Maren Kroymann.
Foto: Christian Schulz

BerlinHat Maren Kroymann 2019 für 2020 geprobt? Es wirkt fast so, denn nach einem Schulterbruch konnte sie voriges Jahr zwei Monate gar nichts machen: „Nicht arbeiten, kein Sport, nix!“ Diese Pause hatte auch ihre angenehmen Seiten, weshalb sie entschied: „Nächstes Jahr mache ich das, ohne mich zu verletzen, da nehme ich mir einfach frei.“ Sie plante das für Mitte Juni bis Mitte September, aber dann kam Corona: „Also habe ich die Auszeit von Mitte März bis Mitte Juni vorgezogen.“

Existenzangst, wie viele andere, hat die 71jährige Schauspielerin nicht: „Ich bin ja fein raus: ich bin alt. Ich lasse mir seit letztem Jahr die Rente auszahlen. Nicht, dass es so viel wäre, aber ich bin nicht existenziell bedroht wie die jüngeren Kollegen, die wirklich einfach das einnehmen, was die Leute zahlen, die in die Show kommen. Und wenn dann keiner kommt, dann kriegt man nichts.“

Gerade stand Maren Kroymann für den Film „Mutter kündigt“ vor der Kamera. Die Dreharbeiten funktionierten aus ihrer Sicht auch unter Corona-Bedingungen erstaunlich gut: „Das Team wurde in zwei Teile geteilt. Wir Schauspieler waren mit Regie, Kamera, Maske und Kostüm eine Gruppe und durften untereinander Kontakt haben. Wir haben ja auch physische Szenen gedreht, es gab einen Kuss und Berührungen. Das ging, weil wir alle fünf Tage getestet wurden. Wenn alle negativ sind und sich an die Regeln halten, kann man die Masken absetzen.“ Allerdings nur, wenn wirklich alle mitziehen: „Das setzt Vertrauen voraus, dass keiner am Wochenende zu Hause einen auf Ballermann macht.“

Am Donnerstag startet bei den Streamingplattformen „Enkel für Anfänger“ (ab 20. August dann auf DVD), die Komödie, die im Februar in die Kinos kam und dort 500.000 Zuschauer erreichte, bevor sämtliche Kinos schlossen. Maren Kroymann schwärmt von dieser Arbeit: „Ich fand das Buch so gut und habe eigentlich wegen der Rolle von Heiner Lauterbach zugesagt. Ich bin ja manchmal ein bisschen dusselig, das macht man als Profi nicht so. Man guckt verdammt noch mal: Was hab ich für ne Rolle, ist die geil oder nicht?“ Lauterbach spielt einen in die Jahre gekommenen Schwulen, nach außen grummelig, aber darunter wartet ein freundlicher Kern, freigelegt zu werden. Maren Kroymann sollte mal nicht die Altachtundsechzigerin spielen: „Das musste auch nicht noch mal sein. Barbara Suckowa spielt die Alt-Hippie-Tante. Für sie war es die erste Komödienrolle in ihrem Leben. Das war schön, dass es so unerwartet besetzt war. Ich war die extrem unscheinbare, tendeziell spießige.“ Am Buch gefiel ihr, dass es witzig ist, ohne dass es kleine tragische oder tiefe Momente vermissen lässt. „Ich habe den Film geguckt und musste ein paarmal lachen.“

Außerdem gab es diese Szene auf dem Containerzug, der sich plötzlich in Bewegung setzte: „Das war schon anspruchsvoll mit Hinschmeißen! Und der Zug fuhr ja wirklich. Da bin ich froh, dass ich fit war und dass es vor meinem Schulterbruch gedreht wurde.“ Genau so eine Herausforderung, wie Maren Kroymann sie immer wieder sucht: „Ich liebe es, wenn ich was können muss, was ich vorher noch nie gemacht habe.“

Das Finale des Films spielt in Neuseeland. Neid, dass die Schauspielerin auf Produktionskosten dorthin geflogen wurde und vielleicht noch zwei Wochen Urlaub dranhängen konnte, ist unangebracht. Denn natürlich hat die Produktion eine günstigere Alternative gefunden. Also wurde in Südspanien mit Blick auf Gibraltar gedreht: „Ein halber Drehtag.“ Der reichte, um bei ihr Bedürfnisse zu wecken, die schon lange schlummerten: „Ich möchte so gerne mal wieder Strandurlaub machen, so ganz doof wie früher. Das habe ich seit Jahrzehnten nicht mehr gemacht.“

Vom 20. bis zum 25. Oktober spielt Maren Kroymann ihr Programm „In my Sixties“ wieder in der Bar jeder Vernunft. Mit corona-bedingt kleinerem Publikum. Aber vorher beginnen Ende August die Dreharbeiten für die neue Staffel ihrer Satiresendung „Kroymann“ im Ersten. Für diese Sendung bekommt sie inzwischen jeden Preis, den es gibt. Es sind so viele, dass man denken könnte, dass dafür extra neue Preise gestiftet wurden: „Ja, wir haben wirklich gerade eine Glückssträhne. Im Oktober gibt es den Bayerischen Kabarettpreis. Es ist wirklich eine hohe Preisdichte.“ Sie findet das selbst fast unverhältnismäßig: „Wenn man da von außen draufguckt, könnte man sagen: Jetzt reichts aber mal mit der Kroymann, jetzt ist aber wirklich mal gut!“ Sie sagt das nicht, sondern genießt: „Ich habe echt Schwein, dass ich gerade so eine Gewürdigtwerden-Phase habe, bevor ich sterbe.“