Jede Nacht brennen in Berlin Autos. Die Zahlen nähern sich wieder dem Rekord von 2011, als die Polizei 403 Kfz-Brandanschläge zählte. Zwar ist die Bilanz für das vergangene Jahr noch nicht vollständig. Doch bereits bis Ende November zählte die Polizei 396 gezielte Anschläge, insgesamt brannten 675 Autos.

Wie eine Polizeisprecherin auf Anfrage sagte, gab es mit Stand 22. November 76 vermutlich politisch motivierte Brandanschläge auf Fahrzeuge. Dabei wurden 78 Autos direkt angegriffen, 68 weitere, die dahinter oder daneben standen, wurden durch die Flammen beschädigt.

Mit Stand 25. November erfasste die Polizei zudem 320 Brandanschläge aus nicht-politischen Motiven wie Versicherungsbetrug, Vandalismus oder persönlicher Rache. 322 Fahrzeuge wurden direkt angezündet. Die Flammen griffen auf 207 weitere Fahrzeuge über. Eine abschließende Bilanz für das vergangene Jahr wird nach Angaben der Polizeisprecherin in den nächsten Tagen erwartet.

Auch im neuen Jahr brannten bisher in jeder Nacht Autos. Seit Silvester wurden in den vergangenen Nächten bereits 26 Fahrzeuge durch Feuer beschädigt.

Die Reichen sollten sich mal ärgern

Zuletzt brannte am Montagmorgen am Blumberger Damm in Berlin-Marzahn eine Mercedes E-Klasse auf einem Mieterparkplatz aus. Zwei weitere Autos wurden durch die Hitze schwer beschädigt. Die Kriminalpolizei ermittelt wegen des Verdachts der Brandstiftung.

Am Sonntagmorgen hatten in der Hannemannstraße im Neuköllner Ortsteil Britz mehrere Autos gebrannt. Und in der Silvesternacht standen Autos in Spandau, Tempelhof-Schöneberg, Mitte, Reinickendorf und Neukölln in Flammen. In allen Fällen vermutet die Polizei Brandstiftung.

Einen vorläufigen Höhepunkt der Brandserie bildete bislang das Jahr 2020. Damals zählte die Polizei insgesamt 382 Fälle von Autobrandstiftung mit 426 direkt angegriffenen Fahrzeugen. Aus nicht-politischen Motiven gab es damals 338 Brandstiftungen mit 356 direkt angezündeten Autos. Weitere 233 wurden dabei beschädigt. Die Polizei zählte 44 Brandstiftungen aus politischen Motiven. Dabei wurden 70 Fahrzeuge direkt angegriffen. Weitere 48 wurden dabei beschädigt.

Die Polizei kann die Brandstifter nur schwer fassen. Im Dezember hatte sie Glück und konnte einen mutmaßlicher Brandstifter aus der linken Szene verhaften. Er soll in der Nacht zum 26. Oktober in Kreuzberg sechs Autos angezündet haben. 2011 waren Ermittler einem 28-Jährigen auf die Spur gekommen, der aus Frust allein 102 Autos – meist teure Marken – angesteckt hatte. Im Prozess sagte er damals: „Die Reichen sollten sich mal ärgern.“