Berlin - Für Berlins Autofahrer war es ein Wechselbad der Gefühle: Erst wurden am Dienstagnachmittag die Baustellen-Barrieren auf der Avus abgeräumt. Ohne sich mit dem Senat abgestimmt zu haben, meldete die Polizei, dass die Autobahn wieder frei sei. Doch das erwies sich als vorschnell: Am Mittwochvormittag wurde ein Fahrstreifen stadteinwärts wieder gesperrt – für Restarbeiten an den Leitplanken. Am Nachmittag kam es dann noch ärger: Der sanierte Abschnitt der A 115 wurde stadteinwärts komplett dicht gemacht – knapp 15 Minuten lang.

Auf der Internetseite der Verkehrsmanagementzentrale hieß es, die Vollsperrung sei nötig, um „verbliebene Baumaschinen und Baustellenausrüstung zu entfernen“. Mindestens ebenso wichtig war offenbar ein anderer Grund: Politiker und Planer wollten unbehelligt vom Verkehr und ohne Unfallgefahren „ein Bändchen durchschneiden“, wie es ein Beteiligter formulierte. So, wie es beim Abschluss großer Straßenprojekte üblich sei. Kurz nach 15 Uhr gaben Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU), Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit und Stadtentwicklungssenator Michael Müller (ebenfalls SPD) die Avus frei. Nun stehen auf ganzer Länge wieder pro Richtung zwei Fahrspuren zur Verfügung.

Abgesehen von den Umständen zum Schluss, gab es wirklich etwas zu feiern. Während andere öffentliche Großprojekte wie der Bau des Flughafens BER später fertig werden und dazu noch teurer ausfallen, ist die Grundsanierung des 8,7 Kilometer langen Avus-Nordabschnitts ein Beispiel dafür, dass es auch anders geht – besser.
Rund 220 000 Quadratmeter Verkehrsfläche wurden erneuert, drei Brücken instand gesetzt, eine entstand neu. Ursprünglich sollten die Bauarbeiten von Juni 2011 bis November 2013 dauern. Dass sie nun rund elf Monate früher als angekündigt abgeschlossen werden konnten, hat mehrere Gründe. Glück war einer der Faktoren: Weil keine längeren Winterperioden die Arbeiten verzögerten, wurden knapp sechs Monate gewonnen.

Gute Planung und Koordination sowie neue Bautechnik ersparten den Avus-Nutzern weitere fünf Monate Stress mit Fahrstreifensperrungen. Eine für Berlin neuartige Bonus-Malus-Regelung spornte die Baufirmen zusätzlich an. Tatsächlich können sie jetzt eine Prämie von einer Million Euro einstreichen. Was sich der Bund als Bauherr auch leisten kann, denn die Kosten für die Avus-Sanierung liegen mit 24 Millionen Euro um 3,6 Millionen niedriger als zunächst geplant.

Weil der Rollsplitt noch vier bis sechs Wochen auf der Fahrbahn liegen bleiben muss, gilt so lange noch Tempo 60. Dann dürfen die Autofahrer wieder auf 100 Kilometer pro Stunde beschleunigen – wie früher.