Zu Beginn dieser Woche gibt es gleich zwei Anlässe, um einmal auf den Status quo der Elektromobilität zu blicken. Zum einen der Auto-Gipfel mit Kanzlerin Merkel und zum anderen der Produktionsstart des ID.3 – Volkswagens erstem rein elektrisch angetriebenen Autos. Bei aller E-Auto-Euphorie im Rahmen der aktuellen CO2 -Diskussion sollte man nicht vergessen, dass die E-Mobilität zurzeit noch die wahrscheinlich umweltbelastendste Technologie ist – außer den Verbrennungsmotoren. Eine Bestandsaufnahme.

Die Bundesregierung setzt auf E-Autos. Angela Merkel, Verkehrsminister Andreas Scheuer, Finanzminister Olaf Scholz und Arbeitsminister Hubertus Heil wollen eine Million Ladepunkte bis zum Jahr 2030 schaffen. Außerdem sollen auch weitere alternative Antriebe gefördert werden, was durch eine Kaufprämie unterstützt werden könnte, an der sich die Bundesregierung und die Automobilfirmen beteiligen. Bei den neuen Antriebstechnologien soll neben der Elektromobilität auch Wasserstoff eine strategische Rolle spielen.

E-Autos: Anfang dieses Jahres gab es gerade mal 83.175 in Deutschland 

„Bei der Bewertung von Antrieben darf es nicht nur um den CO2 -Ausstoß während der Fahrt gehen“, sagt Peter Gutzmer, ehemaliger Vorstand des Technikzulieferers Schaeffler. „Wir müssen uns den gesamten Lebenszyklus anschauen, angefangen von der Rohstoffgewinnung über die Produktion und den Betrieb bis zum Recycling. Aber das tun wir nicht, jedenfalls nicht ausreichend.“

Die jüngste Statistik des Kraftfahrt-Bundesamtes zeigt, dass von den 47,1 Millionen Pkw in Deutschland Anfang dieses Jahres gerade mal 83.175 elektrisch betrieben wurden. In Berlin, wo die Zahl der Autos jüngst die 1,2-Millionen-Marke überschritten hat, waren 2713 Elektro-Pkw zugelassen. Zusammen mit Plug-in-Hybriden, Brennstoffzellenautos und verwandter Technik waren es in Berlin 5537 und in Brandenburg 3358 Fahrzeuge. Um die CO2 -Ziele der EU bis 2030 zu erreichen, müssten bis dahin auf deutschen Straßen sieben bis 10,5 Millionen E-Autos unterwegs sein.

Ist ein E-Antrieb wirklich der Wahrheit letzter Schluss – und welche Alternativen gibt es? Ein Überblick:

Elektroantrieb. Die Herstellung der in Elektroautos verbauten Batterien ist mit einem enormen Energieaufwand verbunden, der sich negativ auf die Gesamtenergiebilanz auswirkt. Außerdem sind die Autos nur so sauber wie der Strom, den sie nutzen – zurzeit zu einem Großteil aus Kohlekraftwerken statt aus regenerativen Quellen. Deutscher Strom kommt noch zu zwölf Prozent aus Atomkraftwerken. Und: Für die enormen Batteriemengen der Mobilitätswende gibt es noch gar kein Recycling-System.

E-Mobilität: Batterien werden unter schlechten Bedingungen abgebaut

Das für die Lithium-Ionen-Batterien benötigte Kobalt wird in Afrika unter oft fragwürdigen Bedingungen abgebaut. Menschen sind nicht ausreichend vor giftigem Kobaltstaub in der Atemluft geschützt. Zehntausende Kinder müssen in den engen Schächten arbeiten. Ein großer Teil der Einnahmen wird von Warlords für Waffenkäufe genutzt.

In Chile werden große Mengen an Lithium im größten Salzsee der Atacamawüste gewonnen. Mineralhaltiges Grundwasser verdunstet monatelang unter der Sonne, der Grundwasserspiegel sinkt.

Wissenschaftler aus Pennsylvania haben jetzt eine Technologie vorgestellt, mit denen die Elektrobatterien in der gleichen Zeit bis zu 80 Prozent aufgeladen werden können, wie Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren zum Tanken benötigen. Nach zehn Minuten ist die Batterie wieder voll.

Wasserstoff-Antrieb. Aus dem Auspuff kommt nur Wasserdampf. So genannte Bipolarplatten sind Energiewandler, die H2 und O2 zu Wasser reagieren lassen. Dabei entsteht Strom, der für den Antrieb eines E-Motors im Fahrzeug genutzt werden kann. Aktuell wird Wasserstoff aber noch unter hohem Energieaufwand aus Erdgas hergestellt und ist deshalb noch keine Alternative. Auch die Lagerung ist oft noch ungeklärt.

Erdgas: In Deutschland gibt es nicht einmal 1.000 Tankstellen

Erdgas. In Deutschland gibt es bis zum 31. Dezember 2025 eine Steuerbegünstigung bei der Besteuerung des Erdgases. Bis 2020 sollen Erdgasfahrzeuge einen Anteil von zehn Prozent am europäischen Kraftfahrzeugbestand ausmachen. Im Vergleich zu anderen fossilen Brennstoffen wie Kohle oder Erdöl schneidet Erdgas gut ab, denn es verbrennt besonders schadstoffarm. Grund dafür ist der geringe Kohlenstoffanteil. Erdgas verursacht 18 Prozent weniger CO2 als Benzin, 50 bis 95 Prozent weniger Stickoxide als Diesel und nahezu gar keinen Feinstaub. Die Planung von längeren Fahrten ist aber mühsam. In Deutschland gibt es derzeit nicht einmal 1000 Tankstellen für Erdgas-Fahrzeuge.

Bio-Methangas. Es entsteht bei der Vergärung von Lebensmittelresten, Kompostabfällen und Gülle. Chemisch ist Biomethan mit Erdgas identisch. Jeder Erdgasmotor kann Biomethan verbrennen. Reines Biomethan kann an etwas mehr als 120 Zapfsäulen getankt werden.

LPG/Flüssiggas: Bundesweit bieten 7.000 Tankstellen Autogas an

LPG/Flüssiggas. Rund 400.000 Fahrzeuge sind aktuell mit Flüssiggasantrieb unterwegs. Derzeit bieten bundesweit über 7000 Tankstellen Autogas an. Der CO2 -Vorteil fällt im Vergleich zum Benziner mit etwa 15 Prozent ins Gewicht. Stickoxide sinken gegenüber einem Benziner um 20 Prozent und im Vergleich zu einem Dieselmotor um 95 Prozent

Hybridmotoren. Hybridfahrzeuge nutzen einen Verbrennungs- und einen Elektromotor für den Antrieb. Das Aufladen der Hybridbatterie erfolgt während der Fahrt mittels sogenannter Rekuperation. Das heißt, beim Bremsvorgang wird Energie zurückgewonnen. Beim Verbrauch sparen Hybrid-Nutzer zehn bis 15 Prozent gegenüber einem Benziner. Hybrid-Fahrzeuge geben weniger CO2 aus. Die Plug-In-Hybrid-Variante erlaubt das Laden des E-Motors auch an der heimischen Steckdose.