Der kalkulierte und der unkalkulierte Tabubruch gehören zum Standardrepertoire der AfD. Den Rechtspopulisten hat beides noch nicht geschadet, ihre Umfragewerte steigen stetig an. Unklar ist, welcher Kategorie eine Einlassung von Hugh Bronson zuzurechnen ist.

Er ist Vize-Vorsitzender des Berliner Landesverbandes und tritt auf einem aussichtsreichen Listenplatz fürs Abgeordnetenhaus an. Auf Twitter veröffentlichte er am Donnerstagabend eine Kurznachricht, in der er Todeszüge nach Auschwitz mit Sonderzügen für Flüchtlinge verglich.

„Extreme sind urdeutsch, wie Menschen in Zügen: Entweder Auschwitz oder Refugees Welcome. Beides falsch!“

Bronson schrieb: „Extreme sind urdeutsch, wie Menschen in Zügen: Entweder Auschwitz oder Refugees Welcome. Beides falsch!“ AfD-Sprecher Ronald Gläser sagte dazu: „Auschwitz-Vergleiche sind immer schlecht.“ Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) hatte erst am Donnerstag gewarnt, ein gutes Wahlergebnis für die AfD könne als Signal für einen Wiederaufstieg der Rechten und Nazis gewertet werden.

Bronson, ein 55 Jahre alter Sprachlehrer mit deutscher und britischer Staatsbürgerschaft, gehört der AfD seit 2013 an. Beim Wahlparteitag im April kandidierte er für die Spitzenkandidatur. In seiner Vorstellungsrede äußerte er Kritik an der Flüchtlingspolitik der Bundesregierung und erklärte: „Unsere Kernaufgabe ist die Völkerwanderung.“ Bei den Asylsuchenden in Deutschland handelt sich aus seiner Sicht nicht um Flüchtlinge, diese Auffassung teilt er mit weiten Teilen der Partei.

Wie Bronson darauf kam, den Massenmord der Nationalsozialisten in einen Zusammenhang mit seiner Kritik an der Flüchtlingspolitik zu bringen, erklärte er am Freitag. Er habe eine „zielführende Diskussion“ anstoßen wollen, schrieb Bronson in einer Pressemitteilung.

Zugleich beklagte er: „Wenn in Deutschland der Begriff Auschwitz in einen Vergleich gesetzt wird, dann ist der Verfasser immer mit dem Risiko behaftet, ein durch nichts zu relativierendes grausames NS-Verbrechen trivialisieren zu wollen.“ Dies habe er nicht beabsichtigt.