Berlin - So ist es geregelt: Für eine Leistung, die nicht den Anforderungen entspricht, gibt es weniger Geld. Diesen Grundsatz bekommt auch wieder einmal die S-Bahn Berlin GmbH zu spüren. Weil Züge ausfielen, sich verspäteten oder nicht oft genug gereinigt wurden, muss das Tochterunternehmen der Deutschen Bahn (DB) auf Geld vom Land verzichten und geleistete Abschlagszahlungen erstatten. Für das vergangene Jahr hat Berlin einen Rückzahlungsanspruch von fast 20,1 Millionen Euro.

Das geht aus dem jüngsten Jahresbericht über die Verkehrsleistungen hervor, den der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) vorgelegt hat. Auch die DB und andere Regionalzugunternehmen müssen danach Geld zurückzahlen.

Zu wenig Personal bei der Berliner S-Bahn 

Für die S-Bahn fällt der Bericht wenig schmeichelhaft aus – was Erfahrungen bestätigt, die viele Berliner Pendler vor allem zu Beginn des vergangenen Jahres gemacht haben. „Die seit Frühsommer 2017 deutlich zurückgegangene Fahrzeugverfügbarkeit verblieb auch im ersten Quartal 2018 auf sehr unbefriedigendem Niveau“, lautet die Bilanz.

An Menschen, die S-Bahnen fahren können, mangelte es ebenfalls. Folge: „Insbesondere die Reserve-Umläufe konnten häufig nicht mit Personal besetzt werden.“ Bei Störungen und kurzfristigen Ausfällen konnte die S-Bahn nicht mit der nötigen Flexibilität reagieren. „Es bleibt festzuhalten, dass der Personalbestand planerisch weiterhin vergleichsweise knapp bemessen war.“

Die S-Bahn Berlin GmbH leistete aber nicht nur weniger als mit dem Land vertraglich festgelegt, an anderen Stellen leistete sie auch mehr. So wurden für 71 Veranstaltungen Sonderverkehre vereinbart, die zusätzliche Fahrten auf die Schienen brachten – etwa bei Heimspielen von Hertha BSC und des 1. FC Union, Messen, Konzerten oder der Pyronale.

Auch Bauarbeiten erforderten zusätzlichen Aufwand, zum Beispiel für den Ersatzverkehr mit Bussen. Zitat im Bericht: „2018 erforderten 395 Baumaßnahmen Anpassungen im S-Bahn-Verkehr“ – 41 mehr als 2017.

Berliner S-Bahn muss wegen Unpünktlichkeit auf rund 772.000 Euro verzichten

All das ist in eine umfangreiche Rechnung eingeflossen. Ganz oben steht der Finanzierungsanspruch, den die S-Bahn Berlin GmbH gegen das Land Berlin für 2018 hat: 225,7 Millionen Euro – knapp 7,50 Euro für jeden vereinbarten Fahrkilometer.

Weiter unten in der Kalkulation sind die Abzüge zu finden. So wurde der Zahlungsanspruch der S-Bahn wegen „nicht vertragsgerechter Leistung“ um knapp 18,9 Millionen Euro gemindert. Für diesen Rechnungsposten werden zum Beispiel Fahrtausfälle oder S-Bahn-Züge, die weniger Wagen als vereinbart hatten, berücksichtigt.

Die Qualität der Verkehrsleistungen wurde ebenfalls bewertet. Ein Ergebnis war, dass die S-Bahn Berlin GmbH wegen Unpünktlichkeit auf rund 772.000 Euro verzichten muss. Geregelt ist auch, wie häufig Züge und S-Bahnhöfe gereinigt werden oder wie viel Servicepersonal einzusetzen ist. Hier ergaben sich Abzüge von 339.000 Euro.

Auch wenn sich Fahrgäste immer wieder darüber ärgern, dass sie länger als geplant auf ihre S-Bahn warten müssen: Für eine faire Betrachtung muss man berücksichtigen, wie sich die Situation entwickelt. Und da ist festzustellen, dass der langfristige Trend trotz allem positiv ist – nicht nur im Vergleich zur S-Bahn-Krise, als allein zwischen August und Ende Dezember 2009 die Zahlungen um 37 Millionen Euro gekürzt wurden.

Zwei weitere Vergleichswerte: Für 2016 wurde ein Rückzahlungsanspruch von 16 Millionen, für das vergangene Jahr von fast 22 Millionen Euro errechnet. Wie die Rechnung für dieses Jahr ausfallen wird, ist noch nicht absehbar. Klar ist aber, dass sich die S-Bahn verbessert hat, wie Daten für den Zeitraum von Anfang Januar bis Ende August zeigen.

So lag die Zahl der Zugausfälle um 33 Prozent unter dem Wert des Vorjahreszeitraums. Bei den Fahrzeugstörungen betrug der Rückgang 23 Prozent. Auch bei der Leit- und Sicherungstechnik, für die DB Netz zuständig ist, wurden weniger Ausfälle registriert. Das geht offenbar auf das großangelegte Qualitätsprogramm zurück, das S-Bahn-Chef Peter Buchner im vergangenen Jahr vorgestellt hat – und so naheliegende Maßnahmen wie mehr Personal und bessere Arbeitsabläufe enthält.

In dem Jahresbericht des Verkehrsverbunds geht es auch um den Regionalzugverkehr, der in Berlin ebenfalls immer bedeutender wird.

Fahrgastzahl stieg um 50 Prozent

Das zeigen die Fahrgastzahlen, die dort aufgelistet sind: Stiegen 2013 noch rund 26,4 Millionen Menschen in Berlin in Regionalzüge ein, waren es im vergangenen Jahr 39,3 Millionen. Die Züge sind voller geworden.

Die drei Unternehmen, die in der Hauptstadt in diesem Bereich tätig sind, müssen ebenfalls dem Land Berlin Geld erstatten. Gegenüber DB Regio summiert sich der Anspruch für das vergangene Jahr auf 2,93 Millionen Euro, heißt es in dem Bericht. Bei der Ostdeutschen Eisenbahn, als ODEG bekannt, sind es 316.000 Euro.

Die Niederbarnimer Eisenbahn (NEB) muss 625.000 Euro zurückzahlen – achtmal mehr als zwei Jahre früher. Sie und ihre Fahrgäste leiden vor allem unter den Problemen auf der Ostbahn in Richtung Kostrzyn (Küstrin). Die Züge des polnischen Herstellers Pesa entsprechen nicht den Anforderungen. Sie sollten zum Teil in Dreierverbänden verkehren – aber das ist technisch unmöglich.