo kann man schon Isabelle Huppert als Missionarin sehen und eine restaurierte Fassung von Sergej Eisensteins „Oktober“ (1928) mit Orchestermusik erleben?! Dass diese 62. Berlinale wie jene der vergangenen Jahre stark kritisiert werden wird wegen gepflegter Mittelmäßigkeit, ist eigentlich schwer vorstellbar.

Und nun die schlechte Nachricht: Am Ende werden wir alle todmüde und grippekrank sein vom Filme-Schauen und vom ständigen Wechsel aus dem Kalten ins Warme und umgekehrt. Dann haben wir genau ein Jahr, um uns zu erholen, bevor der ganze Wahnsinn von Neuem losgeht – mit der 63. Berlinale.