Ein Häftling hat am Montagmorgen versucht, aus der Justizvollzugsanstalt Tegel auszubrechen. Nach Informationen der Berliner Zeitung handelt es sich bei dem 52-jährigen um Mario K. Er wurde 2016 wegen versuchten Mordes und erpresserischen Menschenraubes zu lebenslanger Haft verurteilt. 

Nach einem umstrittenen Indizienprozess und einer anschließenden Revision sah es der Bundesgerichtshof als erwiesen an, dass K. einen Bank-Manager aus dessen Villa entführt hatte und ihn auf einer kaum zugänglichen Schilfinsel in einem Sumpfgebiet am Storkower See gefangen hielt, um Lösegeld zu erpressen. Das gefesselte Opfer konnte sich nach mehr als einem Tag befreien. Zudem hatte er laut Gericht in kurzen Abständen zweimal eine andere Millionärsfamilie in Bad Saarow überfallen. Er knüppelte dabei die Mutter nieder und schoss Monate später auf die Tochter. Ein Wachmann schützte die junge Frau und wurde getroffen. Er ist deshalb querschnittsgelähmt. Bei seinen Taten trug er stets ein Maske, was ihm den Titel „Maskenmann“  einbrachte.

Nach Angaben von Justizsprecher Sebastian Brux hatte der 52-Jährige gegen 4.30 Uhr zwei Gitterstäbe seines Haftraums in der Teilanstalt V durchgeschweißt.

Um die Gitterstäbe zu durchtrennen benutzte Mario K. kein Elektroschweißgerät, wie es zunächst hieß, sondern wandte ein elektrochemisches Schweißverfahren an, indem er Chemikalien verwendete und die Gitter unter Strom setzte. Dann seilte er sich vom dritten Stock ab. Vollzugsbedienstete bekamen den Ausbruchsversuch mit und holten den Häftling von der Fassade, indem sie ihm eine Leiter anstellten. 

Laut von Brux wäre er ohnehin nicht weit gekommen. Denn der Innenhof der Teilanstalt ist mit einem Zaun und Stacheldraht umgeben. Zudem hätte der 52-Jährige auch noch die Gefängnismauer samt Stacheldraht überwinden müssen. "In beiden Fällen wäre Alarm ausgelöst worden", sagte Brux. Wie Mario K. an die Chemikalien gelangen konnte, ist noch unklar.

Die Haftanstalt Tegel hat 933 Plätze. Dort sind zurzeit mehr als 800 Männer mit mittleren und langen Freiheitsstrafen, lebenslanger Freiheitsstrafe oder in Sicherungsverwahrung untergebracht.

Die AfD nutzte den verhinderten Ausbruch, den Behrendts Rücktritt zu fordern. Er bekomme die Sicherheitslage in den Gefängnissen nicht in den Griff, teilte AfD-Justizexperte Marc Vallendar mit. „Außer Ankündigungen nach der Ausbruchswelle 2018 ist nichts passiert.“ Und die FDP kritisierte den „dramatischen Personalmangel“ in den Anstalten, der auch nicht durch kosmetische Maßnahmen gelöst werden könne. Tatsächlich sind in den Berliner Gefängnissen etwa 100 Stellen nicht besetzt. Laut Verwaltung kann das Defizit erst Ende 2020 durch Neueinstellungen ausgeglichen werden.

Denkmalschutz gegen Sicherheit

Derzeit werden die Sicherheitsvorkehrungen in den Haftanstalten überarbeitet. Nachdem im Februar 2018 ein Gefangener in Tegel in einen Lieferwagen geklettert war und so nach draußen gelangte, schaffte die JVA einen Herzschlag-Detektor an, der menschliche Geräusche in Autos erfasst, die die Anstalt verlassen. Auch die anderen Haftanstalten sollen nach Justizangaben mit diesen jeweils 150 000 Euro teuren Detektoren ausgestattet werden.

Zudem werden demnächst in Tegel die Zäune um die Freistunden-Höfe erhöht, die bislang nur sogenannte Ordnungszäune aber keine Sicherungszäune sind. Bei diesem Vorhaben kam es zu Verzögerungen. Die Denkmalschutzbehörde hatte längere Zeit Einwände. Die Zäune würden das historische Gefängnisgebäude verschandeln.