Einen „Akt antifaschistischer Notwehr“ nennen Linksextremisten eine Brandstiftung an einem Auto. Und sie bestimmen, was Presse- und Meinungsfreiheit sind: „Gunnar Schupelius militant verwarnt“ lautet die Überschrift eines anonymen Schreibens, das am Mittwoch ins Internet gestellt wurde.

Wie berichtet, hatten Unbekannte in der Nacht zu Montag in Wilmersdorf den Mini Cooper angezündet, der dem Journalisten des Axel-Springer-Verlags gehört. Durch das Feuer wurden fünf weitere Autos erheblich beschädigt. Der Polizeiliche Staatsschutz übernahm die Ermittlungen.

In dem nachts um 0.01 Uhr geposteten Schreiben begründen die Verfasser die Tat mit den Inhalten der von Schupelius in der Boulevardzeitung B.Z. verfassten Kolumnen. Sie unterstellen ihm, für Anschläge und Angriffe auf das Flüchtlingscamp am Oranienplatz und die Unterkunft in Hellersdorf „mit seiner unerträglichen Hetze“ mitverantwortlich zu sein, beleidigen ihn als „Hassbrenner“ und rechtfertigen den Angriff auf sein Auto als „antifaschistische Notwehr“.

Demo am Sonnabend

Die Polizei prüft, ob das Bekennerschreiben authentisch ist, oder ob sich nur Trittbrettfahrer inszenieren wollen. Für die Authentizität spricht allerdings, dass die Verfasser beschreiben, wie sie die Tat begangen heben: „mit ein wenig Benzin und einem einfachen Zeitzünder“. Entsprechende Überreste sollen am Tatort gefunden worden sein.

Am Ende drohen die Verfasser dem Kolumnisten: „Ein kleiner Rat an Gunni, schreib lieber Backrezepte: Hasspropaganda wird immer für Gegenfeuer sorgen!“ Garniert wird der Brief mit unterschiedlichen Kommentaren. Einer droht dem Journalisten, auch dessen Zweitwagen anzuzünden. Andere bezeichnen die Täter als „rotlackierte Faschisten“. Ein weiterer Kommentator schreibt: „Auf diese Art und Weise Konflikte lösen zu wollen oder auf Probleme beziehungsweise diskussionswürdige Personen hinzuweisen, geht gar NICHT!“

Die Brandstiftung reiht sich ein in entsprechende Aktionen und Aufrufe zu einem bundesweiten „Antirepressionstag“ linker Gruppen am kommenden Sonnabend. Um 17 Uhr soll am U-Bahnhof Turmstraße eine Demonstration starten und dann durch den Kiez ziehen. Dazu wird bundesweit nach Berlin mobilisiert. Ab 22 Uhr soll es dann eine unangemeldete Demo geben, deren Ort noch bekannt gegeben wird. Mit Bezug auf die Demo gab es in den vergangenen Tagen verschiedene Aktionen: So flogen Farbe und Steine auf Jobcenter und ein Immobilienbüro. Auch das Auto einer Wachschutzfirma ging in Flammen auf.

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