Mit der Veröffentlichung von Fahndungsfotos erhofft sich die Polizei Hinweise zur Identität eines bisher unbekannten Schlägers und seines Begleiters. Die Tat ereignete sich bereits am 9. Juli vergangenen Jahres. An jenem Mittwoch fuhr ein heute 34 Jahre alter Radfahrer gegen 17.30 Uhr auf dem Radfahrstreifen der Wilhelmstraße von Tempelhof in Richtung Mitte. Nach bisherigen Erkenntnissen musste der Radler einem braunen Hyundai-Geländewagen mit Heidelberger Kennzeichen ausweichen, der wegen eines Staus halb auf dem Radfahrstreifen stand.

Der Radfahrer war nach eigenen Aussagen über den Gehweg ausgewichen und dann kurz nach dem Auto wieder auf die Fahrbahn gefahren. Ob er das haltende Auto dabei berührt hatte, konnte er in der späteren Vernehmung nicht mehr sagen. Der Radfahrer fuhr dann weiter und bog an der Leipziger Straße nach rechts in Richtung Alexanderplatz ab. Plötzlich wurde er von dem Hyundai überholt, dessen Fahrer über den Gehweg gefahren war, um ihm zu folgen. Der Geländewagen bedrängte den Radfahrer zunächst vom Gehweg aus. „Dabei gefährdete der Autofahrer diverse Fußgänger, die auf dem Gehweg liefen“, sagte ein Polizeisprecher.

Anschließend fuhr der Wagen zurück auf die Fahrbahn und bedrängte den inzwischen wegen des aggressiven Verhaltens des Fahrers verängstigten Radfahrer von der anderen Seite. Als der Wagen auf gleicher Höhe wie der 34-Jährige fuhr, öffnete sich plötzlich das Beifahrerfenster und der Beifahrer prügelte mehrfach mit einem Teleskopschlagstock auf den Radfahrer ein. Gleichzeitig wurde das Auto immer wieder nach rechts gegen den Radfahrer gelenkt, um diesen am Bordstein einzuklemmen.

An der Kreuzung Leipziger Straße/Mauerstraße überholte der Autofahrer den Radler schließlich und stellte sich ihm mit seinem Wagen in den Weg. Der Radfahrer musste ruckartig bremsen, um nicht gegen das Auto zu prallen. Der Autofahrer sprang heraus und rannte auf den 34-Jährigen zu. Dieser versuchte noch zu wenden und davon zu fahren, wurde jedoch in diesem Moment schon von dem Unbekannten mit dem Schlagstock mehrfach gegen den Kopf geschlagen. Dabei schrie der aggressive Mann diverse Beleidigungen und drohte, den Radfahrer zu töten.

Auch herbeieilende Zeugen beleidigte und bedrohte der Mann. Nachdem Passanten eingeschritten waren, lief der Schläger zunächst zurück zu seinem Auto. Das Opfer fotografierte dann sowohl den Autofahrer als auch das Fahrzeug, woraufhin der brutale Mann erneut auf den 34-Jährigen zulief und ihm mehrfach gegen den Kopf trat, bis dieser umfiel und regungslos liegen blieb. In der Zwischenzeit fertigte ein Zeuge weitere Fotos an.

Nach dieser erneuten Attacke stieg der Unbekannte in das Fahrzeug, wendete und fuhr auf der Leipziger Straße zurück in Richtung Potsdamer Platz. Der Radfahrer wurde schwer verletzt ins Bundeswehrkrankenhaus eingeliefert. Laut Polizei leidet er noch heute psychisch sehr unter dem Angriff.

Wagen in Heidelberg gemietet

Schon wenige Tage später konnte die Polizei den Hyundai ausfindig machen. Er war bei einer Autovermietung in Heidelberg ausgeliehen worden. Doch der Mieter war laut Polizei nicht der Fahrer. Die Ermittlungen zu dem Mann am Steuer und seinem Beifahrer blieben bisher ohne Erfolg.

Dass die Polizei erst mehr als ein halbes Jahr später Fotos des Mannes veröffentlicht, erklärte eine Polizeisprecherin am Freitag so: "Erst müssen wir alle Ermittlungsmöglichkeiten ausgeschöpft haben und allen Hinweisen nachgegangen sein." Dazu habe auch die polizeiinterne Fahndung mit Fotos gehört, so die Sprecherin. "Die Öffentlichkeitsfahndung, die ein Richter genehmigen muss, ist eines der letzten Mittel."

Der Fahrer wird folgendermaßen beschrieben: Er ist 30 bis 40 Jahre alt und hat laut Polizei ein „südländisches Aussehen“. Er sprach deutsch mit leichtem Akzent, trug ein helles T-Shirt, Jeans und Schuhe mit einer hellen Applikation. Er hatte dunkle Haare und einen Drei-Tage-Bart. Am linken Handgelenk trug er eine auffällige, goldfarbene Uhr.

Zu seinem Begleiter gibt es folgende Beschreibung: 20 bis 25 Jahre alt, auffallend schlank, über 1,80 Meter groß, kurze dunkelblonde oder bräunliche Haare, kariertes Hemd in unterschiedlichen Türkistönen. Er sprach deutsch mit leichtem Akzent.
Hinweise nimmt die Polizei unter den Telefonnummern 030/4664 - 381 352 bzw. - 381 800 oder auch auch jede andere Polizeidienststelle entgegen.

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