Ausstellung: Was sich Kinder in der DDR zu Weihnachten wünschten

Beeskow - Gerade einmal mit der Nasenspitze reicht der kleine Junge über den mit Kerzen und einem Räuchermännchen festlich gedeckten Tisch. Im Hintergrund ist ein Lametta-geschmückter Weihnachtsbaum zu erkennen. Dieses Schwarz-Weiß-Foto aus einem DDR-Haushalt der 1950er- Jahre hängt am Eingang zur neuen Ausstellung im Bergfried der Burg Beeskow (Oder-Spree). Dem Dreikäsehoch ist förmlich anzusehen, wie gespannt er schon darauf ist, welche Geschenke der Weihnachtsmann wohl bringen wird.

Die Weihnachtswünsche von DDR-Kindern stehen im Mittelpunkt der Spielzeug-Schau, die von morgen an gezeigt wird. Denn Sachen zum Spielen – von Puppen über Autos und Bauklötzer bis hin zu Kaufmannsläden und Miniatur-Eisenbahn – standen bei Mädchen und Jungen im Osten ebenso hoch im Kurs wie bei Kindern in anderen Ländern. Allerdings konnten Eltern in der DDR meist nur Wünsche erfüllen, die sie in den Spielzeugläden des Landes auch zu kaufen bekamen. So ist die Ausstellung auch ein Rückblick auf die Geschichte der DDR als Spielzeugland, die nach dem Zweiten Weltkrieg mit Hunderten Kleinproduzenten in der sowjetischen Besatzungszone begann.

200 Firmen in Sonneberg

Allein im Raum Sonneberg in Thüringen gab es nach Recherchen der Ausstellungsmacher fast 200 Firmen. Nicht umsonst erhielt die Stadt 1913 den Titel „Welthauptstadt des Spielzeugs“. Das blieb letztlich auch in DDR-Zeiten so. Im Laufe der Zeit wurden kleine Spielzeugmacher – wie auch Betriebe in anderen Branchen – zusammengeführt und verstaatlicht. Anfang der 1980er vereinte das VEB Kombinat Spielwaren Sonneberg mehr als 90 Prozent der gesamten DDR-Spielzeugproduktion – in 31 Betrieben. Denn die Produktion von Spielzeug hatten sich an den ökonomischen Erfordernissen der DDR-Warenproduktion zu orientieren.

Nach 1990 wurden die Betriebe von der Treuhand reprivatisiert oder abgewickelt. Heute existieren nur noch wenige der einstigen DDR-Spielwaren-Produzenten, wie die Piko-Spielwaren Sonneberg, die Kösener Spielzeug-Manufaktur oder Hess-Holzspielzeug Olbernhau.

„Weihnachten war auch in der DDR das wichtigste Fest der Bevölkerung – allerdings verweltlicht, ohne religiösen Kontext“, sagt Historiker Axel Drieschner. Die Weihnachtstage seien gesetzliche Feiertage gewesen, die Kinder bekamen Ferien, Weihnachtsbaum und Geschenke gehörten nahezu in jeder Familie dazu.

Und was stand nun oben auf dem Wunschzettel der DDR-Kinder? Ein Klassiker war sicherlich die Plastik-Spielzeugversion des IFA-Lkws W50, auf dessen Ladefläche kleine Kinder sogar sitzen und sich mit dem Fahrzeug rollend bewegen konnten. Auch Handspielpuppen, den Figuren wie Sandmann und Pittiplatsch aus dem DDR-Kinderfernsehen nachempfunden, standen hoch im Kurs.

Die Ausstellungsmacher konnten sich aus einem großen Spielzeug-Fundus bedienen. Er stammt aus der rund 170 000 Objekte umfassenden Sammlung des Dokumentationszentrums für DDR-Alltagskultur Eisenhüttenstadt. „Unsere Sammlung umfasst vor allem Konsumgüter, Spielzeug war ein großer Teil davon“, sagt Drieschner, seit April dieses Jahres Kurator im Dok-Zentrum.

Nur für den Export

Seit einem Jahr steht es in Trägerschaft der Kreisverwaltung Oder-Spree, ebenso wie seit Jahren die Burg Beeskow. Sie beherbergt das DDR-Kunstarchiv mit 23 000 Exponaten der DDR-Auftragskunst. Ziel des Trägers ist eine engere Kooperation beider Kultureinrichtungen. „Wir hatten in diesem Jahr im Dok-Zentrum bereits zwei thematische Ausstellungen mit Malereien, Grafiken und Skulpturen aus dem Kunstarchiv“, sagt Drieschner. Die Spielzeugschau sei die erste Exposition des Dok-Zentrums auf der Burg Beeskow.

„Wir orientierten uns bei der Auswahl der Ausstellungsstücke anhand von Fachliteratur und Zeitzeugenberichten daran, was zu DDR-Zeiten tatsächlich unter dem Weihnachtsbaum lag“, sagt Nicole Abraham, Mitarbeiterin auf der Burg Beeskow. Allerdings: Nicht alles, was in der Ausstellung auf der Burg Beeskow gezeigt wird, fand sich tatsächlich in DDR-Kinderzimmern.

Vieles wanderte vor allem in den Export. So waren und sind die Piko-Eisenbahnen unter Modelleisenbahnfans heiß begehrt. Ein Exportschlager war auch die Babypuppe „Julchen“, entstanden in den VEB Puppenwerkstätten Bad Kösen, Nachfolgebetrieb des Vorkriegsunternehmens von Käthe Kruse. Hölzerne Straßen- und Baufahrzeuge der Produktionsgenossenschaft „Friedrich Fröbel“ Werdau gab es in Kindergärten und Schulhorten. Sie kamen aber selten in den Verkauf der DDR-Läden.

Die Ausstellung „Kinderwünsche im Spielzeugland DDR“ die in Zusammenarbeit mit dem Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR in Eisenhüttenstadt entstand, ist vom 6. Dezember 2016 bis zum 5. Februar 2017 im Bergfried der Burg Beeskow zu sehen. Burg Beeskow, Frankfurter Str. 23, 15848 Beeskow; Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 11–17 Uhr, vom 25. bis zum 30. Dezember 2016 sowie am 1. Januar 2017 jeweils von 13 bis 17 Uhr; am 24. und am 31. Dezember geschlossen. Eintrittspreis: 3,50 Euro, Kinder und Schüler frei.