Berlin - In Tokio betreibt die East Japan Railway Company schon eine Ringbahn. Da liegt es nahe, sich auch um den S-Bahn-Ring in Berlin zu bemühen. Wie jetzt bekannt geworden ist, möchte das große japanische Unternehmen zusammen mit dem Dienstleister Mitsui den S-Bahn-Betrieb auf dem Ring und im Südosten Berlins übernehmen. Nach Informationen der Berliner Zeitung gehört es zu den Bewerbern, die an der Ausschreibung des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg (VBB) teilnehmen wollen und dies vor kurzem beantragt haben.

„Dass sich die Japaner in Berlin bewerben, ist etwas Besonderes“, sagte ein Beobachter. Bislang betreibt die JR East, wie die East Japan Railway Company abgekürzt heißt, nur in ihrem Heimatland Züge. Dort aber in großem Stil: auf einem 7 500 Kilometer langen Netz und mit 17 Millionen Fahrgästen täglich. Ihre Yamanote-Linie gehört zu den am stärksten genutzten Bahnstrecken der Welt. Auf der 34,5 Kilometer langen Tokioter Ringbahn wurden 2005 pro Tag 3,5 Millionen Menschen befördert – so viele wie im gesamten Berliner Nahverkehr.

Heute nähert sich die tägliche Fahrgastzahl der Fünf-Millionen-Marke. Alle zwei Minuten fährt ein Zehn-Wagen-Zug. Jedes Fahrzeug ist in der Farbe Hellgrün lackiert. Auch die 29 Stationen sind leicht zu unterscheiden: Jeder Bahnhof hat eine Erkennungsmelodie, die bei Zugeinfahrten ertönt. Vorbild für die Tokioter Kreislinie war übrigens die Ringbahn in Berlin, um deren Zukunft es jetzt geht.

Wie berichtet wollen Berlin und Brandenburg den Vertrag für die Ringlinien S 41 und S 42 neu vergeben, außerdem für die künftige Linie S 46 (Königs Wusterhausen–Westkreuz–Hauptbahnhof), die S 47 (Südkreuz–Spindlersfeld) und die neue S 8 (Zeuthen–Ostkreuz–Hohen Neuendorf). Das Unternehmen, das Ende 2014 den Zuschlag erhält, soll drei Jahre später den Betrieb aufnehmen. Es muss rund 390 neue Wagen mitbringen.

Die Liste der Firmen, die sich um den lukrativen Länderauftrag bewerben, ist auch ohne die Japaner schon ziemlich lang und international. „Die Resonanz ist groß – und damit auch die Auswahl“ , hieß es im Senat. „Eine gute Situation, um Entscheidungen zu treffen.“ Die Mass Transit Railway (MTR) aus Hongkong hat ebenso einen Antrag abgegeben wie National Express aus Großbritannien und RATP aus Frankreich. Auch die Fahrzeughersteller Bombardier und Siemens/ Stadler wollen sich an der Ausschreibung beteiligen. Bombardier hat sich mit RATP zusammengetan.

Auch Bayern bewerben sich

Konzernunternehmen der Deutschen Bahn (DB) sind ebenfalls dabei. Eines von ihnen ist die S-Bahn Berlin GmbH, die heute den Ring befährt und dies auch weiter tun will. Dem Vernehmen nach haben aber auch DB Regio Bayern und DB Regio Nordost beim Verkehrsverbund Bewerbungen eingereicht. „Damit will die Bahn auf Nummer Sicher gehen. Sie hofft, dass zumindest eines ihrer Unternehmen den neuen 15-Jahres-Vertrag erhält“, sagte ein Beobachter. „Für die DB geht es auch um das Prestige.“