So viel ist absehbar: Bei der ersten Fahrt am Sonnabend könnte es voll werden. „Die Nachfrage ist groß. Sehr groß“, sagt Holger Auferkamp von der Deutschen Bahn (DB). Doch der Kulturzug fährt nicht nur an diesem Wochenende von Berlin nach Breslau, Polnisch Wrocław, und zurück. „Er ist auch Himmelfahrt unterwegs. Und danach an jedem Sonnabend und Sonntag – bis Ende September“, erklärt der Bahnsprecher. Es gebe also noch genug Gelegenheit, die jüngste internationale Verbindung einmal auszuprobieren. Der Tarif bleibt jedenfalls unverändert: Eine Hin- und Rückfahrt von Berlin in die diesjährige europäische Kulturhauptstadt kostet 38 Euro.

Einen solchen Zug hat es in Berlin noch nicht gegeben. Schon die Fahrt in die schlesische Großstadt an der Oder wird etwas Besonderes sein, sagen die Organisatoren. Ein Kulturprogramm soll dafür sorgen, dass sich die Fahrgäste während der rund viereinhalbstündigen Reise nicht langweilen.

Großer Bahnhof am Ostkreuz

„Es gibt Musik an Bord, Lesungen, eine mobile Bibliothek“, sagt Elke Krokowski vom Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB). Auch Ausstellungen, ein Quiz und ein Mini-Polnisch-Kurs gehören zum wechselnden Angebot. Selbst die Kopfstützen seien künstlerisch gestaltet, hieß es bei der Bahn. Die Fahrgäste sollen eingestimmt werden auf eine große Stadt, die viel Kultur zu bieten hat.

Breslau glänzt nicht nur mit einer wiederaufgebauten Altstadt mit einem gotischen Rathaus, vielen Bürgerhäusern und Kirchen. Die 630 000-Einwohner-Metropole im Südwesten Polens ist auch eine Stadt der Moderne, mit Gebäuden, die Architekturgeschichte geschrieben haben – allen voran die gewaltige Jahrhunderthalle von 1913, die 6 000 Sitzplätze bietet. 100 000 Studenten machen Breslau zu einer sehr jungen Stadt.

Die letzte Fernzugverbindung von Berlin nach Breslau wurde 2014 eingestellt. Verschlissene Gleise, lange Fahrzeiten, zu wenig Fahrgäste – Fernbusse füllten die Lücke. Doch viele Beteiligte in Berlin, Brandenburg und Polen setzten sich dafür ein, die Direktverbindung auf der Schiene wiederzubeleben. Sie stellten das Projekt Kulturzug auf die Beine – das auf immer mehr Interesse stößt. „Wir haben schon fast 30 Gruppenanmeldungen“, berichte Auferkamp.

Der erste Kulturzug besteht aus drei Dieseltriebwagen mit jeweils fast 150 Sitzplätzen. Die Jungfernfahrt am Sonnabend wird am Ostkreuz mit einem großen Bahnhof verabschiedet. Auch der Botschafter Polens, Jerzy Józef Marganski, kommt zur Feier an Gleis 13.