Hoppegarten - Wer Straßen baut, kann eigentlich nur alles falsch machen. Das ist jedenfalls die Ansicht der meisten interessierten Laien, also der Autofahrer. Straßenbau ist so ähnlich wie ein Fußball-Länderspiel, da wissen auch die Zuschauer immer alles besser als der Bundes-Jogi. An der A 12 gibt es nun einen neuen Grund zum Meckern: An der mit Abstand wichtigsten Transit-Achse zwischen Berlin und der deutsch-polnischen Grenze werden auf einem 17 Kilometer langen Abschnitt bis 2018 insgesamt 50 Millionen Euro investiert, um die Piste mit den bislang fehlenden Standstreifen zu versehen.

Diese Zahlen lösten sofort Protest aus. Beim Landesbetrieb für Straßenwesen gingen erste wütende Anrufe ein – Tenor: „Wie kann es sein, dass ihr gleich sechs Jahre braucht, um einen so kurzen Randstreifen zu bauen. Früher hätte das Ganze nur ein Jahr gedauert.“

Früher war zwar alles besser, aber nicht unbedingt sicherer. „Die lange Bauzeit dient vor allem der Verkehrssicherheit“, sagt Cornelia Mitschka vom Landesbetrieb. „Der Bau wurde diesmal extra so geplant, dass an den Baustellen möglichst weniger Unfälle passieren.“ Außerdem werde die Autobahn nicht nur mit einem bislang fehlenden Standstreifen versehen, sondern komplett neu gebaut. Damit wird die Fahrbahn auf fast zwölf Meter verbreitert und der Unterbau aus den 1930er Jahren ersetzt.

Erstmals mit neuem Konzept

Die höhere Sicherheit während des Baus soll zum einen dadurch erreicht werden, dass nicht der gesamte Abschnitt zur Dauerbaustelle wird. „Wenn Autofahrer 17 Kilometer lang nur Tempo 60 fahren dürfen, staut sich bei vielen Wut auf“, erklärt Mitschka. Um das zu vermeiden, wurden drei Abschnitte gebildet. Zuerst wird an Abschnitt 1 und 3 gebaut, dort muss dann langsamer gefahren werden. Auf dem 6,5 Kilometer Stück dazwischen soll alles wie üblich laufen.

Die zweite Maßnahme ist eine Lehre aus den Jahren 2008/2009. Damals wurde die Piste bereits an einem anderen Abschnitt verbreitert. Wie üblich wurde der Verkehr von zwei Spuren je Fahrtrichtung auf eine reduziert und an der Baustelle vorbeigeführt. Es kam zu etlichen schweren Unfällen, denn auf der Strecke sind immerhin 30 Prozent Lastwagen unterwegs.

Diesmal soll der Verkehr auf jeweils zwei Spuren je Richtung an der Baustelle vorbeigeführt werden. „In dieser Form ist es das erste Mal, dass bei uns so gebaut wird“, sagt Mitschka. Die Sache klingt logisch und einfach, ist aber etwas komplizierter. Denn die Autobahn ist für diese Variante einfach zu schmal. Also wird nun bei Abschnitt 1 und 3 erst einmal ein zusätzlicher Streifen an eine Seite der A 12 angebaut. Erst dann ist diese Autobahnhälfte breit genug für den vierspurigen Ersatzverkehr. Dann erst beginnt der eigentlich Bau: Auf einer Seite läuft der Verkehr weiter, die andere Hälfte wird gesperrt und erneuert. Anschließend werden die Seiten gewechselt. Ende 2015 sollen die Abschnitte 1 und 3 sowie fünf Brücken fertig sein. Danach wird bis 2018 das Mittelstück erneuert.

Als dritte Neuerung wird diesmal nicht ganzjährig gebaut, denn das führte oft zu witterungsbedingten Baustopps im Winter. „Deshalb wird jedes Jahr nur von April bis September gebaut“, sagt Cornelia Mitschka. In den Baupausen werde die Baustelle komplett geräumt.

Ausbau auf sechs Spuren gefordert

So weit so gut. Die Wirtschaft kritisiert seit Jahren, dass diese Strecke nicht ihrer Bedeutung entsprechend ausgebaut wird. „Die A 12 ist Teil der klassischen West-Ost-Route von Paris nach Moskau“, sagt Dieter Kapell vom Bundesverband der Mittelständischen Wirtschaft. Heute sei es sogar die Verbindung vom Atlantik nach Nowosibirsk. „Wegen der ständig wachsenden Warenströme sind wir der Meinung, dass der sechsspurige Ausbau der A 12 in den Bundesverkehrswegeplan gehört.“ Es wäre möglich gewesen, die spätere Erweiterung clever vorzubereiten. Denn Standstreifen werden preiswerter gebaut, weil sie nicht so belastbar sein müssen. An der A 12 wäre es sinnvoll gewesen, mehr Geld zu investieren und die Strandstreifen gleich so zu bauen, dass sie später als Fahrbahnen genutzt werden könnten. Dann hätte nur noch eine neue Standspur gebaut werden müssen.

Auch die IHK Ostbrandenburg ist für den sechsspurigen Ausbau. „Wir haben schon 1992 prognostiziert, dass die wirtschaftliche Entwicklung in Osteuropa dies verlangen wird, nun wird es immer dringlicher“, sagt Andreas Zintzsch von der IHK. Das zeigten auch die Zahlen: Am Grenzübergang werden alle mautpflichtigen Lkw registriert. Im Jahr 2011 waren es genau 2,8 Millionen, 2012 bereits 2,97 Millionen. „Die Zahlen steigen ständig“, sagt er. „Nur auf der A 40 vom Ruhrgebiet nach Holland sind mehr Lkw unterwegs.“

Von offizieller Seite heißt es, dass auf der Strecke täglich etwa 40.000 Fahrzeuge unterwegs sind, für einen sechsspurigen Ausbau gelte ein Richtwert von 60.000. Wie auch immer es kommt, niemand glaubt, dass der Ost-West-Verkehr abnimmt. Im Jahr 2018 soll die A 12 dann einmal komplett durchsaniert sein. Ob und wann der sechsspurige Ausbau folgt, weiß noch niemand.