Berlin - Sie lernen im Garten- und Landschaftsbau, werden zu Vermessungstechnikern und Verwaltungsfachangestellten oder Kaufleuten für Bürokommunikation ausgebildet. 1.702 Auszubildende haben derzeit eine Stelle in der Berliner Verwaltung, darunter etwa 700 in den zwölf Berliner Bezirken. Die Chance, dort anschließend auch einen Job zu erhalten, ist aber äußerst gering. Nur 50 Azubis dürfen pro Jahr von den Bezirken übernommen werden, so hat es der Senat aus Spargründen verordnet. Gegen diese Praxis und für eine bessere Personalausstattung wollen an diesem Freitag Azubis sowie Mitarbeiter der Bezirksämter vor dem Roten Rathaus demonstrieren. Dort treffen sich am Vormittag die künftigen Koalitionspartner SPD und CDU, um über die Finanzpolitik der kommenden fünf Jahre zu verhandeln.

Durchschnittsalter 50 Jahre

Aufgerufen zu dem Protest hat der Personalrat in Reinickendorf. Denn in allen Bezirken hat sich die Personallage dramatisch zugespitzt. So ist die Verwaltung stark überaltert, das Durchschnittsalter liegt bei 50 Jahren. Immer mehr Beschäftigte gehen vorzeitig in den Ruhestand, so dass im Jahr 2020 vier von fünf Beschäftigten 50 Jahre und älter sein werden. „Uns fehlt der Nachwuchs“, sagt Andreas Beilcke vom Reinickendorfer Personalrat. Die Folge: Lange Wartezeiten in den Ämtern, weniger Kontrollen etwa beim Jugendschutz. Auch die Dienstleistungen für die Berliner könnten nicht verbessert werden. Zudem fehlt Fachpersonal wie Ärzte, Therapeuten, Bauleiter, Ingenieure und Sozialarbeiter.

Auf diese Misere haben die Bürgermeister schon vor einem Jahr hingewiesen. Sie fordern die Übernahme der Azubis sowie die Möglichkeit, Fachpersonal vom freien Arbeitsmarkt einstellen zu können. „Unsere Situation hat sich weiter verschärft. Wir hoffen, dass die neue Koalition jetzt ein Zeichen für die Arbeitsfähigkeit der Bezirke setzt“, sagt Stefan Komoß (SPD), Bürgermeister in Marzahn-Hellersdorf. Die Bezirke fordern zudem mehr Geld, damit sie sich nicht wie „Bittsteller auf dem Sozialamt“ fühlen müssen. Sie haben schon errechnet, dass ihnen im kommenden Jahr 111 Millionen Euro fehlen, darunter knapp 50 Millionen für Personal.