In der Nacht zum Donnerstag wurde in Niederschönhausen das Auto des AfD-Politikers Ronald Gläser angezündet.

Foto: Eric Richard

BerlinAuf das Auto des stellvertretenden Berliner AfD-Fraktionschefs Ronald Gläser ist ein Brandanschlag verübt worden. Anwohner bemerkten die Flammen am Donnerstagmorgen und alarmierten die Feuerwehr nach Niederschönhausen. Der Golf wurde stark beschädigt. Ein weiteres Auto wurde in Mitleidenschaft gezogen. Der polizeiliche Staatsschutz übernahm die Ermittlungen, weil der Verdacht besteht, dass Linksradikale die Tat verübten.

AfD-Fraktionschef Georg Pazderski forderte vom rot-rot-grünen Senat, Terror und Gewalt zu stoppen. Bleibe das weiter aus, werde bald jeder Winkel Berlins zur Rigaer Straße. „Im Auto waren auch die Sachen der Kinder, zum Beispiel ein Kindersitz“, sagt Gläser. „Ich habe schon damit gerechnet, dass so etwas passieren würde. Diese Form linksradikaler Gewalt mussten schon so viele erleben.“ In diesem Jahr verübte die Antifa bereits mehrere Anschläge, die sich gegen die AfD richteten:

6. April: In Schöneberg steht das Auto des Parlamentarischen Geschäftsführers der AfD-Fraktion im Abgeordnetenhaus, Frank-Christian Hansel, in Flammen. Zwei weitere Autos, die daneben parken, werden ebenfalls beschädigt.

6. April: Die Fassade der „Bibliothek des Konservatismus“ in der Charlottenburger Fasanenstraße wird mit Hämmern und Farbe verunstaltet. Sie sei einer der wichtigsten Treffpunkte der Neuen Rechten, die AfD profitiere von den Veranstaltungen, heißt es in einem Bekennerschreiben im Internet. Darin äußern sich vorgebliche Feministinnen, die beteuern, dass die Aktion „ohne die Mitwirkung von Cis-Männern“ (Männer, die sich mit dem Geschlecht identifizieren, das sie per Geburt haben, d.R.) durchgeführt wurde.

1. April: In Lichtenberg geht der Renault der Bezirksverordneten Marianne Kleinert in Flammen auf. In einem auf der linksextremen Internetseite Indymedia veröffentlichten Bekennerschreiben wird der Bezirksverordneten und der AfD vorgeworfen, rassistisch motivierte Täter zu ermutigen. Bezugnehmend auf das Attentat in Hanau ist das Pamphlet überschrieben mit „Kleinert hat mitgeschossen“.

25. März: An einem Steakhaus in Rudow werden die Scheiben eingeschlagen, die Wand wird mit der Parole „Kein Raum der AfD“ beschmiert. Laut Selbstbezichtigungsschreiben ist das Lokal Treffpunkt für Faschisten und AfD-Vorstandsmitglieder.

20. März: In Neukölln werden die Fenster der Wohnung von Julian Potthast eingeworfen. Er ist AfD-Funktionär und Aktivist der Jugendorganisation „Junge Alternative“. Laut Bekennerschreiben auf Indymedia ist er „mitverantwortlich für das Bündnis aus Neonazis, AfD, Fußballhools und Bullen in Neukölln“.

10. März: In Charlottenburg rufen Passanten die Feuerwehr zu einem brennenden Skoda. Er gehört dem kommissarischen Landesvorsitzenden Nicolaus Fest.

In derselben Nacht wird in Lichterfelde das Wohnhaus des innenpolitischen Sprechers der Bundestagsfraktion, Gottfried Curio, beschädigt.

Die Täter werfen Farbflaschen gegen das Haus und durch die Fenster. In einem Bekennerschreiben Indymedia wird Curio ebenfalls für den Terror in Hanau mitverantwortlich gemacht mit den Worten „Curio hat mitgeschossen“.

Ebenfalls in der Nacht zum 10. März werden in Reinickendorf die Scheiben eines Restaurants eingeworfen. Dort trafen sich regelmäßig AfD-Funktionäre.

22. Januar: Der Betreiber eines Pankower Lokals versichert eidesstattlich, dass er beim Einsteigen in sein Auto von zwei Männern in Kapuzenpullis mit einem Messer bedroht worden sei. Er hatte – nach eigener Darstellung aus Unwissenheit über die Programmatik der AfD – mit dieser einen Vertrag geschlossen. In seinem Lokal sollte der Landesparteitag stattfinden. Die beiden Männer drohen: „Wenn diese Veranstaltung stattfinden sollte, werden wir wiederkommen. Wir wissen wo du wohnst und dass du und deine Familie in (…) unterwegs sind. Solltest du die Bullen einschalten, sehen wir uns wieder.“ Nach Tagen von „Telefonterror“, wie er sagt, kündigt er laut eidesstattlicher Versicherung den Vertrag. Später wird er auch gegenüber der Berliner Zeitung sagen, er habe viele Anrufe bezüglich der AfD erhalten. „Keiner hat mich bedroht.“

Bei den meisten Angriffen auf AfD-Politiker blieb die Kritik der anderen Parteien verhalten – wie auch nach der jüngsten Brandstiftung an Gläsers Auto. Der  Einzelabgeordnete Marcel Luthe  erklärte: „Nur das gesamte Parlament gemeinsam repräsentiert die Berliner. Auch – und gerade wenn – wir die inhaltlichen Positionen eines Kollegen nicht teilen, muss er sie frei und ohne Angst vor Terror äußern können.“

Weitere aktuelle Themen