Sebastian Heil (38) und Tony Ettelt (39) sind die neuen Betreiber des Zenner.
Foto: Berliner Zeitung/Gerd Engelsmann

Berlin-TreptowIm vergangenen Jahr meldete der Betreiber des kultigen Berliner Ausflugslokals Zenner in Treptow Insolvenz an – das vorläufige Ende eines traditionellen Geländes. Doch nun wird die Geschichte fortgeschrieben: Am Mittwoch unterzeichnete Oliver Igel, der Bezirksbürgermeister von Treptow-Köpenick, einen langfristigen Mietvertrag für die Bewirtschaftung des Lokals.

Die beiden Unternehmer Sebastian Heil (38) und Tony Ettelt (39) wollen der Ausflugsgaststätte Haus Zenner neues Leben einhauchen. Eine gute Nachricht, auch für Oliver Igel, der zur Unterzeichnung des neuen Vertrages in den Saal des Köpenicker Rathauses lud. „Seit vergangenem Jahr wurde unser traditionsreiches Ausflugslokal Zenner nicht mehr bewirtschaftet, der bisherige Betreiber ist in Insolvenz gegangen“, sagt er. „Das ist auf der einen Seite sehr schade, nun gibt es aber auf der anderen Seite die Chance, dass der Zenner mit einem neuen Konzept neu aufgestellt wird.“

Zuständig für dieses Konzept sind Heil und Ettelt, die in der Berliner Gastro- und Veranstaltungsszene keine Unbekannten sind. Sie kümmerten sich vorher unter anderem um die Wilde Renate und den Biergarten Else, als Geschäftsführer leiten sie die Else Event GmbH. „Die Verantwortung dafür übergeben wir nun an jüngere Kollegen“, sagt Ettelt. Stattdessen übernehmen sie das rund 8000 Quadratmeter große Zenner-Gelände, gründeten dafür eigens die Trebow GmbH – ein ambitionierteres Projekt, mit dem beide schon länger liebäugelten. „Unsere Joggingstrecke führt an den Gelände vorbei, seit Jahren sind wir immer wieder dort“, sagt Heil der Berliner Zeitung. Ettelt ergänzt: „Meine erste eigene Wohnung war auf der Stralauer Halbinsel, ich guckte aus dem Fenster immer auf das Zenner-Gelände, es begleitet mich schon viele Jahrzehnte.“

Momentan liegt das Gelände noch im Dornröschenschlaf.
Foto: Berliner Zeitung/Gerd Engelsmann

Und das wird es weiterhin: Der Mietvertrag ist auf 25 Jahre ausgelegt. Die Bedingung: „Wir erwarten, dass das Gelände instand gesetzt wird“, sagt Oliver Igel. Vorerst stehen große Sanierungsarbeiten an – auch an „Brandschutz, Elektronik und Sanitäreinrichtungen“, sagt Heil. Viele Dinge seien durch den bisherigen Pächter nicht saniert worden. Es werde eine Weile dauern, bis alles „in neuem Glanz erstrahlt“ – vermutlich sei der Biergarten der erste Teil des Geländes, der wiedereröffnet werden könnte. Das Projekt sei, sagen die Geschäftsmänner, mit einem hohen finanziellen Aufwand verbunden. „Aber wir haben gute Partner gefunden, die mit uns investieren werden, weil sie an das Konzept glauben.“

Apropos Konzept: Was die beiden genau planen, ließen sie bei der feierlichen Unterzeichnung des Vertrages nicht durchblicken. Alles werde zu gegebener Zeit verkündet. Selbst wenn es um die kulinarische Ausrichtung des Lokals geht, hüllen sich Heil und Ettelt in Schweigen. Nur eines: „Wir werden mit Inhalten überzeugen“, sagt Heil. Nicht nur Essen soll es geben, sondern auch Kultur, vielleicht Konzerte und Ausstellungen, in jedem Fall „eine große Bandbreite, die viele Berliner anspricht“. Die angeschlossene Körner-Villa könne etwa als Location für Hochzeiten genutzt werden. Nur ein Club komme nicht aufs Gelände – jene  Zeit hätten beide hinter sich gelassen.

Das Ausflugsrestaurant Zenner entstand bereits in den 1820er-Jahren, 1822 wurde es als Magistrats-Kaffeehaus eröffnet. Während des Zweiten Weltkrieges wurde das Gelände zerbombt. Nach dem Abriss der Ruinen in den späten 40er-Jahren entstand ein Neubau, der ab 1946 vom HO-Gaststättenbetrieb bewirtschaftet wurde. Nach der Wende übernahm der Senat die Gastwirtschaft. Der bisherige Pächter Frank Kühl – er arbeitete schon im HO-Ausflugslokal – bemängelte unter anderem die große Konkurrenzsituation und die hohen Kosten. „Ich musste in den vergangenen 30 Jahren alle Arbeiten an den gepachteten Gebäuden selbst finanzieren, mehrere Jahre sogar für den öffentlichen Parkplatz neben dem Haus zahlen. Der Vertrag wäre jetzt ohnehin ausgelaufen“, sagte er in einem Interview. Vor der Konkurrenz fürchten sich die neuen Betreiber nicht. Sie „beflügele den ganzen Ort“, heißt es auf Nachfrage.