Weltweit pusten Industrie und Energiewirtschaft giftiges Quecksilber in die Umwelt. Daran haben auch Kohlekraftwerke großen Anteil, was erst kürzlich wieder eine Studie im Auftrag der Grünen-Bundestagsfraktion aufgegriffen hatte. Die Stein- und Braunkohlekraftwerke in Deutschland stoßen laut Umweltbundesamt jährlich rund fünf Tonnen Quecksilber aus. Was heißt das für die Anwohner in der Nähe von Braunkohlekraftwerken wie in der Lausitz?

Welche Gefahren lauern generell für den Menschen durch Quecksilber?

Das meiste Quecksilber gelangt nach Angaben des Umweltbundesamtes (UBA) nicht über die Luft, sondern unter anderem durch den Verzehr von Fisch in den menschlichen Organismus. Das Schwermetall kommt in der Natur vor und wird zum Beispiel durch Vulkanausbrüche in die Luft gebracht, daneben stoßen es auch Industrie und Energiesektor aus. Später lagert sich das Schwermetall im Boden und im Wasser ab, wie das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) beschreibt. Dort wandelt es sich zum Teil in das besonders gefährliche Methylquecksilber um.

Methylquecksilber ist nervenschädigend und kann unter anderem Gehirnschäden hervorrufen, besonders empfindlich reagieren Säuglinge und Kleinkinder. Daher empfiehlt das Bundesinstitut für Risikobewertung schwangeren und stillenden Frauen, den Verzehr bestimmter Fischarten einzuschränken. Dazu zählt Thunfisch.

Sind Anwohner von Kohlekraftwerken besonders gefährdet?

Wenn Anwohner von Braunkohlekraftwerken Fisch aus der Region verzehren, steht die mögliche Gefährdung durch Quecksilber laut Umweltbundesamt in aller Regel in keinem kausalen Zusammenhang mit dem Kohlemeiler. Der Grund: Kraftwerke emittieren das Quecksilber in große Höhen – und der Stoff verteilt sich überregional und global. Wenn Fische in der Umgebung mit Quecksilber belastet sind, dann sei das auf natürliches Vorkommen und die Belastung aus früheren Industrie-Tätigkeiten der vergangenen Jahrhunderte zurückzuführen, heißt es bei der Behörde. Der UBA-Experte Rolf Beckers sagt: „Würde man die Kraftwerke von heute auf morgen stilllegen, dann hätte dies kaum Auswirkungen auf den Quecksilbergehalt jener Fische.“

Gibt es in Deutschland Grenzwerte für Kohlekraftwerke?

Ja. Großfeuerungsanlagen für feste Brennstoffe dürfen im Tagesmittel nach Angaben des Umweltbundesamtes nicht mehr als 0,03 Milligramm Quecksilber pro Kubikmeter emittieren. Ab 2019 soll der Wert auf 0,01 Milligramm gesenkt werden. Demnach haben weltweit nur wenige Länder Grenzwerte. Der Energiekonzern Vattenfall verwies kürzlich darauf, dass in seinen Braunkohlekraftwerken in Ostdeutschland bereits jetzt die Werte von 2019 eingehalten würden. In Deutschland gelten Kohlekraftwerke dennoch als größte Quelle von Quecksilber-Emissionen.

Wie sieht es mit dem internationalen Vergleich aus?

Das UN-Umweltprogramm Unep geht davon aus, dass im Jahr 2010 weltweit 2 000 Tonnen Quecksilber durch menschliche Tätigkeiten in die Luft kamen. Davon entfiel etwa ein Viertel auf Kohleverbrennung. Zum Vergleich: Die deutschen Stein- und Braunkohlekraftwerke stoßen laut Umweltbundesamt jährlich rund fünf Tonnen Quecksilber aus. Die Angabe bezieht sich auf von den Betrieben übermittelte Werte. In einer Studie im Auftrag der Grünen-Bundestagsfraktion wird dagegen ein Wert von rund sieben Tonnen genannt. In den USA gelten strengere Vorgaben für Kohlekraftwerke als in Deutschland. Deshalb forderten die Grünen unlängst andere Grenzwerte.

Was sind die Stolpersteine bei der Filtertechnologie?

Nach Angaben von Prof. Alfons Kather vom Institut für Energietechnik der Technischen Universität Hamburg-Harburg lässt sich eine Technologie für ein Braunkohlekraftwerk nicht ohne Weiteres auf ein anderes Kraftwerk übertragen. Neben der jeweiligen Beschaffenheit der Braunkohle sei insbesondere entscheidend, welche Rauchgasreinigungsanlagen bereits im Werk installiert sind. Diese filtern demnach heute bis zu 75 Prozent der anfallenden Quecksilberemissionen heraus. (dpa)