Berlin erhält ein Knochenhaus. Es soll am Petriplatz eingerichtet werden, dem Gründungsort Berlins. Darin werden nach den Vorstellungen des Senats und der Denkmalpfleger insgesamt 3716 Skelette bestattet werden, die bei den Ausgrabungen am Petriplatz gefunden wurden. Wie Senatsbaudirektorin Regula Lüscher sagt, sei es ein besonderes Anliegen, „sämtliche Gebeine nicht nur sehr sorgsam freizulegen, sie zu dokumentieren und zu bergen, sondern für den weiteren würdevollen Umgang mit den Gebeinen besondere Vorkehrungen zu treffen“. Deshalb soll in den geplanten Neubau eines archäologischen Zentrums am Petriplatz nun ein Ossuarium, zu deutsch Bein- oder Knochenhaus, integriert werden.

Die Skelette sind uralt, sie stammen aus der Zeit zwischen 1200 und 1717 und waren auf dem Friedhof der ehemaligen Petrikirche an der heutigen Gertraudenstraße bestattet. Derzeit sind sie in der Gruft der Parochialkirche in Mitte untergebracht. Die Archäologin Claudia Mehlisch hat die Skelette bei ihren Grabungen nach dem Ursprung Berlins gefunden – mehr als 2000 Gräber hat sie von 2007 bis 2009 mit ihren Helfern freigelegt.

Eine pietätvolle Ruhestätte

Zudem ist sie auf die Grundmauern einer alten Lateinschule gestoßen und auf die Überreste der ehemaligen Petrikirche, die nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg 1964 von der DDR abgerissen wurde. Dass Alt-Cölln vor der Berlin-Gründung 1237 besiedelt war, hat Claudia Mehlisch durch Holzfunde nachgewiesen.

Die bedeutenden Funde haben den Senat veranlasst, das Konzept für den Petriplatz zu ändern. So will die Kirchengemeinde an Stelle der alten Kirche ein Bet- und Lehrhaus errichten. Für das archäologische Zentrum und den Petriplatz läuft derzeit ein Wettbewerb des Senats – 15 Millionen Euro sieht er für seine Bauten vor.

Die Schulmauern sollen zugänglich gemacht und Ausgrabungsstücke etwa Teller und Schmuck gezeigt werden, das Museum für Vor- und Frühgeschichte will Werkstätten einrichten. Wo das Knochenhaus hinkommt, ist unklar. „Wir müssen abwarten, welche Ideen die Architekten entwickeln“, sagt Petra Rohland, Sprecherin der Stadtentwicklungsbehörde. „Für die ausgegrabenen Skelette wird es eine pietätvolle Ruhestätte geben.“

Darin sind sich Senat und evangelische Kirchengemeinde St. Petri-St. Marien einig. So wurden jetzt zwölf Kubikmeter Knochen vom Petriplatz, die lose sind und keinem Skelett zugeordnet werden konnten, auf dem Friedhof St. Petri-Luisenstadt in der Friedenstraße beigesetzt. Nahe der Kapelle wurde für sie ein Feld hergerichtet. Wie Anna Poeschel von der Kirchengemeinde sagt, werden zwei Stelen aufgestellt mit den Angaben, woher die Toten stammen, wann sie gestorben sind und wann sie ausgegraben wurden. Zum Volkstrauertag gibt es dort am Sonntag, 14 Uhr, eine Andacht.