Eines der teuersten Straßenbauprojekte Deutschlands könnte noch kostspieliger werden. Der Bund schließt nicht aus, dass die Kostenschätzung für die geplante Verlängerung der Autobahn A 100 nach Friedrichshain und Lichtenberg erneut nach oben korrigiert werden muss. Das geht aus einem Bericht des Finanzministeriums hervor, der jetzt der Berliner Abgeordneten Gesine Lötzsch (Linke) übermittelt wurde. Dabei werden schon nach der derzeit geltenden Schätzung enorme Kosten erwartet: 531,2 Millionen Euro. Lötzsch forderte, auf das Projekt zu verzichten. „Das Konzept der autogerechten Stadt ist tot“, so die Vorsitzende des Bundestags-Haushaltsausschusses.

Zwischen Neukölln und Treptow wird bereits an der Verlängerung des Stadtrings gebaut. Sie soll 2022 freigegeben werden, für die 3,2 Kilometer sind 472,9 Millionen Euro eingeplant. Als Nächstes wollen der Bund und der Senat die A 100 zur Frankfurter Allee und zur Storkower Straße führen – vier Kilometer weit.

Doppelstocktunnel geplant

Unter dem Ostkreuz soll sie in einem Doppelstocktunnel verlaufen. Die erste Schätzung für diesen Abschnitt, 286 Millionen Euro, wurde 2013 korrigiert – auf fast den doppelten Betrag, der seitdem gilt. Doch wie teuer die innerstädtische Autobahn wirklich wird, steht noch nicht fest. Das hänge von der Detailplanung ab, teilte der Parlamentarische Staatssekretär Jens Spahn Gesine Lötzsch mit. Die Schätzung des Landes Berlin werde „unter Einbeziehung zeitlicher und sonstiger Risiken noch zu konkretisieren sein“.

Für Lötzsch lässt das nichts Gutes erwarten. „Ich erwarte, dass dem Bundestag und der Öffentlichkeit alle Bauplanungsunterlagen und eine aktuelle und realistische Kostenschätzung vorgelegt werden“, forderte sie. Wenn Bund und Senat dazu nicht in der Lage seien, müsse das Projekt aus dem Verkehrswegeplan gestrichen werden. „Es dürfen keine Blankoschecks auf Kosten der Steuerzahler mehr ausgestellt werden“, so Lötzsch. „Der Weiterbau nach Lichtenberg kann noch verhindert werden“, sagte der Lichtenberger Linken-Politiker Sebastian Schlüsselburg. „Alle, die dieses teure und zweifelhafte Projekt verhindern wollen, sollten Protest einlegen.“