Ausstellung „Schön und solide - Märkische Ziegel für den Berliner Nordosten“ im Museum Pankow

Männer wie diese haben Berlin mit aufgebaut: Durch die Hände Zehntausender solcher Arbeiter im brandenburgischen Umland, Männer wie auf diesem Foto, sind die Steine gegangen, aus denen  die Großstadt wuchs.  

Zwischen zwölf und fünfzehn Milliarden Ziegelsteine sind zwischen 1850 und dem Ersten Weltkrieg, der Zeit, in der Berlin besonders rasant wuchs, vermauert worden, hat der Berliner Historiker Matthias Roch errechnet.

Aus ihnen bestehen Mietskasernen und Kirchen, Verwaltungsgebäude, Fabriken, Brauereien, Bahnhöfe und so fort. Allein in der Immanuelkirche in Prenzlauer Berg stecken etwa 1,3 Millionen Ziegel.

In 250.000 Kahnladungen kamen die Steine über die Jahrzehnte  aus Brandenburg. „Berlin ist aus dem Kahn erbaut“, heißt es – und es ist wortwörtlich so gewesen. Vor allem die sogenannten Kaffenkähne transportierten über die Flüsse und Kanäle die Steine, aber auch Kies und andere Baustoffe in die Stadt. Die meisten der Ziegeleien brannten ein Herkunftszeichen in ihr Produkt.

Die Immanuelkirche steht in direkter Nachbarschaft zum Hauptstandort des Museums Pankow an der Prenzlauer Allee – auch deren Bauten, ein ehemaliges Schulgebäude (Baujahr 1886), das ehemalige Wohngebäude des Rektors und die Turnhalle – sind aus Backstein erbaut. „Schön und solide“.

So lautet dann auch der Titel der derzeit im Museum Pankow von Matthias Roch kuratierten Sonderausstellung. Der Untertitel „Märkische Ziegel für den Berliner Nordosten“ weist auf die lokalen Bezüge hin. 

So erfährt man dort von jener Ziegelei, die einst den Raum einnahm, auf dem heute der Helmholtzplatz liegt. 1885 wurde die Ringofen-Ziegelei des Deutsch-Holländischen Aktien-Bauvereins gesprengt und mit Mietwohnhäusern bebaut.

Die Ausstellung stellt die Baugeschichte des Mietshauses in der Kollwitzstraße 52 vor, das vor fast 150 Jahren aus Ziegeln der Ziegelei vom Helmholtzplatz gemauert wurde – schön, solide, langlebig.

Herkunft und Produktion der Ziegel zeigen auch, dass das, was in Berlin entstand, in der Mark Brandenburg Land und Leute prägte. So werden auch die schweren Arbeitsbedingungen der in der Ziegelindustrie beschäftigten Männer, Frauen und Kinder thematisiert.

Die Ausstellung läuft bis zum 11. November. Prenzlauer Allee 227/228, 10405 Berlin, Di-So 10-18 Uhr.

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