Berlin - Im Herbst 2015 will der Senat bekanntgeben, wer in Zukunft die S-Bahnen auf dem Ring und im Südosten Berlins betreibt. Doch Beobachter berichteten, dass in dem Vergabeverfahren ein ernstes Problem aufgetaucht ist. Nach ihren Informationen drohen die absehbaren Kosten des S-Bahn-Verkehrs den Rahmen zu sprengen. Dem Vernehmen nach liegt der Preis, den die Deutsche Bahn (DB) den Ländern Berlin und Brandenburg genannt hat, deutlich über den Erwartungen. Die DB ist das einzige Bahnunternehmen, das bei der Ausschreibung ein Angebot abgegeben hat.

Berlin und Brandenburg fordern vom künftigen Betreiber, dass er auf dem Ring und den anderen ausgeschriebenen Strecken rund 390 moderne, fabrikneue S-Bahn-Wagen einsetzt. Deren Herstellung soll nun mehr Geld kosten als anfangs erwartet. Die DB hatte mit einer separaten Ausschreibung einen Lieferanten für die neuen S-Bahnen gesucht. Doch wie schon beim Vergabeverfahren für den Zugbetrieb gab es am Ende keinen echten Wettbewerb. Nur das Konsortium Siemens/Stadler blieb übrig – und der polnische Hersteller Pesa, dem aber kaum Chancen eingeräumt werden.

Reicht das Geld vom Bund künftig?

Dagegen musste der große Fahrzeughersteller Bombardier Transportation wie berichtet aus dem Verfahren ausscheiden, nachdem die DB ihre Finanzierungsbedingungen verschärft hatte. Angeblich will das Bundesunternehmen Herstellern kein Geld mehr zahlen, bevor alle bestellten Wagen geliefert und abgenommen worden sind. Bombardier produziert in Hennigsdorf bei Berlin – dort befürchtet die Industriegewerkschaft Metall den Verlust von vielen Arbeitsplätzen.

Die Länder müssen entscheiden, ob das Vergabeverfahren für den S-Bahn-Verkehr auf dem Ring und den anderen Strecken nun weitergehen kann. Die Beträge, die der Bund ihnen für den S-Bahn-Betrieb überweist, dürften in den nächsten Jahren nicht wesentlich steigen. Es muss kalkuliert werden, ob das Geld künftig noch für ein sinnvolles Zugangebot reicht – oder ob Fahrten gestrichen werden müssen.