Berlin - Es gab Zeiten, da war die Friedrichstraße in Mitte nur eine Einkaufsmeile. Inzwischen ist sie mehr – wie unter einem Brennglas konzentriert sich dort die verkehrspolitische Diskussion. Bei der Debatte, ob die für das Wochenende angekündigte Sperrung richtig ist, geht es längst nicht nur um diese eine Straße.

Auf der einen Seite fordern Verfechter einer Verkehrswende angesichts der Erderhitzung den Klimaschädling Auto zurückzudrängen. Sie wünschen sich viele Flaniermeilen ohne Autos, gern auch am Hackeschen Markt, Unter den Linden, auf dem Kurfürstendamm. Sie fordern, dass die neue Mühlendammbrücke schmaler wird als die jetzige und legen die Spandauer Straße mit einem Picknick lahm.

Auf der anderen Seite streiten Berliner, die Kraftfahrzeuge für einen unverzichtbaren Teil des Hauptstadt-Verkehrs halten. Auch sie sehen die Straßen als zentrale Arenen der verkehrspolitischen Diskussion. Wer erhält dort wie viel Platz?

Die Leichtfertigkeit, mit der derzeit darüber diskutiert wird, innerstädtische Verkehrsadern zu verengen oder gar lahmzulegen, ist problematisch. Es muss Hauptverkehrsstraßen geben, die funktionieren – im Interesse der Gesamtstadt. Doch klar ist auch, dass der Autoverkehr nicht mehr wachsen kann, dass Radfahrer und Fußgänger mehr Raum brauchen.

Sperrungen wie die des Brandenburger Tors in den 1990er- Jahren zeigen, dass die Stadt nicht kollabiert, wenn manche Verbindungen gekappt werden. Deshalb ist es richtig zu experimentieren: mit vorübergehenden Sperrungen, provisorischen Radtrassen, sogar mit Findlingen auf Parkplätzen. Auch wenn viele die „Flaniermeile“ auf der Friedrichstraße skeptisch sehen: Einen Versuch ist sie wert.