Von den über 100 aus ihren Berliner Unterkünften gewiesenen Flüchtlingen befinden noch etwa 30 in ihren Quartieren in Friedrichshain und Neukölln. Im Hostel in der Gürtelstraße sind nach Angaben der Polizei vom Mittwoch neun Flüchtlinge nicht der Behördenaufforderung gefolgt, das Gebäude zu verlassen. Einige von ihnen zeigen sich seit Dienstag immer wieder auf dem Dach. Vor dem abgesperrten Hostel harrten in der Nacht auch bis zu 30 Unterstützer aus.

Auch in der Haarlemer Straße in Neukölln ist die Polizei vor einer Flüchtlingsunterkunft im Einsatz. Dort haben sich bisher etwa 20 Flüchtlinge geweigert, ihr Quartier zu verlassen. Am Mittwoch soll es laut Polizei weitere Gespräche mit ihnen geben. Zu Zwischenfällen kam es hier wie auch an den anderen Unterkünften von Asylbewerbern in Neukölln und Marienfelde nicht.

Bis Dienstagabend sollten hier und an anderen Orten in der Stadt insgesamt 108 Flüchtlinge ihre Unterkünfte geräumt haben, weil sie nach Prüfung ihrer Verfahren keinen Anspruch mehr auf Unterbringung und finanzielle Unterstützung durch das Land Berlin hätten. Die Betroffenen waren aufgefordert worden, in die Bundesländer zurückzukehren, in denen sie ursprünglich ihren Asylantrag gestellt hatten. Ob sie tatsächlich aus Berlin abreisen, wird laut einer Sprecherin der Sozialverwaltung nicht kontrolliert.

Zwei Demonstrationen bleiben friedlich

Zwei Demonstrationen gegen die Ausweisung der Flüchtlinge aus ihren Berliner Unterkünften sind friedlich verlaufen. Zunächst waren am Dienstagabend rund 160 Demonstranten vom Oranienplatz zum Brandenburger Tor gezogen, wie die Polizei am Mittwoch mitteilte. An einer zweiten Demo von der Frankfurter Allee aus hätten 500 Menschen teilgenommen. Einige von ihnen hielten eine Kundgebung an der Flüchtlingsunterkunft in der Gürtelstraße in Friedrichshain ab.

Am Mittwoch soll es laut Polizei weitere Gespräche mit ihnen geben. Zu Zwischenfällen kam es hier wie auch an den anderen Unterkünften von Asylbewerbern in Neukölln und Marienfelde nicht.

Im April hatten 550 Flüchtlinge den besetzten Oranienplatz und die ebenfalls besetzte Gerhart-Hauptmann-Schule in Kreuzberg verlassen und waren von den Behörden in Heimen und Hostels untergebracht worden. Zuvor war eine Prüfung ihrer Fälle zugesagt worden.

(BLZ/dpa)