Steffen Krefft (45) leitet das Amt für regionalisierte Ordnungsaufgaben in Lichtenberg und tritt seit 14 Jahren als Auktionator auf. Die Auktion beginnt am Freitag um 13.30 Uhr im BVV-Saal, Fröbelstraße 17/Prenzlauer Allee 70. Wer etwas kaufen möchte, muss bar bezahlen und ein Personaldokument vorlegen.

Herr Krefft, wo kommen die vielen Autos her?

Das sind alles Fahrzeuge, die wir auf den Straßen Berlins vorgefunden und beseitigt haben. Es sind Autos ohne gültige Haftpflichtversicherung, oder die Halter haben erhebliche Kfz-Steuerschulden oder es fehlt die TÜV-Plakette. Es sind auch Autos dabei, die verkauft wurden, und die neuen Eigentümer haben das Auto nicht umgemeldet.

Das klingt doch nach einer praktischen Möglichkeit, sein altes Auto kostenlos loszuwerden.

So einfach können Sie sich ihres Autos nicht entledigen! Es gibt immer Möglichkeiten, den Halter zu identifizieren, sei es über das Kennzeichen, die Autoplaketten oder die Fahrgestellnummer.

Haben Sie für die Autos, die versteigert werden, den Halter gefunden?

Wir finden immer die Halter, es sei denn, sie sitzen im Ausland.

Und warum versteigern Sie dann Autos, deren Besitzer Sie kennen?

Wir beenden die Ordnungswidrigkeit. Ich sage immer, wir ändern den Aggregatzustand. Aus der Sache wird Geld. Wir hinterlegen den Erlös aus der Versteigerung, und wenn die Besitzer später die angefallenen Bußgelder und Kosten, etwa fürs Abschleppen, bezahlt haben, und es bleibt noch Geld übrig, dann bekommen sie das auch ausgezahlt.

Und das Auto?

Das ist dann weg. Der Besitzer ist zuvor angeschrieben worden, die Versteigerung stand im Amtsblatt. Der Halter kann bis zum Beginn der Auktion sein Auto zurückbekommen, wenn alle Kosten bezahlt sind.

Warum lassen Sie die Autos nicht stehen, bis sich die Besitzer melden?

Dann müssten wir ständig neue Stellflächen zubuchen. Wir machen diese Versteigerungen nun schon seit 20 Jahren, und wir haben in dieser Zeit viele tausende Fahrzeuge versteigert. Viele Leute kommen nie zu uns, weil ihnen die Kosten viel zu hoch sind. Nehmen wir einen Opel Astra, der für 150 Euro versteigert wird. Das Bußgeld beträgt 400 Euro, die Abschleppkosten 200 Euro. Warum soll jemand zu uns kommen, um das zu bezahlen?

Eben!

Die Strafe wird aber nicht erlassen. Und nicht bezahltes Bußgeld kann bis zur Erzwingungshaft führen. Dann überlegen sich die Leute schon, ob sie ins Gefängnis gehen oder die Strafe bezahlen. Beim Wort Gefängnis wird die Zahlungsmoral plötzlich besser.

Auf Ihrer Liste stehen auch Wohnwagen und sogar ein Quad. Wer lässt denn so was auf der Straße stehen?

Oft ist den Leuten die Existenz über dem Kopf zusammengebrochen. Oder sie sind ausgewandert. In der Regel fehlt immer das Geld.

Kann man bei Ihnen ein Schnäppchen machen?

Schnäppchen sind immer möglich. Allerdings haben die Fahrzeuge in der Regel keinen Schlüssel und keinen Kfz-Brief. Man muss sich das alles neu besorgen. Und dann kann man nur hoffen, dass das Auto anspringt. Wir schauen zwar, ob die Autos vollständig sind. Aber wir machen keine Probefahrt.

Ganz schön riskant.

Die Leute können sich die Autos vorher ansehen. Laien raten wir, einen Experten mitzubringen. Und man soll sich ein Limit setzen. Wenn ich zehn Autos kaufe und da ist eine Niete dabei, kann ich das eher verschmerzen, als wenn ich nur eins kaufe, das dann einen großen Schaden hat.

Wer kauft zehn Autos?

Wir haben einige Verwerter. Es gibt auch private Schrauber und Leute aus dem Ausland, die Autos exportieren. Manchmal sind auch Oldtimer-Liebhaber dabei.

Dieses Jahr versteigern Sie auch noch über 20 Altkleidercontainer mit unbekanntem Inhalt. Was hat es damit auf sich?

Das ist ein Novum. Wir leisten Amtshilfe für Pankow. Dort standen diese Container ohne Erlaubnis auf der Straße.

Das Gespräch führte Stefan Strauß.