Berlin - Es geht um einen langfristigen Vertrag, viel staatliches Geld für den Zugbetrieb – und hoffentlich auch um einen besseren S-Bahn-Verkehr. Auf der Suche nach einem Unternehmen, das neue Züge auf dem Ring und im Südosten betreibt, ist der Senat auf große Resonanz gestoßen. Acht Unternehmen sind interessiert, ihre Namen gelten als geheim. Doch jetzt hat sich einer der Bewerber aus der Industrie öffentlich zu erkennen gegeben.

„Bombardier Transportation will für die S-Bahn eine erweiterte Verantwortung übernehmen. Wir wollen die neuen Züge nicht nur herstellen, sondern auch warten und mit einem Zugbetreiber als Partner ein Team bilden“, sagte Michael Clausecker, Vorsitzender der Geschäftsführung, der Berliner Zeitung. „Gemeinsam wollen wir die beste S-Bahn für Berlin und Brandenburg auf die Schiene bringen. Sie wird erstklassig funktionieren.“

Alles aus einer Hand

Die Jury, die den neuen S-Bahn-Betreiber küren wird, verfügt über eine für deutsche Verhältnisse ungewöhnlich vielfältige Auswahl. Anders als sonst haben sich nicht nur Bahnbetreiber beworben: dem Vernehmen nach die S-Bahn Berlin, DB Regio, National Express Rail aus Großbritannien, MTR aus Hongkong und RATP aus Frankreich. Auch Bahnhersteller wollen um den 15-Jahres-Vertrag kämpfen: außer Bombardier sind das Siemens und Stadler, die ein Konsortium bilden. Motto: alles in einer Hand. Sie wollen die Züge nicht nur bauen, sondern auch warten – damit sie zuverlässig verfügbar sind.

„Als weltweit führender Hersteller von Schienenfahrzeugen haben wir eine große Erfahrung“, sagte Clausecker. „In 60 Fällen hat Bombardier Transportation nicht nur Fahrzeuge geliefert, sondern hält sie auch in Stand. Beim Metronom, der wichtige Pendlerstrecken in Norddeutschland befährt, sind wir für die Wartung von 106 Wagen und 18 Loks verantwortlich. Dort garantieren wir eine mehr als 99-prozentige Verfügbarkeit.“ Mancherorts sei das Unternehmen auch für den Zugverkehr zuständig. So betreibt es den JFK AirTrain in New York.

Herstellung in Hennigsdorf

„Wir wollen Fahrgäste und Interessenverbände an der Gestaltung der neuen S-Bahn beteiligen – etwa wenn es um die Farbe der Außenlackierung, die Gestaltung der Innenräume und die Fahrradmitnahmemöglichkeiten geht“, kündigte Clausecker an. Die rund 380 Wagen würden in Hennigsdorf, dem größten deutschen Bombardier-Werk mit 3000 Mitarbeitern, hergestellt. „Ein solcher Auftrag würde viele Arbeitsplätze für Berliner und Brandenburger sichern. Für die Zukunft unseres Standortes Hennigsdorf wäre das eine der wichtigsten Optionen.“ Die ersten Wagen könnten Mitte 2018 fertig sein, die ganze Flotte Ende 2020.

Schon jetzt fahren tausend Wagen von Bombardier bei der S-Bahn Berlin. Doch die Baureihe 481 gilt als Hauptgrund der S-Bahn-Krise. „Wir sagen dazu: Als wir die Züge von 1996 bis 2004 geliefert haben, wurden alle damals geltenden Normen und Regeln eingehalten“, so Clausecker. „Bis zum Ende der Gewährleistungsfrist 2007 waren unsere S-Bahnen zu mehr als 98 Prozent verfügbar.“ Für das, was damit bei der S-Bahn geschah, sei Bombardier nicht verantwortlich. Vor allem nicht für die „Wartungskonzepte, deren Folge die Schließung von drei Werkstätten und die Reduzierung des Technikpersonals war“.

Die Deutsche Bahn sieht das anders und hat den Hersteller seiner S-Bahnzüge vor dem Landgericht Berlin auf Schadensersatz verklagt. Der Vorwurf: Bombardier habe bei den Lieferungen von 500 S-Bahnen für Berlin Mängel an den Rädern und beim Bremssystem verschwiegen.